James Stewart (1908–1997) war ein US-amerikanischer Schauspieler, der für seine Verkörperung des idealistischen Durchschnittsamerikaners bekannt wurde. Mit Filmen wie Frank Capras ‚Mr. Smith geht nach Washington‘ und Alfred Hitchcocks ‚Das Fenster zum Hof‘ prägte er das klassische Hollywood-Kino und gewann 1941 einen Oscar als Bester Hauptdarsteller.
Der Oscar, den James Stewart 1941 für seine Rolle in „Die Nacht vor der Hochzeit“ erhielt, stand nicht in einer Vitrine in Beverly Hills. Er stand 25 Jahre lang im Schaufenster des Eisenwarenhandels seines Vaters in Indiana, Pennsylvania, zwischen Hammer und Nägeln. Diese Geste, eine Mischung aus Stolz und Bodenständigkeit, fasst die öffentliche Wahrnehmung eines Mannes zusammen, der Amerikas liebenswerter Nachbar war, selbst als er zu den größten Stars der Filmgeschichte zählte.
James Stewart war die Personifikation des anständigen, leicht stolpernden amerikanischen Durchschnittsbürgers, doch hinter dieser Fassade verbarg sich ein hochdekorierter Kriegsheld und ein Darsteller von abgründiger Tiefe, der das Vertrauen des Publikums nutzte, um es in die Obsessionen von Alfred Hitchcock zu führen.
Inhalt (6)
| Jahr | Film / Stück | Rolle / Funktion | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1939 | Mr. Smith geht nach Washington | Jefferson Smith | Durchbruch zur A-Liga Hollywoods; erste Oscar-Nominierung |
| 1940 | Die Nacht vor der Hochzeit | Macaulay Connor | Oscar als Bester Hauptdarsteller |
| 1946 | Ist das Leben nicht schön? | George Bailey | Ikonische Rolle in einem Weihnachtsklassiker; sein persönlicher Lieblingsfilm |
| 1950 | Mein Freund Harvey | Elwood P. Dowd | Paraderolle als liebenswerter Exzentriker |
| 1954 | Das Fenster zum Hof | L. B. Jefferies | Erster von vier Filmen mit Alfred Hitchcock; Meilenstein des Thrillers |
| 1958 | Vertigo – Aus dem Reich der Toten | John ‚Scottie‘ Ferguson | Komplexe, düstere Rolle in Hitchcocks Meisterwerk |
| 1959 | Anatomie eines Mordes | Paul Biegler | Letzte von fünf Oscar-Nominierungen als Bester Hauptdarsteller |
| 1962 | Der Mann, der Liberty Valance erschoß | Ransom Stoddard | Klassischer Spätwestern unter der Regie von John Ford |
Vom Architekten zum Charakterdarsteller
Geboren in Indiana, Pennsylvania, studierte James Stewart Architektur an der Princeton University. Nach seinem Abschluss 1932 entschied er sich gegen den erlernten Beruf und folgte seiner Leidenschaft für das Theater. Über den Broadway kam er 1935 zu einem Siebenjahresvertrag bei Metro-Goldwyn-Mayer in Hollywood.
James Maitland Stewarts Weg schien vorgezeichnet. Als Sohn des Besitzers eines Eisenwarenhandels sollte er das Familiengeschäft in dritter Generation übernehmen. Doch der junge Stewart, dessen Mutter eine begabte Pianistin war, entwickelte früh eigene Interessen. Er baute Modellflugzeuge, spielte Akkordeon und entdeckte während seiner Zeit an der Mercersburg Academy das Theater für sich. Anstatt in den väterlichen Betrieb einzusteigen, schrieb er sich an der renommierten Princeton University für Architektur ein. Er schloss sein Studium 1932 erfolgreich ab, doch die Pläne für Gebäude sollten seinen Skizzenbüchern weichen – den Skizzen für Charaktere.
