Robert Schumann (geboren am 8. Juni 1810 in Zwickau, gestorben am 29. Juli 1856 in Endenich) war ein deutscher Komponist, Musikkritiker und Dirigent. Er zählt zu den zentralen Figuren der musikalischen Romantik. Sein Schaffen reicht von virtuoser Klaviermusik über Hunderte von Liedern bis hin zu vier Sinfonien und bedeutender Kammermusik.
Ein mechanisches Übungsgerät sollte die Finger seiner rechten Hand spreizen, ihre Unabhängigkeit trainieren und ihn dem Ziel näherbringen, der größte Pianist seiner Zeit zu werden. Stattdessen brachte es Stille. Die Sehnen des Mittelfingers überdehnten, eine Lähmung kroch in die Hand und beendete im Jahr 1832 jäh den Traum von der Virtuosenkarriere. Dieser Verlust war eine persönliche Katastrophe für den jungen Mann aus Zwickau. Er war aber zugleich die Geburtsstunde des Komponisten Robert Schumann, der nun gezwungen war, die Musik, die in seinem Kopf erklang, nicht mehr nur zu interpretieren, sondern sie auf dem Notenpapier für die Nachwelt festzuhalten. Der stumme Finger zwang ihn, eine neue, tiefere Sprache zu finden.
Sein Leben war eine Partitur der Extreme: zwischen literarischer Begabung und musikalischem Genie, zwischen der leidenschaftlichen Liebe zu Clara Wieck und dem erbitterten Kampf gegen ihren Vater, zwischen manischer Schaffenskraft und den dunklen Schatten einer psychischen Krankheit, die ihn am Ende verschlang.
Inhalt (6)
| Jahr | Werk | Gattung | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1834–1835 | Carnaval, op. 9 | Klavierzyklus | Ein maskenballartiges Stück voller musikalischer Porträts und literarischer Anspielungen. |
| 1838 | Kinderszenen, op. 15 | Klavierzyklus | Dreizehn poetische Miniaturen, die die Welt aus der Perspektive eines Kindes einfangen. |
| 1840 | Dichterliebe, op. 48 | Liederzyklus | Eine Vertonung von Gedichten Heinrich Heines; Höhepunkt des romantischen Kunstliedes. |
| 1841 | Sinfonie Nr. 1 B-Dur, op. 38 | Sinfonie | Die „Frühlingssinfonie“, komponiert im Rausch des ersten Ehejahres mit Clara. |
| 1845 | Klavierkonzert a-Moll, op. 54 | Konzert | Eines der zentralen Klavierkonzerte der Romantik, das Virtuosität und Poesie verbindet. |
| 1850 | Sinfonie Nr. 3 Es-Dur, op. 97 | Sinfonie | Die „Rheinische“, inspiriert von einer Reise entlang des Rheins und dem Kölner Dom. |
| 1844–1853 | Szenen aus Goethes Faust, WoO 3 | Oratorium | Ein Lebenswerk, das die philosophische Tiefe der Dichtung in Musik fasst. |
Der Klang der Worte in Zwickau
Geboren am 8. Juni 1810 in Zwickau als Sohn eines Verlegers, zeigte Robert Schumann früh eine Doppelbegabung für Musik und Literatur. Angeregt durch die Werke von Jean Paul, verfasste er Gedichte und Prosa. Nach dem Tod des Vaters 1826 begann er auf Wunsch der Mutter 1828 ein Jurastudium in Leipzig.
Das Elternhaus war ein Haus der Bücher. August Schumann, der Vater, war nicht nur Buchhändler und Verleger, sondern auch selbst als Übersetzer und Romanautor tätig. Er schuf eine Umgebung, in der die deutsche Romantik atmete. Der junge Robert las die Werke von E. T. A. Hoffmann und vor allem Jean Paul, dessen fragmentarische, assoziative Schreibweise sein eigenes Denken tief prägte. Früh begann er, kleine Stücke am Klavier zu komponieren, fast zeitgleich mit ersten literarischen Versuchen. Musik und Poesie waren für ihn keine getrennten Welten. Sie waren zwei Sprachen für dieselbe innere Empfindung. Er sah sich als Tondichter, lange bevor er sich für einen Weg entscheiden musste.
