Cary Grant (18. Januar 1904 – 29. November 1986) war ein britisch-amerikanischer Schauspieler und einer der populärsten Stars der klassischen Hollywood-Ära. Berühmt wurde er durch seine Rollen in Screwball-Komödien wie *Leoparden küßt man nicht* und in Thrillern von Alfred Hitchcock, darunter *Der unsichtbare Dritte*. 1970 erhielt er einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk.
Er war die vollendete Schöpfung. Ein Mann, dessen Name allein schon Eleganz, Witz und eine unantastbare Souveränität versprach. Doch der Mann, den die Welt als Cary Grant kannte, war selbst nur ein Bewunderer dieser Figur. Geboren als Archibald Alec Leach in den bescheidenen Verhältnissen von Bristol, England, war sein Weg nach Hollywood kein geradliniger Aufstieg, sondern eine Metamorphose, geformt aus dem Trauma der Kindheit und der harten Disziplin der Akrobatik. Der Name Cary Grant war nicht nur eine Vorgabe des Studios, er war ein Lebensprojekt, ein Schutzschild und eine Rolle, die Archibald Leach bis zur Perfektion spielte.
Sein Markenzeichen war die mühelose Beherrschung jeder Situation, doch hinter der Fassade des selbstironischen Weltmanns verbarg sich eine lebenslange Suche nach Identität, die ihn von den Vaudeville-Bühnen Amerikas bis in die therapeutischen Experimente mit LSD führte.
Inhalt (5)
| Jahr | Film | Rolle / Funktion | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1937 | Die schreckliche Wahrheit | Jerry Warriner | Definitive Rolle, die seine Persona in der Screwball-Komödie etablierte. |
| 1938 | Leoparden küßt man nicht | Dr. David Huxley | Kultklassiker des Genres an der Seite von Katharine Hepburn, Regie Howard Hawks. |
| 1940 | Die Nacht vor der Hochzeit | C.K. Dexter Haven | Ensemble-Meisterwerk mit Katharine Hepburn und James Stewart. |
| 1941 | Verdacht | Johnnie Aysgarth | Erste Zusammenarbeit mit Alfred Hitchcock in einer moralisch ambivalenten Rolle. |
| 1946 | Berüchtigt | T.R. Devlin | Psychologischer Thriller, Höhepunkt der Zusammenarbeit mit Hitchcock und Ingrid Bergman. |
| 1955 | Über den Dächern von Nizza | John Robie | Glamouröses Comeback unter Hitchcock an der Seite von Grace Kelly. |
| 1959 | Der unsichtbare Dritte | Roger O. Thornhill | Ikonische Hauptrolle, die sein Image als eleganter Held in Gefahr zementierte. |
Von Archibald Leach zu Cary Grant
Geboren am 18. Januar 1904 in Bristol, England, als Archibald Alec Leach. Im Alter von neun Jahren wurde seine Mutter in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, was ihm verheimlicht wurde. Mit 13 verließ er die Schule, schloss sich der Akrobatentruppe „The Bob Pender Troupe“ an und kam 1920 nach Amerika. 1932 erhielt er einen Vertrag bei Paramount Pictures und nahm den Namen Cary Grant an.
Das Fundament für die makellose physische Präsenz von Cary Grant wurde nicht in Schauspielschulen gelegt, sondern auf den harten Brettern britischer Varieté-Bühnen. Als Archibald Leach erlebte er eine Kindheit, die von Verlust und emotionaler Verwirrung geprägt war. Der Vater, ein alkoholkranker Bügler, erklärte dem neunjährigen Jungen, seine Mutter Elsie sei gestorben. In Wahrheit wurde sie in eine Heilanstalt eingewiesen, ein Fakt, den Leach erst Jahrzehnte später erfuhr. Diese Leerstelle und das Gefühl des Verlassenseins wurden zu einem prägenden Motiv seines Lebens. Die Flucht fand er im Theater. Die Komödiantentruppe von Bob Pender bot ihm nicht nur eine Ausbildung als Akrobat und Pantomime, sondern auch eine Ersatzfamilie und eine Fahrkarte aus der Enge Bristols.
Die Tournee führte ihn 1920 nach New York City, wo der junge Leach blieb, als die Truppe nach England zurückkehrte. Er schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, trat auf Coney Island als Stelzenläufer auf und verfeinerte sein Handwerk auf den Vaudeville-Bühnen. Sein Timing, seine Körperbeherrschung und sein gutes Aussehen brachten ihm schließlich Rollen am Broadway ein. Ein Vorsprechen für Paramount Pictures im Jahr 1931 wurde zum Wendepunkt. Das Studio erkannte sein Potenzial, aber nicht seinen Namen. Archibald Leach klang zu gewöhnlich. Auf Vorschlag des Studios wählte er „Cary Grant“ – eine bewusste Neuschöpfung, die den Jungen aus Bristol hinter einer polierten, amerikanischen Fassade verschwinden ließ. Sein Filmdebüt gab er 1932 in *This Is the Night*, doch es war die Begegnung mit Mae West ein Jahr später, die seine Karriere beschleunigte. Sie bestand darauf, ihn für ihre Filme *Sie tat ihm unrecht* und *Ich bin kein Engel* zu besetzen und erkannte das Potenzial des charmanten Hauptdarstellers.
