Richard Nixon (1913–1994) war ein amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei und von 1969 bis 1974 der 37. Präsident der Vereinigten Staaten. Seine Präsidentschaft ist durch die außenpolitische Annäherung an China und die Sowjetunion sowie innenpolitisch durch die Watergate-Affäre gekennzeichnet, die zu seinem Rücktritt führte – einem bis heute einmaligen Vorgang für einen US-Präsidenten.
Der Hubschrauber wartete auf dem Rasen des Weißen Hauses. Es war der 9. August 1974. Richard Nixon, der Mann, der zwei Jahre zuvor einen der erdrutschartigsten Wahlsiege der amerikanischen Geschichte errungen hatte, wandte sich ein letztes Mal um. Er hob die Arme, formte mit den Fingern das Victory-Zeichen, ein Symbol, das untrennbar mit ihm verbunden war. Es wirkte an diesem Tag wie eine Geste des Trotzes. Wenige Minuten zuvor hatte er sein Rücktrittsschreiben eingereicht. Er war der erste und bis heute einzige Präsident, der diesen Schritt tat. Der Helikopter stieg auf und flog ihn aus einem Amt, für dessen Erreichung er sein gesamtes Leben eingesetzt hatte. Der Abflug besiegelte den tiefsten Fall eines amerikanischen Präsidenten im 20. Jahrhundert.
Sein politisches Leben war ein ständiger Kampf. Gegen die Armut der Kindheit, gegen das liberale Establishment, gegen die kommunistische Bedrohung und am Ende gegen sich selbst. Richard Nixon erreichte die höchsten Gipfel der Macht und hinterließ ein komplexes Erbe, das von historischer Weitsicht und tiefem Misstrauen gezeichnet ist.
Inhalt (5)
| Jahre | Amt | Partei / Institution | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1947–1950 | Mitglied des Repräsentantenhauses | Republikanische Partei | Erlangte nationale Bekanntheit durch seine Rolle im Komitee für unamerikanische Umtriebe (HUAC). |
| 1950–1953 | Senator für Kalifornien | Republikanische Partei | Festigte seinen Ruf als entschiedener Antikommunist in der McCarthy-Ära. |
| 1953–1961 | Vizepräsident der Vereinigten Staaten | Regierung Dwight D. Eisenhower | Sammelte außenpolitische Erfahrung, führte die „Küchendebatte“ mit Chruschtschow. |
| 1969–1974 | 37. Präsident der Vereinigten Staaten | Republikanische Partei | Öffnung nach China, SALT-I-Vertrag, Ende des Vietnamkriegs, Gründung der EPA, Watergate-Affäre. |
Vom Quäkerjungen zum Antikommunisten
Geboren am 9. Januar 1913 in Yorba Linda, Kalifornien, wuchs Richard Nixon in einer strengen Quäkerfamilie auf. Nach dem Jurastudium an der Duke University diente er im Zweiten Weltkrieg bei der Navy. Seine politische Karriere begann 1946 mit der Wahl in den US-Kongress.
Die Erziehung im Hause Nixon war von den Werten des Quäkertums geprägt. Seine Mutter Hannah Milhous Nixon hoffte, ihr Sohn würde Missionar werden. Alkohol, Tanz und Glücksspiel waren verpönt. Der Vater, Frank Nixon, betrieb einen kleinen Laden. Diese frühen Jahre des Mangels und der harten Arbeit formten einen ehrgeizigen, aber auch zutiefst unsicheren Charakter. Am Whittier College, einer quäkerischen Einrichtung, die er anstelle des prestigeträchtigen Harvard aus Kostengründen besuchte, zeigte sich bereits sein Drang, sich gegen etablierte Strukturen durchzusetzen. Er gründete eine eigene Studentenverbindung und wurde zum Präsidenten der Studentenschaft gewählt. Das Jurastudium an der Duke University absolvierte er als einer der Jahrgangsbesten.
Nach dem Dienst als Nachschuboffizier im Pazifik während des Zweiten Weltkriegs stieg Nixon rasch in der Republikanischen Partei auf. Sein entscheidendes Forum wurde der Ausschuss für unamerikanische Umtriebe (HUAC). Hier profilierte er sich als unnachgiebiger Verfolger vermeintlicher Kommunisten. Der Fall Alger Hiss, eines hochrangigen Mitarbeiters des Außenministeriums, machte ihn landesweit bekannt. Nixon trieb die Ermittlungen gegen Hiss voran, der der Spionage für die Sowjetunion beschuldigt wurde. Sein Erfolg in diesem Fall zementierte sein Image als Speerspitze des Antikommunismus und katapultierte ihn 1950 in den US-Senat. Der aggressive Wahlkampf gegen seine Konkurrentin Helen Gahagan Douglas, die er als Kommunisten-Sympathisantin darstellte, brachte ihm den Spitznamen „Tricky Dick“ ein. Er sollte ihn nie wieder loswerden.