Der Tod des Vaters im Jahr 1826 beendete diese Phase der unbeschwerten Entwicklung. Die Mutter, Johanne Christiane, und sein Vormund drängten auf eine bürgerliche Existenz. Die Rechtswissenschaften schienen der sichere Hafen. So immatrikulierte sich Schumann 1828 an der Leipziger Universität, doch seine Aufmerksamkeit galt weniger den juristischen Kollegien als dem pulsierenden Musikleben der Stadt und den philosophischen Vorlesungen. Der innere Konflikt zwischen Pflicht und Neigung spitzte sich zu. Es war eine Entscheidung, die sein Leben bestimmen sollte.
Leipziger Jahre und die stumme Hand
In Leipzig studierte Schumann Klavier bei dem renommierten Pädagogen Friedrich Wieck und Komposition bei Heinrich Dorn. Eine 1832 manifestierte Lähmung der rechten Hand beendete seine Pianistenlaufbahn. Daraufhin gründete er 1834 die „Neue Zeitschrift für Musik“ und widmete sich ganz der Komposition.

Leipzig war das Epizentrum seiner musikalischen Welt. Hier traf er auf den Mann, der sein Schicksal prägen sollte: Friedrich Wieck. Der ehrgeizige Klavierpädagoge erkannte Schumanns Talent und nahm ihn als Schüler in seinem Haus auf, dem heutigen Schumann-Haus Leipzig. Dort begegnete er auch dessen neunjähriger Tochter Clara, einem pianistischen Wunderkind. Zunächst war die Beziehung die eines älteren Freundes zum begabten Kind, doch die musikalische Seelenverwandtschaft war von Beginn an spürbar. Der Entschluss, die Jurisprudenz endgültig aufzugeben und alles auf die Musik zu setzen, reifte 1830. Wieck versprach der Mutter, ihren Sohn binnen dreier Jahre zu einem der größten Pianisten Europas zu formen.
Die Ambitionen waren riesig, der Ehrgeiz grenzenlos. Schumann übte manisch, oft bis zur völligen Erschöpfung. Der Versuch, den Lernprozess mit mechanischen Hilfsmitteln zu beschleunigen, führte zur Katastrophe. Die chronische Sehnenscheidenentzündung, die zu einer dauerhaften Bewegungseinschränkung der rechten Hand führte, war das Ende des Virtuosentraums. Aus der Asche dieser Niederlage erhob sich jedoch der Komponist und der Musikkritiker. In der 1834 gegründeten „Neuen Zeitschrift für Musik“ kämpfte er mit spitzer Feder gegen das musikalische Philistertum seiner Zeit. Unter den Pseudonymen des stürmischen Florestan und des sanften Eusebius – den beiden Polen seiner eigenen Persönlichkeit – trat er für eine neue, poetische Musik ein.
Töne sind höhere Worte. In ihnen liegt mehr an Ausdruck als in der Rede.
Ein juristischer Kampf um Clara
Die Liebe zu Clara Wieck stieß auf den erbitterten Widerstand ihres Vaters Friedrich. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen erstritten Robert Schumann und Clara 1840 gerichtlich die Erlaubnis zur Eheschließung. Das Jahr der Heirat, 1840, ging als sein „Liederjahr“ in die Musikgeschichte ein, in dem er fast 150 Lieder komponierte.