Meister der Screwball-Komödie
Den endgültigen Durchbruch markierte 1937 die Komödie *Topper – Das blonde Gespenst*. In den Folgejahren etablierte er sich als führender männlicher Darsteller der Screwball-Komödie, oft unter der Regie von Howard Hawks und George Cukor. Seine Paraderolle war der elegante, aber von starken Frauenfiguren aus dem Konzept gebrachte Mann, etwa an der Seite von Katharine Hepburn.

Die späten 1930er-Jahre sahen die Geburt eines neuen Genres, das Cary Grant wie kein anderer verkörperte: die Screwball-Komödie. Diese Filme lebten von absurden Situationen, schnellen Dialogen und einem Kampf der Geschlechter, den meist die Frau gewann. Grant war die ideale Besetzung für den männlichen Part. Seine akrobatische Ausbildung ermöglichte ihm eine physische Komik, die von Slapstick bis zu subtiler Gestik reichte. In *Die schreckliche Wahrheit* (1937) lieferte er sich mit Irene Dunne einen Scheidungskrieg voller Witz und doppelter Böden. Der Film war ein Kassenschlager und definierte Grants Leinwandpersönlichkeit.
Jeder möchte sein wie Cary Grant. Ich wäre auch gerne Cary Grant.
Die Zusammenarbeit mit der eigenwilligen Katharine Hepburn brachte einige der unvergesslichsten Komödien der Ära hervor. In Howard Hawks’ *Leoparden küßt man nicht* (1938) spielte er einen zerstreuten Paläontologen, dessen geordnetes Leben durch eine exzentrische Erbin und ihren Leoparden ins Chaos gestürzt wird. Der Film war bei seiner Premiere ein kommerzieller Misserfolg, gilt heute aber als Meisterwerk des Genres. In *Die Schwester der Braut* (1938) unter der Regie von George Cukor und *Die Nacht vor der Hochzeit* (1940) perfektionierten Grant und Hepburn ihre dynamische Chemie. Seine Fähigkeit, Würde zu bewahren, während um ihn herum alles zusammenbrach, wurde zu seinem Markenzeichen. In Frank Capras schwarzer Komödie *Arsen und Spitzenhäubchen* (1944) trieb er diese Fähigkeit auf die Spitze, als er mit der mörderischen Neigung seiner Tanten konfrontiert wurde.
Im Schatten des Zweifels: Die Hitchcock-Jahre
Ab 1941 begann Grant seine Zusammenarbeit mit dem Regisseur Alfred Hitchcock. In vier Filmen nutzte Hitchcock Grants Image, um es mit Abgründen und moralischer Ambiguität zu unterwandern. Die Thriller *Verdacht* (1941), *Berüchtigt* (1946), *Über den Dächern von Nizza* (1955) und *Der unsichtbare Dritte* (1959) zählen zu den Höhepunkten beider Karrieren.

Alfred Hitchcock erkannte, dass die makellose Oberfläche Cary Grants der perfekte Nährboden für Misstrauen war. Er besetzte ihn nicht trotz, sondern wegen seines Images als Gentleman. Im Thriller *Verdacht* (1941) spielt Grant einen charmanten Lebemann, von dem seine Ehefrau (Joan Fontaine) glaubt, er wolle sie ermorden. Das Publikum war schockiert, seinen Liebling in einer derart zwielichtigen Rolle zu sehen. Die Zusammenarbeit erreichte einen neuen Höhepunkt mit *Berüchtigt* (1946). Als US-Agent T.R. Devlin, der die von Ingrid Bergman gespielte Spionin aus beruflichem Kalkül in die Arme eines Nazis treibt und sich dabei in sie verliebt, zeigte Grant eine kalte, verletzliche Seite, die man von ihm nicht kannte. Die Chemie zwischen Bergman und Grant, verdichtet in einer der längsten Kuss-Szenen der Filmgeschichte, ist legendär.
Nach einer kurzen Phase des geplanten Rückzugs überredete Hitchcock ihn zu einem Comeback in *Über den Dächern von Nizza* (1955). An der Seite von Grace Kelly spielte Grant einen ehemaligen Juwelendieb an der sonnigen Côte d’Azur – ein Film, der seinen Status als alterslos-attraktiver Star zementierte. Die Krönung ihrer gemeinsamen Arbeit war *Der unsichtbare Dritte* (1959). Als Werbefachmann Roger Thornhill, der fälschlicherweise für einen Spion gehalten und quer durch die USA gejagt wird, verkörperte Grant den unschuldigen Mann in einer absurden, lebensgefährlichen Situation. Der Film ist eine meisterhafte Synthese aus Spannung, Humor und Eleganz und bleibt untrennbar mit dem Bild von Cary Grant im grauen Anzug verbunden, der vor einem Flugzeug über ein Maisfeld flieht.