Der entscheidende Impuls kam von seinem Studienfreund Joshua Logan, dem späteren Regisseur. Logan lud Stewart zu seiner Sommertheatertruppe, den Falmouth Players, ein. Dort traf er auf zwei Menschen, die seinen Weg prägen sollten: Margaret Sullavan und Henry Fonda. Mit Fonda teilte er sich bald ein Zimmer in New York und eine lebenslange, enge Freundschaft. Während sie sich mit kleinen Rollen am Broadway durchschlugen, war es die Klatschkolumnistin Hedda Hopper, die das Filmstudio Metro-Goldwyn-Mayer auf den schlaksigen jungen Mann mit dem zögerlichen Sprechstil aufmerksam machte. 1935 unterzeichnete Stewart den Vertrag, der ihn nach Hollywood brachte und seine Laufbahn als Architekt endgültig beendete.
Der Idealist für Frank Capra
Die Zusammenarbeit mit Regisseur Frank Capra Ende der 1930er-Jahre definierte Stewarts Image als aufrechter, idealistischer Amerikaner. „Lebenskünstler“ (1938) war der erste Erfolg, „Mr. Smith geht nach Washington“ (1939) machte ihn zum Star und brachte ihm eine Oscar-Nominierung ein. 1941 erhielt er den Filmpreis für „Die Nacht vor der Hochzeit“.

Bei MGM wurde Stewart zunächst in Nebenrollen an der Seite etablierter Stars wie Spencer Tracy oder Joan Crawford besetzt. Sein Image war das des „guten Jungen von nebenan“. Der Wendepunkt kam, als Regisseur Frank Capra ihn für seine Gesellschaftskomödie „Lebenskünstler“ (1938) engagierte. Der Film gewann den Oscar und etablierte Stewart als Hauptdarsteller. Die Rolle, die ihn unsterblich machen sollte, folgte ein Jahr später: Als Jefferson Smith in „Mr. Smith geht nach Washington“ verkörperte er einen naiven Senator, der es allein mit dem korrupten Polit-Establishment aufnimmt. Der Höhepunkt des Films, eine fast 24-stündige Dauerrede vor dem Senat, ist ein Stück Filmgeschichte und zementierte Stewarts Leinwandpersönlichkeit: der gewöhnliche Mann, der unter Druck über sich hinauswächst.
Seinen einzigen Oscar als bester Hauptdarsteller gewann er 1941 nicht für Capra, sondern für George Cukors Screwball-Komödie „Die Nacht vor der Hochzeit“, an der Seite von Cary Grant und Katharine Hepburn. Viele sahen den Preis als eine verspätete Anerkennung für seine Leistung in „Mr. Smith“. Stewart selbst entwickelte in dieser Zeit seinen unverkennbaren Stil. Sein langsamer, gedehnter Sprechfluss und seine Fähigkeit, Dialoge wie ein echtes Gespräch klingen zu lassen, waren revolutionär. Sein Schauspielkollege Cary Grant bemerkte, Stewart habe Natürlichkeit ins Filmgeschäft gebracht, lange vor Marlon Brando. Stewarts eigene Beschreibung war bescheidener.
Ich agiere nicht. Ich reagiere.
Diese Fähigkeit, authentisch auf seine Filmpartner und die jeweilige Situation zu reagieren, machte ihn zu einer perfekten Identifikationsfigur für das Publikum. Man glaubte ihm seine Aufrichtigkeit, seine Verwirrung und seine moralische Stärke. Es war diese Glaubwürdigkeit, die seine späteren, düstereren Rollen umso verstörender machte.
Colonel Stewart über Europa
Am 22. März 1941, noch vor dem Angriff auf Pearl Harbor, trat Stewart in die US-Streitkräfte ein. Als Pilot der United States Army Air Forces flog er über 20 Kampfeinsätze über Deutschland. Hochdekoriert, unter anderem mit dem Distinguished Flying Cross, beendete er den Krieg 1945 als Oberst und wurde später Brigadegeneral der Reserve.