Aus der anfänglichen Freundschaft zwischen Robert und der jungen Clara war eine tiefe Liebe erwachsen. Als Friedrich Wieck die wachsende Zuneigung bemerkte, tat er alles, um die Verbindung zu zerstören. Er sah in Schumann einen labilen, trunksüchtigen und brotlosen Künstler, der die Karriere seiner Tochter gefährden würde. Er verbot jeden Kontakt, schickte Clara auf Konzertreisen und verbreitete Verleumdungen. Für das Paar begann eine Zeit der geheimen Briefe, der gestohlenen Treffen und der Verzweiflung. Die Auseinandersetzung eskalierte, als Robert und Clara, beide volljährig, 1839 bei einem Leipziger Gericht die Einwilligung zur Ehe einklagten. Der Prozess wurde zu einer öffentlichen Schlammschlacht, die sich über ein Jahr hinzog.
Am 12. September 1840, einen Tag vor Claras 21. Geburtstag, konnten sie endlich heiraten. Die Befreiung aus diesem zermürbenden Kampf entfesselte bei Robert Schumann eine gewaltige kreative Energie. Das „Liederjahr“ 1840 wurde zu einer Explosion der Vokalkomposition, in der er mehr Lieder schuf als in allen Jahren zuvor zusammen. Zyklen wie die „Dichterliebe“ nach Gedichten von Heinrich Heine oder der „Liederkreis“ op. 39 zeugen von der durchlebten emotionalen Intensität. Die Musik wurde zum Tagebuch seiner Liebe, seines Leidens und seines Triumphs. Die Ehe mit Clara war nicht nur eine private Verbindung, sondern eine der produktivsten Künstlergemeinschaften des 19. Jahrhunderts.
Orchesterklang in Dresden und Düsseldorf
Nach einem kurzen Intermezzo am Leipziger Conservatorium der Musik zog das Ehepaar 1844 nach Dresden. 1850 folgte Schumann einem Ruf als Städtischer Musikdirektor nach Düsseldorf. In diesen Jahren entstanden seine vier Sinfonien, das Klavierkonzert a-Moll und die Oper „Genoveva“, doch seine psychische Gesundheit verschlechterte sich zusehends.
Die Leipziger Zeit endete mit einem Gefühl der Stagnation. Im Schatten des übermächtigen Felix Mendelssohn Bartholdy fand Schumann nicht die erhoffte Anerkennung. Der Umzug nach Dresden 1844 brachte neue Impulse. Hier wandte er sich verstärkt den großen Formen zu. Er vollendete sein ikonisches Klavierkonzert a-Moll, eine perfekte Synthese aus symphonischem Anspruch und lyrischer Innerlichkeit. Es folgten die C-Dur-Sinfonie und die Arbeit an seiner einzigen Oper „Genoveva“. Das gesamte Schumann-Werkverzeichnis zeigt die Bandbreite seines Schaffens. Doch die Jahre in Dresden waren auch von zunehmenden gesundheitlichen Problemen geprägt. Phasen der Depression, Sprechängste und Gehörshalluzinationen traten häufiger auf.
Die Position des Städtischen Musikdirektors in Düsseldorf ab 1850 schien eine neue Chance zu sein. Die rheinische Lebensfreude inspirierte ihn zu seiner 3. Sinfonie, der „Rheinischen“. Die Anforderungen des Amtes, die Probenarbeit mit Orchester und Chor, überforderten ihn jedoch bald. Seine Anweisungen als Dirigent wurden als unklar empfunden, seine zunehmende innere Abwesenheit führte zu Konflikten. Die Krankheit, die schon lange in ihm schlummerte, trat nun offen zutage. Die „Geistervariationen“, sein letztes Klavierwerk, schrieb er in dem Glauben, die Melodie sei ihm von den Geistern Schuberts und Mendelssohns diktiert worden.
Robert Schumanns letzte Jahre in Endenich
Am Rosenmontag des Jahres 1854 unternahm Robert Schumann in Düsseldorf einen Suizidversuch durch einen Sprung in den Rhein. Er wurde gerettet und auf eigenen Wunsch in eine private Heilanstalt in Endenich bei Bonn eingeliefert. Dort verbrachte er die letzten zwei Jahre seines Lebens, zunehmend geistig umnachtet.