Die Suche hinter der Fassade
1966 zog sich Grant nach seinem Film *Nicht so schnell, mein Junge* aus dem Filmgeschäft zurück. Er war fünfmal verheiratet und wurde 1966 mit 62 Jahren erstmals Vater. In den späten 1950er-Jahren unterzog er sich einer damals legalen LSD-Therapie, um seine Depressionen und Traumata zu bearbeiten. Nach seiner Filmkarriere wurde er ein erfolgreicher Geschäftsmann und Vorstandsmitglied beim Kosmetikkonzern Fabergé.
Während die Leinwandfigur Cary Grant von Erfolg zu Erfolg eilte, kämpfte Archibald Leach privat mit den Dämonen seiner Vergangenheit. Sein Liebesleben war turbulent und von fünf Ehen geprägt, darunter die medienwirksamen Verbindungen zur Woolworth-Erbin Barbara Hutton und zur Schauspielerin Dyan Cannon. Seine engste Freundschaft pflegte er über Jahre hinweg mit dem Schauspieler Randolph Scott, mit dem er zeitweise zusammenwohnte, was zu anhaltenden Spekulationen über seine sexuelle Orientierung führte. Erst 1966, im Alter von 62 Jahren, wurde er durch die Geburt seiner Tochter Jennifer Grant zum Vater, eine Rolle, die er als die wichtigste seines Lebens bezeichnete und die maßgeblich zu seinem Rückzug aus Hollywood beitrug.
Auf der Suche nach innerem Frieden wandte sich Grant Ende der 1950er-Jahre einer unkonventionellen Methode zu: der Psychotherapie mit LSD, das damals noch legal war. In über 100 Sitzungen konfrontierte er sich mit seiner traumatischen Kindheit und der komplexen Beziehung zu seiner Mutter, die er nach 21 Jahren aus der Anstalt befreit hatte. Er sprach öffentlich positiv über diese Erfahrung, die ihm geholfen habe, „wiedergeboren“ zu werden. Nach seinem Abschied von der Leinwand erfand er sich erneut, diesmal als gewiefter Geschäftsmann. Er wurde Vorstandsmitglied bei Fabergé und bewies ein ebenso gutes Gespür für Bilanzen wie für ein Drehbuch. In seinen letzten Lebensjahren reiste er mit seiner Ein-Mann-Show „A Conversation with Cary Grant“ durch die USA, beantwortete Fragen des Publikums und schien endlich Frieden mit der von ihm geschaffenen Ikone gemacht zu haben. Er starb am 29. November 1986 in Davenport, Iowa, an einem Schlaganfall.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Cary Grant geboren und wann starb er?
Cary Grant wurde am 18. Januar 1904 als Archibald Alec Leach in Bristol, England, geboren. Er starb am 29. November 1986 im Alter von 82 Jahren in Davenport, Iowa, USA, an den Folgen eines Schlaganfalls.
Wofür ist Cary Grant bekannt?
Cary Grant ist bekannt als einer der größten Stars des klassischen Hollywood-Kinos. Er prägte die Screwball-Komödie mit Filmen wie *Leoparden küßt man nicht* und wurde durch seine vier Zusammenarbeiten mit Regisseur Alfred Hitchcock, insbesondere *Der unsichtbare Dritte*, zur Ikone.
Welche waren die wichtigsten Filme von Cary Grant?
Zu seinen wichtigsten Filmen zählen die Komödien *Die schreckliche Wahrheit* (1937) und *Die Nacht vor der Hochzeit* (1940) sowie die Alfred-Hitchcock-Thriller *Berüchtigt* (1946) und *Der unsichtbare Dritte* (1959). Auch *Arsen und Spitzenhäubchen* (1944) gilt als Kultklassiker.
War Cary Grant verheiratet und hatte er Kinder?
Ja, Cary Grant war fünfmal verheiratet, unter anderem mit der Woolworth-Erbin Barbara Hutton und der Schauspielerin Dyan Cannon. Mit Dyan Cannon hatte er sein einziges Kind, die Tochter Jennifer Grant, die 1966 geboren wurde, als er 62 Jahre alt war.
Woran starb Cary Grant?
Cary Grant starb am 29. November 1986 im Alter von 82 Jahren an einem schweren Schlaganfall. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt in Davenport, Iowa, um dort mit seiner Bühnenshow „A Conversation with Cary Grant“ aufzutreten.
Welchen Einfluss hatte Cary Grant?
Cary Grant definierte das Ideal des eleganten, witzigen und zugleich verletzlichen männlichen Hauptdarstellers. Seine Persona beeinflusste Generationen von Schauspielern, und seine Filme, insbesondere die mit Alfred Hitchcock, gehören zum unumstößlichen Kanon der Filmgeschichte und werden bis heute studiert und zitiert.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Deschner, D. (1983). Cary Grant und seine Filme. Citadel-Filmbücher.
- Eyman, S. (2020). Cary Grant: A Brilliant Disguise. Simon & Schuster.
- Vermilye, J. (1980). Cary Grant: Seine Filme – sein Leben. Wilhelm Heyne Verlag.