Acht Jahre Wartezeit
Von 1953 bis 1961 diente Nixon als Vizepräsident unter Dwight D. Eisenhower. Nach einer knappen Wahlniederlage gegen John F. Kennedy 1960 und einer weiteren Niederlage bei der Gouverneurswahl in Kalifornien 1962 schien seine politische Laufbahn beendet. Doch 1968 gelang ihm das Comeback.

Die Vizepräsidentschaft war eine Lehre in Geduld und internationaler Politik. Nixon reiste um die Welt, vertrat Eisenhower nach dessen Herzanfall und führte 1959 in Moskau die berühmte „Küchendebatte“ mit dem sowjetischen Parteichef Nikita Chruschtschow über die Vorzüge von Kapitalismus und Kommunismus. Seine Kandidatur war nicht unumstritten. Korruptionsvorwürfe wehrte er 1952 in der „Checkers-Rede“ ab, einem damals neuartigen Fernsehauftritt, bei dem er erklärte, das einzige Geschenk sei sein Hund Checkers gewesen. Es war ein Meisterstück politischer Inszenierung. Trotz seiner Erfahrung unterlag er 1960 John F. Kennedy in einer der knappsten Wahlen der US-Geschichte. Viele Beobachter führten die Niederlage auf das erste Fernsehduell der Präsidentschaftskandidaten zurück, in dem der telegene Kennedy den sichtlich angespannten Nixon ausstach.
Ich wurde in einem Haus geboren, das mein Vater selbst gebaut hatte.
Der Tiefpunkt folgte 1962. Nach der verlorenen Gouverneurswahl in Kalifornien trat er vor die Presse und verkündete seinen Abschied aus der Politik mit den bitteren Worten: „You won’t have Nixon to kick around anymore.“ Diese Jahre in der politischen Wildnis nutzte er jedoch, um seine Netzwerke in der Republikanischen Partei zu pflegen. Die Zerrissenheit der Demokratischen Partei über den Vietnamkrieg und die Ermordung Robert F. Kennedys eröffneten ihm 1968 eine neue Chance. Mit dem Versprechen, den Krieg zu beenden und die „schweigende Mehrheit“ zu vertreten, gewann er die Präsidentschaftswahl gegen Hubert H. Humphrey.
Öffnung nach Osten, Krieg in Südostasien
Als Präsident verfolgte Nixon, beraten von Henry Kissinger, eine doppelgleisige Außenpolitik. Er leitete die Entspannung mit der Sowjetunion ein und initiierte 1972 einen historischen Besuch in der Volksrepublik China. Gleichzeitig eskalierte er den Vietnamkrieg durch geheime Bombardierungen Kambodschas.

Die Präsidentschaft Nixons war außenpolitisch von strategischer Kühnheit geprägt. Die Annäherung an die Volksrepublik China, die seit 1949 diplomatisch isoliert war, stellte die globale Machtbalance des Kalten Krieges auf den Kopf. Sein Besuch in Peking im Februar 1972 und das Treffen mit Mao Zedong gelten als sein größter staatsmännischer Erfolg. Wenige Monate später reiste er als erster US-Präsident nach Moskau, um mit Leonid Breschnew den SALT-I-Vertrag zur Begrenzung strategischer Atomwaffen zu unterzeichnen. Diese Entspannungspolitik stand in scharfem Kontrast zu seinem Vorgehen in Südostasien. Während er den Abzug amerikanischer Bodentruppen aus Vietnam einleitete („Vietnamisierung“), befahl er massive und geheime Flächenbombardements auf Nachschubwege in Kambodscha und Laos, was den Krieg erheblich ausweitete und später zu heftiger Kritik führte.
Innenpolitisch setzte Nixon überraschende Akzente. Er gründete 1970 die nationale Umweltschutzbehörde (Environmental Protection Agency, EPA) und unterzeichnete den Clean Air Act. Er führte Quoten für die Beschäftigung von Minderheiten bei Bundesaufträgen ein und beendete die Golddeckung des Dollars, was als „Nixon-Schock“ das globale Währungssystem von Bretton Woods beendete. Sein ausgerufener „Krieg gegen die Drogen“ wird heute jedoch äußerst kritisch gesehen. Dokumente belegen, dass diese Politik auch dazu diente, politische Gegner wie die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung und die Kriegsgegner zu diskreditieren. 1972 gewann er die Wiederwahl gegen George McGovern mit einer überwältigenden Mehrheit in 49 von 50 Bundesstaaten.