Auf dem Höhepunkt seines Ruhms tauschte James Stewart das Filmset gegen das Cockpit eines Bombers. Als ausgebildeter Privatpilot meldete er sich im März 1941 freiwillig zum Dienst. Zunächst wegen Untergewichts abgelehnt, bestand er auf einer zweiten Musterung und wurde angenommen. Seine Vorgesetzten sahen in ihm vor allem einen Propaganda-Gewinn und setzten ihn als Fluglehrer und in Werbefilmen ein. Doch Stewart drängte auf einen Kampfeinsatz. Ab 1943 flog er als Operationsoffizier einer B-24-Bomberstaffel der 8th Air Force von England aus Angriffe auf Ziele in Deutschland. Er nahm an über 20 Feindflügen teil, darunter Einsätze über Braunschweig und Berlin.
In nur vier Jahren stieg er vom einfachen Soldaten zum Oberst auf – eine außergewöhnliche Leistung. Nach dem Krieg blieb er Reserveoffizier der neu gegründeten United States Air Force und wurde 1959 zum Brigadegeneral befördert. Damit erreichte er den höchsten militärischen Rang, den je ein Hollywood-Star innehatte. Über seine Kriegserfahrungen sprach er selten und lehnte es ab, in den meisten Kriegsfilmen mitzuwirken, die er als unrealistisch empfand. Der Krieg hatte ihn verändert; die Unschuld seiner Vorkriegsrollen wich einer neuen Tiefe und einem spürbaren Gewicht, das seine späteren Darstellungen prägen sollte.
Die dunklen Seiten des L. B. Jefferies
Nach dem Krieg kehrte Stewart mit Frank Capras „Ist das Leben nicht schön?“ (1946) zurück, einem Film, der erst später zum Klassiker wurde. In den 1950er-Jahren erweiterte er sein Repertoire um ambivalente Charaktere in Western von Anthony Mann und vier stilprägenden Thrillern unter der Regie von Alfred Hitchcock.
Stewarts erster Film nach seiner Rückkehr aus Europa war „Ist das Leben nicht schön?“. Die Rolle des von Geldsorgen und Verzweiflung geplagten George Bailey, der seinen Lebensmut verliert, war eine seiner komplexesten. Obwohl der Film heute als unsterblicher Klassiker gilt, war er an den Kinokassen zunächst eine Enttäuschung. In den folgenden Jahren fand Stewart seinen Platz im Nachkriegs-Hollywood neu. Er wurde zu einem der ersten Stars, die ohne festen Studiovertrag arbeiteten, was ihm mehr Kontrolle über seine Rollenwahl gab. Er nutzte diese Freiheit, um sein Image aufzubrechen.
Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Anthony Mann in einer Reihe von Western wie „Winchester ’73“ (1950) und „Nackte Gewalt“ (1953) zeigte einen neuen Stewart: einen von Rache getriebenen, moralisch ambivalenten Helden mit neurotischen Zügen. Diese Filme bereiteten den Boden für die vielleicht wichtigste künstlerische Partnerschaft seiner Karriere: die mit Alfred Hitchcock. In vier Filmen lotete Hitchcock die Abgründe hinter Stewarts All-American-Fassade aus. In „Das Fenster zum Hof“ (1954) ist sein voyeuristischer Fotograf an den Rollstuhl gefesselt, in „Der Mann, der zuviel wußte“ (1956) wird er in ein politisches Komplott verwickelt. Den Höhepunkt bildete „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ (1958), in dem Stewart als Polizeiinspektor Scottie Ferguson einer obsessiven, nekrophilen Leidenschaft verfällt. Das Publikum war von diesem düsteren Meisterwerk irritiert, doch heute gilt der Film als einer der besten aller Zeiten und Stewarts Darstellung als eine Tour de Force.
Anatomie eines Spätwerks
In den späten 1950er- und 1960er-Jahren festigte Stewart seinen Legendenstatus. Mit Otto Premingers „Anatomie eines Mordes“ (1959) erhielt er seine letzte Oscar-Nominierung. Seine Arbeit mit John Ford, insbesondere in „Der Mann, der Liberty Valance erschoß“ (1962), markierte einen Höhepunkt des Spätwesterns.
Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Hitchcock bewies Stewart seine anhaltende Relevanz. In Otto Premingers Gerichtsdrama „Anatomie eines Mordes“ brillierte er als scharfsinniger Kleinstadtanwalt und erhielt dafür seine fünfte und letzte Oscar-Nominierung. In den 1960er-Jahren trat er in zwei bedeutenden Western des legendären Regisseurs John Ford auf. Während „Zwei ritten zusammen“ (1961) zwiespältig aufgenommen wurde, war „Der Mann, der Liberty Valance erschoß“ (1962) ein Meisterwerk. An der Seite von John Wayne spielte Stewart den idealistischen Anwalt Ransom Stoddard, der die Zivilisation in den Wilden Westen bringt, aber auf die rohe Gewalt eines Mannes wie Tom Doniphon angewiesen ist. Der Film ist ein melancholischer Abgesang auf einen Mythos.
Neben diesen anspruchsvollen Rollen drehte Stewart auch weiterhin erfolgreiche Familienkomödien wie „Mr. Hobbs macht Ferien“ (1962). Seine Karriere umspannte fast 100 Film- und Fernsehauftritte. Er blieb bis ins hohe Alter aktiv, zog sich aber nach dem Tod seiner Frau Gloria 1994 zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. James Stewart starb am 2. Juli 1997 in Beverly Hills. Er hinterließ ein filmisches Werk, das die amerikanische Seele in all ihren Facetten widerspiegelt – von ihrem unerschütterlichen Idealismus bis zu ihren dunkelsten Obsessionen.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde James Stewart geboren und wann starb er?
James Stewart wurde am 20. Mai 1908 in Indiana, Pennsylvania, geboren. Er starb am 2. Juli 1997 im Alter von 89 Jahren in seinem Haus in Beverly Hills, Kalifornien, an den Folgen einer Lungenembolie.
Wofür ist James Stewart bekannt?
James Stewart ist bekannt für seine Darstellung des aufrichtigen, oft idealistischen „amerikanischen Durchschnittsbürgers“. Er prägte das klassische Hollywood-Kino in Filmen von Frank Capra („Mr. Smith geht nach Washington“) und Alfred Hitchcock („Das Fenster zum Hof“, „Vertigo“).
Welche waren die wichtigsten Filme von James Stewart?
Zu seinen wichtigsten Filmen zählen „Mr. Smith geht nach Washington“ (1939), „Die Nacht vor der Hochzeit“ (1940), für den er einen Oscar erhielt, der Weihnachtsklassiker „Ist das Leben nicht schön?“ (1946) sowie die Alfred-Hitchcock-Thriller „Das Fenster zum Hof“ (1954) und „Vertigo“ (1958).
War James Stewart verheiratet und hatte er Kinder?
Ja, James Stewart war von 1949 bis zu ihrem Tod 1994 mit der Schauspielerin Gloria Hatrick McLean verheiratet. Das Paar hatte zwei gemeinsame Zwillingstöchter, Kelly und Judy. Stewart adoptierte zudem die beiden Söhne aus Glorias erster Ehe.
Welchen militärischen Rang hatte James Stewart?
James Stewart war hochdekoriert. Er beendete den Zweiten Weltkrieg als Oberst der US Army Air Forces. In der Air Force Reserve wurde er 1959 zum Brigadegeneral befördert und war damit der höchstrangige Hollywood-Schauspieler in der Geschichte des US-Militärs.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Eliot, M. (2006). Jimmy Stewart: A Biography. Harmony Books.
- Fishgall, G. (1997). Pieces of Time: The Life of James Stewart. Scribner.
- Dewey, D. (2014). James Stewart: A Biography. Amberley Publishing.
- Smith, S. (2005). Jimmy Stewart: The Truth Behind the Legend. Headline Book Publishing.