Der Sprung von der Düsseldorfer Rheinbrücke war der verzweifelte Höhepunkt einer langen psychischen Krise. Schumann überlebte, doch er fürchtete, seiner Familie und besonders seiner schwangeren Frau Clara zur Last zu fallen. Die Einweisung in die Richarz’sche Heilanstalt in Endenich war eine selbstgewählte Isolation, um seine Liebsten zu schützen. Die Ärzte verboten Clara lange Zeit den Besuch, aus Sorge, es könnte seinen Zustand verschlimmern. Seine Tage in der Anstalt waren ein langsames Verlöschen. Es gab lichte Momente, in denen er Briefe schrieb oder am Klavier saß, doch die Phasen der Verwirrung und Apathie nahmen überhand.
In dieser dunkelsten Zeit trat ein junger Mann in das Leben der Schumanns: der 20-jährige Komponist Johannes Brahms. Er war von Schumann kurz zuvor als musikalisches Genie gefeiert worden und wurde nun zur wichtigsten Stütze für Clara und die sieben Kinder. Er fungierte als Vermittler zwischen Robert in der Anstalt und der Außenwelt. Erst zwei Tage vor seinem Tod, am 27. Juli 1856, sah Clara ihren Mann wieder. Er schien sie zu erkennen, konnte aber kaum noch sprechen. Robert Schumann starb am 29. Juli 1856. Sein Werk jedoch lebt fort als Zeugnis eines Künstlers, der die Grenzen zwischen Kunst und Leben bis zur Selbstauflösung auslotete.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Robert Schumann geboren und wann starb er?
Robert Schumann wurde am 8. Juni 1810 in Zwickau, im damaligen Königreich Sachsen, geboren. Er starb am 29. Juli 1856 im Alter von 46 Jahren in der Heilanstalt Endenich, heute ein Stadtteil von Bonn, in der preußischen Rheinprovinz.
Wofür ist Robert Schumann bekannt?
Robert Schumann ist bekannt als einer der bedeutendsten Komponisten der Romantik. Sein Schaffen umfasst Meisterwerke der Klaviermusik wie „Carnaval“ und „Kinderszenen“, berühmte Liederzyklen wie die „Dichterliebe“ sowie vier Sinfonien und das berühmte Klavierkonzert in a-Moll.
Wer war Clara Schumann und welche Rolle spielte sie in seinem Leben?
Clara Schumann, geborene Wieck, war eine der gefeiertsten Pianistinnen des 19. Jahrhunderts und ebenfalls Komponistin. Sie war Roberts Ehefrau, seine engste künstlerische Vertraute und die wichtigste Interpretin seiner Klavierwerke. Ihre Liebe überwand den erbitterten Widerstand ihres Vaters.
Was war die Ursache für Robert Schumanns psychische Krankheit?
Die genaue Ursache ist Gegenstand medizinischer Diskussionen. Die Diagnose zum Todeszeitpunkt deutete auf eine Folgekrankheit der Syphilis hin. Heutige Forschungen erwägen auch eine bipolare Störung oder eine schizoaffektive Psychose als Ursache für seine manischen und depressiven Phasen.
Welche Rolle spielte Johannes Brahms im Leben der Schumanns?
Der junge Johannes Brahms wurde 1853 von Schumann als musikalischer Messias gefeiert. Nach Schumanns Einlieferung in die Heilanstalt wurde Brahms zu einer entscheidenden Stütze für Clara Schumann und ihre Kinder und blieb ihr ein lebenslanger, enger Freund.
Woran starb Robert Schumann?
Robert Schumann starb am 29. Juli 1856 in der Heilanstalt in Endenich. Sein Tod war die Folge seiner schweren psychischen Erkrankung und der damit einhergehenden körperlichen Entkräftung. In den letzten Tagen seines Lebens verweigerte er die Nahrungsaufnahme.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Worthen, John (2007). Robert Schumann: Life and Death of a Musician. Yale University Press.
- Jensen, Eric Frederick (2001). Schumann. Oxford University Press.
- Nauhaus, Gerd (Hrsg., 1987). Robert Schumann, Tagebücher. Stroemfeld Verlag.