Pierre-Auguste Renoir (25. Februar 1841 – 3. Dezember 1919) war ein französischer Maler und einer der zentralen Vertreter des Impressionismus. Bekannt für seine Darstellungen von Schönheit, insbesondere der weiblichen Form und der Lebensfreude, zeichnet sich sein Werk durch leuchtende Farben und einen virtuosen Umgang mit Licht aus.
Die Hände, die später das flirrende Licht auf der Seine einfangen sollten, lernten ihr Handwerk an Tassen und Tellern. Geboren in Limoges, der Stadt des Porzellans, begann Pierre-Auguste Renoir mit dreizehn Jahren eine Lehre als Porzellanmaler. Es war eine Tätigkeit, die Präzision und eine sichere Linienführung verlangte. Der junge Renoir besaß beides. Schon bald vertraute ihm die Manufaktur anspruchsvolle Motive an, und mit dem Lohn konnte er seine Familie unterstützen. Doch die industrielle Revolution machte auch vor dieser Kunst nicht halt; mechanische Druckverfahren ersetzten die manuelle Arbeit und die Manufaktur schloss. Renoir war siebzehn. Er bemalte Fächer und Markisen, um zu überleben, doch die Grundlage für seine Malerei war gelegt: die Verbindung von handwerklicher Disziplin und einem tiefen Sinn für dekorative Schönheit.
Sein Weg führte ihn vom disziplinierten Handwerk zur radikalen Avantgarde des Impressionismus. Er malte die Sonntagnachmittage auf dem Montmartre, die Bootsfahrten in Argenteuil und die stille Intimität bürgerlicher Interieurs. Später, nach einer künstlerischen Krise, wandte er sich einer klassischeren Formensprache zu, bevor er im Süden Frankreichs, gezeichnet von schwerer Krankheit, ein Spätwerk von sinnlicher Farbigkeit schuf.
Inhalt (5)
| Jahr | Werk | Gattung | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1867 | Lise mit dem Sonnenschirm | Öl auf Leinwand | Früher Erfolg im Pariser Salon; zeigt seine Geliebte Lise Tréhot. |
| 1869 | La Grenouillère | Öl auf Leinwand | Entstand Seite an Seite mit Monet; Inbegriff der impressionistischen Freilichtmalerei. |
| 1876 | Bal du moulin de la Galette | Öl auf Leinwand | Hauptwerk des Impressionismus, fängt das Pariser Gesellschaftsleben ein. |
| 1881 | Das Frühstück der Ruderer | Öl auf Leinwand | Kompositorisch komplexes Gruppenporträt, das den Übergang zu einer neuen Phase markiert. |
| 1887 | Die großen Badenden | Öl auf Leinwand | Kulmination seiner „Ingres-Periode“; Abkehr vom reinen Impressionismus hin zu klaren Linien. |
| 1911 | Gabrielle mit Rose | Öl auf Leinwand | Beispielhaftes Werk seines farbintensiven Spätstils, Modell war sein Hausmädchen. |
Vom Handwerk zur Avantgarde
Geboren 1841 in Limoges, zog Renoirs Familie früh nach Paris. Mit 13 Jahren begann er eine Lehre als Porzellanmaler. Ab 1861 studierte er im Atelier des Schweizer Malers Charles Gleyre, wo er Claude Monet, Alfred Sisley und Frédéric Bazille kennenlernte, die seinen künstlerischen Weg prägen sollten.
Die Ausbildung im Atelier von Charles Gleyre war akademisch und streng. Sie genügte Renoir nicht. Die wahre Schule fand im Freien statt, im Wald von Fontainebleau. Dort traf er auf die Maler der Schule von Barbizon, wie Díaz de la Peña, die ihn ermutigten, direkt vor der Natur zu arbeiten. Die Freundschaft mit Claude Monet, Sisley und Bazille wurde zum Katalysator. Gemeinsam entwickelten sie eine neue malerische Sprache. Sie wollten den flüchtigen Moment festhalten, das Spiel von Licht und Atmosphäre. Es war der Beginn einer Revolution. Ihr gemeinsames Ziel war die Befreiung der Farbe von der Linie.
Ein erster Erfolg stellte sich 1864 ein, als ein Bild von ihm für den offiziellen Pariser Salon angenommen wurde. Die jährliche Ausstellung war die wichtigste Plattform für Künstler, um Anerkennung und Käufer zu finden. Mit dem Porträt Lise mit dem Sonnenschirm (1868), für das seine Geliebte Lise Tréhot Modell stand, erregte er die Aufmerksamkeit der Kritik. Doch finanzielle Sicherheit brachte dies nicht. Die späten 1860er Jahre waren von Armut geprägt. Renoir teilte sich oft ein Atelier mit Monet, und es gab Tage, an denen das Geld nicht für eine Mahlzeit reichte.