Richard Nixons Fall: Der Abgrund namens Watergate
Die Watergate-Affäre begann mit einem Einbruch in das Hauptquartier der Demokratischen Partei im Juni 1972. Die anschließende Vertuschung durch das Weiße Haus führte zu Ermittlungen, die die Existenz eines geheimen Tonbandsystems im Oval Office aufdeckten und Nixon schließlich zum Rücktritt zwangen.
Was als „drittklassiger Einbruch“ begann, entwickelte sich zur schwersten Verfassungskrise der USA. Ermittlungen der Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein von der Washington Post legten eine Spur offen, die direkt ins Weiße Haus führte. Es ging um illegale Wahlkampfspenden, politische Sabotage und den Missbrauch von Regierungsbehörden wie dem FBI und der CIA zur Verfolgung politischer Gegner. Nixons Reaktion war von Abwehr und Vertuschung geprägt. Der entscheidende Wendepunkt kam, als ein Mitarbeiter des Weißen Hauses die Existenz von Tonbändern enthüllte, auf denen der Präsident fast alle Gespräche im Oval Office aufzeichnen ließ.
Ein monatelanger Rechtsstreit um die Herausgabe der Bänder begann. Nixon verweigerte dies unter Berufung auf sein Exekutivprivileg. Der Druck des Kongresses und der Justiz wuchs stetig. Als der Oberste Gerichtshof ihn einstimmig zur Herausgabe der Bänder zwang, war sein Schicksal besiegelt. Eine Aufnahme vom 23. Juni 1972, das „Smoking Gun Tape“, bewies zweifelsfrei, dass er von Anfang an in die Vertuschung des Einbruchs involviert war und das FBI anwies, die Ermittlungen zu stoppen. Angesichts eines sicheren Amtsenthebungsverfahrens kündigte Richard Nixon am 8. August 1974 seinen Rücktritt an. Sein Nachfolger Gerald Ford begnadigte ihn einen Monat später für alle Straftaten, die er im Amt begangen haben könnte – eine bis heute kontroverse Entscheidung. Nixon selbst zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, schrieb seine Memoiren und trat bis zu seinem Tod am 22. April 1994 in New York als außenpolitischer Berater in Erscheinung. Seine politische Intelligenz und die Furcht vor seinen Gegnern führten ihn erst an die Macht und dann zu seinem Fall. Mehr Informationen zu seinem Leben bietet die Richard Nixon Presidential Library and Museum.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Richard Nixon geboren und wann starb er?
Richard Nixon wurde am 9. Januar 1913 in Yorba Linda, Kalifornien, geboren. Er starb am 22. April 1994 im Alter von 81 Jahren in Manhattan, New York City, an den Folgen eines schweren Schlaganfalls, den er vier Tage zuvor erlitten hatte.
Wofür ist Richard Nixon bekannt?
Richard Nixon ist vor allem für zwei gegensätzliche Ereignisse bekannt: seine historische außenpolitische Öffnung zur Volksrepublik China im Jahr 1972 und die Watergate-Affäre, die 1974 zu seinem Rücktritt als bisher einziger US-Präsident führte.
Was war die Watergate-Affäre?
Die Watergate-Affäre bezeichnet einen politischen Skandal in den USA von 1972 bis 1974. Sie begann mit einem Einbruch in die Zentrale der Demokratischen Partei und weitete sich durch die Vertuschungsversuche der Nixon-Regierung zu einer schweren Verfassungskrise aus, die Nixons Rücktritt zur Folge hatte.
Welche wichtigen politischen Ämter hatte Richard Nixon inne?
Vor seiner Präsidentschaft (1969–1974) war Richard Nixon acht Jahre lang Vizepräsident unter Dwight D. Eisenhower (1953–1961). Zuvor vertrat er Kalifornien als Mitglied des Repräsentantenhauses (1947–1950) und als US-Senator (1950–1953).
Wer hat Richard Nixon begnadigt?
Am 8. September 1974, knapp einen Monat nach Nixons Rücktritt, erließ sein Nachfolger, Präsident Gerald Ford, eine bedingungslose Begnadigung für Richard Nixon. Diese bezog sich auf alle Bundesverbrechen, die Nixon während seiner Präsidentschaft begangen haben könnte.
Hatte Richard Nixon eine Familie?
Ja, Richard Nixon heiratete 1940 Thelma Catherine „Pat“ Ryan. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor: Patricia „Tricia“ Nixon Cox (geboren 1946) und Julie Nixon Eisenhower (geboren 1948), die David Eisenhower, den Enkel von Dwight D. Eisenhower, heiratete.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Ambrose, Stephen E. (1987). Nixon: The Education of a Politician 1913–1962. Simon & Schuster.
- Farrell, John A. (2017). Richard Nixon: The Life. Doubleday.
- Black, Conrad (2007). Richard M. Nixon: A Life in Full. PublicAffairs.