Das Licht von Argenteuil
In den 1870er Jahren wurde Renoir zu einer zentralen Figur der Impressionisten. Er beteiligte sich an der ersten Gruppenausstellung 1874 und schuf in dieser Zeit ikonische Werke wie Bal du moulin de la Galette (1876). Wichtige Förderer wie der Kunsthändler Paul Durand-Ruel und der Verleger Georges Charpentier sicherten sein Auskommen.

Die Sommer verbrachte Renoir oft mit seinen Freunden in Argenteuil, einem Vorort von Paris an der Seine. Hier, an der Seite von Édouard Manet und Claude Monet, erreichte seine impressionistische Malerei ihren Höhepunkt. Die Künstler stellten ihre Staffeleien nebeneinander und malten dieselben Motive, jeder in seinem eigenen Stil. Es war ein Dialog in Farbe und Licht. Renoirs Pinselstrich wurde freier, seine Palette heller. Er malte das Glitzern der Sonne auf dem Wasser, die Segelboote und die Ausflügler am Ufer. Anders als Monet, der sich zunehmend auf die reine Landschaftsmalerei konzentrierte, blieb für Renoir der Mensch stets im Zentrum.
Für mich muss ein Bild eine liebenswerte Sache sein, fröhlich und hübsch, ja, hübsch.
Sein Meisterwerk dieser Periode ist zweifellos Bal du moulin de la Galette. Das großformatige Gemälde zeigt einen Sonntagnachmittag in einem beliebten Tanzgarten auf dem Montmartre. Es ist ein Kaleidoskop aus Bewegung, Lichtflecken, die durch das Blätterdach fallen, und heiterer Geselligkeit. Renoir löst die Konturen auf und fängt die Atmosphäre mit Tausenden von Farbtupfern ein. Trotz des wachsenden Zuspruchs von Sammlern wie Victor Chocquet und der Familie Charpentier blieb die finanzielle Lage prekär. Die Porträtaufträge, die ihm Madame Charpentiers Salon vermittelte, waren eine willkommene Einnahmequelle, doch sie banden auch seine kreative Energie.
Pierre-Auguste Renoirs italienische Wende
Eine Reise nach Italien 1881 führte zu einer tiefen künstlerischen Krise. Konfrontiert mit den Fresken Raffaels und der Linienkunst von Jean-Auguste-Dominique Ingres, begann Renoir, am flüchtigen Stil des Impressionismus zu zweifeln. Es folgte seine „trockene“ oder „Ingres-Periode“, die in Die großen Badenden (1887) gipfelte.

Die Spontaneität des Impressionismus schien ihm plötzlich unzureichend. In einem Brief bekannte er, mit der Freilichtmalerei an eine Grenze gestoßen zu sein. In Italien suchte und fand er eine neue Klarheit. Die Werke der Renaissance, insbesondere Raffaels Fresken in der Villa Farnesina in Rom, zeigten ihm eine zeitlose Kunst, die auf solidem zeichnerischem Fundament beruhte. Er begann, die Form wieder stärker zu betonen, die Konturen wurden schärfer, die Kompositionen durchdachter. Diese neue Phase, von Kunsthistorikern oft als seine „Ingres-Periode“ bezeichnet, stieß bei seinen impressionistischen Weggefährten und auch bei seinem Händler Paul Durand-Ruel auf Unverständnis. Das Publikum, das seine leichten, lichtvollen Szenen schätzte, fremdelte mit den kühleren, strengeren Werken.
Jahrelange Vorstudien flossen in das Gemälde Die großen Badenden, das diese Phase abschloss. Es zeigt eine Gruppe nackter Frauen an einem Gewässer, deren Körper klassisch modelliert und scharf umrissen sind. Das Werk ist ein komplexes Gefüge aus kunsthistorischen Zitaten und zugleich ein sehr persönliches Statement über die Suche nach einer Synthese aus Tradition und Moderne. In diese Zeit der Neuorientierung fiel auch ein privates Glück: 1885 wurde sein erster Sohn Pierre geboren, die Mutter war Aline Charigot, die er 1890 heiratete. Sie wurde zu seinem wichtigsten Modell.
Farbe gegen den Schmerz
Ab 1892 litt Pierre-Auguste Renoir an rheumatoider Arthritis, die ihn zunehmend einschränkte. 1907 zog er nach Cagnes-sur-Mer an der Côte d’Azur. Trotz starker Schmerzen und Lähmungen malte er bis zu seinem Tod 1919 unermüdlich weiter, wobei er sich den Pinsel an die Hand binden ließ.
Das milde Klima im Süden linderte seine Schmerzen. In seinem Haus „Les Collettes“, umgeben von einem Garten mit Olivenbäumen, fand er eine neue künstlerische Heimat. Die Krankheit verformte seine Hände, zwang ihn in den Rollstuhl, doch sein Schaffensdrang blieb ungebrochen. Sein Spätwerk ist eine Hymne an die Farbe und das Leben. Die Konturen lösen sich wieder auf, die Farben werden wärmer, oft dominieren Rot- und Orangetöne. Seine Motive sind intim und sinnlich: seine Kinder, insbesondere der jüngste Sohn Claude, genannt „Coco“, seine Frau Aline und das Hausmädchen Gabrielle Renard, das zu einem seiner wichtigsten Modelle wurde. Die weiblichen Akte dieser Zeit sind üppig und von einer fast mythischen Vitalität, wie sie das Musée d’Orsay in seinen Sammlungen zeigt.
In seinen letzten Jahren wagte er sich sogar an die Bildhauerei. Da er selbst nicht mehr modellieren konnte, entstand in Zusammenarbeit mit dem jungen Bildhauer Richard Guino, einem Schüler von Aristide Maillol, eine Reihe von Skulpturen, darunter die Venus Victrix. Renoir dirigierte die Arbeit mit einem Stock von seinem Rollstuhl aus. Er starb am 3. Dezember 1919, wenige Monate nachdem er den Louvre besucht hatte, um eines seiner Bilder neben den alten Meistern hängen zu sehen. Sein Œuvre umfasst rund 6.000 Werke, ein Zeugnis unbändiger Schöpfungskraft.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Pierre-Auguste Renoir geboren und wann starb er?
Pierre-Auguste Renoir wurde am 25. Februar 1841 in Limoges, Frankreich, geboren. Er starb im Alter von 78 Jahren am 3. Dezember 1919 in Cagnes-sur-Mer an der Côte d’Azur, nachdem er ein umfangreiches Lebenswerk hinterlassen hatte.
Wofür ist Pierre-Auguste Renoir bekannt?
Pierre-Auguste Renoir ist als einer der führenden Maler des Impressionismus bekannt. Seine Werke zeichnen sich durch leuchtende Farben und eine besondere Sensibilität für Lichteffekte aus. Er ist berühmt für seine Darstellungen des Pariser Lebens, Porträts und sinnliche Frauenakte.
Was charakterisiert Renoirs impressionistische Phase?
Renoirs impressionistische Phase in den 1870er Jahren ist durch eine helle Palette, freie Pinselstriche und die Konzentration auf das Einfangen flüchtiger Momente gekennzeichnet. Er malte oft im Freien, um die wechselnden Lichtverhältnisse direkt auf der Leinwand festzuhalten.
Wer war Aline Charigot in Renoirs Leben?
Aline Charigot war zunächst Renoirs Modell und Geliebte, bevor sie 1890 seine Ehefrau wurde. Sie war die Mutter seiner drei Söhne Pierre, Jean und Claude. Aline stand ihm für zahlreiche Gemälde Modell und war eine zentrale Figur in seinem Privatleben.
Wie beeinflusste die rheumatoide Arthritis Renoirs späte Werke?
Die schwere Krankheit zwang Renoir in den Rollstuhl und verformte seine Hände. Dennoch malte er unaufhörlich weiter, indem er sich den Pinsel anbinden ließ. Sein Spätstil wurde dadurch noch freier, mit breiteren Pinselstrichen und einer warmen, intensiven Farbpalette.
Welche berühmten Söhne hatte Renoir?
Pierre-Auguste Renoir hatte drei Söhne. Der älteste, Pierre Renoir (1885–1952), wurde ein bekannter Theaterschauspieler. Sein zweiter Sohn, Jean Renoir (1894–1979), erlangte als einer der bedeutendsten Filmregisseure des 20. Jahrhunderts Weltruhm.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Adriani, G. (1996). Auguste Renoir. Gemälde 1862–1917. DuMont.
- Renoir, J. (1981). Mein Vater Auguste Renoir. Diogenes.
- Sagner, K. (2012). Renoir und seine Frauen. Sandmann.