Gustav Klimt (1862–1918) war ein österreichischer Maler und der prominenteste Vertreter des Wiener Jugendstils. Als Gründungspräsident der Wiener Secession prägte er die Kunstszene um 1900. Seine Werke, darunter ‚Der Kuss‘ und das ‚Porträt der Adele Bloch-Bauer I‘, sind für ihre opulente Ornamentik und symbolische Tiefe bekannt.
Das Gold war nicht nur Farbe, es war ein Zustand. Ein Versprechen von Ewigkeit in einer zerfallenden Welt. Als Gustav Klimt seine Pinsel in die Pigmente und das Blattgold tauchte, schuf er nicht nur Porträts und Allegorien, sondern Ikonen für ein Wiener Großbürgertum, das zwischen imperialem Glanz und dem Abgrund der Moderne tanzte. Jede Leinwand wurde zu einer Bühne, auf der sich die Sehnsüchte, Ängste und die kaum verhüllte Erotik einer ganzen Epoche verdichteten.
Er war der Malerfürst des Fin de Siècle, ein Revolutionär im Talar und ein Künstler, dessen Werk untrennbar mit dem Aufbruch Wiens in die Moderne verbunden ist.
Inhalt (6)
| Jahr | Werk | Ort / Phase | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1898 | Pallas Athene | Frühe Secessionszeit | Gilt als programmatisches Werk der neuen Künstlervereinigung. |
| 1901 | Judith I | Goldene Periode | Ikone der Femme fatale, Verbindung von Erotik und Tod. |
| 1902 | Beethovenfries | Secessionsgebäude, Wien | Monumentaler Zyklus zur 14. Secessions-Ausstellung, löste Kontroversen aus. |
| 1907 | Porträt der Adele Bloch-Bauer I | Goldene Periode | Hauptwerk der Porträtkunst, Symbol des jüdischen Mäzenatentums in Wien. |
| 1907–1908 | Der Kuss | Goldene Periode | Weltweit bekanntes Sinnbild der Liebe, vom Staat sofort angekauft. |
| 1910 | Tod und Leben | Expressionistische Phase | Allegorische Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz. |
| 1913 | Die Jungfrau | Spätwerk | Farbenprächtiges, mosaikartiges Werk über den Kreislauf des Lebens. |
Die Künstler-Compagnie und der Glanz der Ringstraße
Geboren 1862 in Baumgarten bei Wien, studierte Gustav Klimt von 1876 bis 1883 an der Wiener Kunstgewerbeschule. In den 1880er Jahren gründete er mit seinem Bruder Ernst Klimt und dem Maler Franz Matsch die „Künstler-Compagnie“, die prestigeträchtige Aufträge für die Bauten der Ringstraße erhielt.
Gustav Klimt kam in einer Zeit zur Welt, in der Wien sich neu erfand. Sein Vater, Ernst Klimt d. Ä., war ein Goldgraveur aus Böhmen, dessen Handwerk dem Sohn früh ein Gespür für Materialität und ornamentale Präzision vermittelte. Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen, doch das Talent des jungen Gustav war unübersehbar. Ein Stipendium ermöglichte ihm das Studium an der k.k. Kunstgewerbeschule, einer Institution, die dem Historismus verpflichtet war. Dort lernte er nicht die freie, autonome Kunst, sondern das dienende Handwerk im Dienste der Architektur. Diese Ausbildung legte den Grundstein für sein späteres Schaffen, das die Grenzen zwischen Malerei, Ornament und Raumgestaltung auflösen sollte.
Zusammen mit seinem Bruder Ernst und dem Studienkollegen Franz Matsch gründete er eine Ateliergemeinschaft, die sich als „Künstler-Compagnie“ schnell einen Namen machte. Ihre Fähigkeit, im Stil der großen Meister zu arbeiten und sich nahtlos in die pompöse Ästhetik der Wiener Ringstraße einzufügen, brachte ihnen bedeutende Aufträge ein. Sie schufen Deckengemälde und Fresken für das Burgtheater und das Kunsthistorische Museum. Diese Werke zeigen einen Künstler, der die akademische Tradition perfekt beherrscht. Die Zwickelbilder im Stiegenhaus des Kunsthistorischen Museums sind Zeugnisse eines virtuosen Historismus, der die Kunst von der Antike bis zur Renaissance zelebriert. Für sein Aquarell des alten, abgerissenen Burgtheaters erhielt Klimt 1890 den Kaiserpreis – eine offizielle Anerkennung, die ihn im etablierten Kunstbetrieb verankerte.
Ver Sacrum: Die Geburt der Secession
Im Jahr 1897 trat Klimt aus der konservativen Genossenschaft bildender Künstler Wiens aus und wurde zum ersten Präsidenten der neu gegründeten Wiener Secession. Unter dem Motto „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit“ schuf die Gruppe ein Forum für die künstlerische Avantgarde und brach mit der akademischen Tradition.

Der Erfolg der Künstler-Compagnie endete jäh mit dem Tod des Vaters und des Bruders Ernst im Jahr 1892. Diese persönlichen Schicksalsschläge markierten auch einen künstlerischen Wendepunkt. Klimt begann, den historistischen Stil, der ihm Ruhm eingebracht hatte, in Frage zu stellen. Die starren Regeln des Wiener Künstlerhauses empfand er zunehmend als Fessel. Eine neue Generation von Künstlern, darunter Josef Hoffmann, Koloman Moser und Joseph Maria Olbrich, teilte seinen Drang nach Erneuerung. Am 24. Mai 1897 vollzogen sie den Bruch: Sie traten aus der Genossenschaft aus und gründeten die Wiener Secession.
Klimt wurde ihr erster Präsident und die treibende Kraft der Bewegung. Die Secession war mehr als nur ein neuer Stil; sie war eine geistige Haltung. Sie forderte die Einheit der Künste, ein Gesamtkunstwerk, das alle Lebensbereiche durchdringen sollte. Ihr von Olbrich entworfenes Ausstellungsgebäude nahe dem Naschmarkt wurde zum Tempel der Moderne, über dessen Eingang der programmatische Satz prangte. Die von der Gruppe herausgegebene Zeitschrift „Ver Sacrum“ (Heiliger Frühling) diente als Plattform für ihre Ideen, für die Klimt zahlreiche Illustrationen lieferte. Die erste Ausstellung 1898 wurde ein triumphaler Erfolg und etablierte die Secession als führende Kraft der europäischen Avantgarde. Klimts Werk „Pallas Athene“ aus demselben Jahr, das die Göttin der Weisheit und des Kampfes in archaischer Strenge zeigt, wurde zum Symbolbild dieser rebellischen neuen Kunst.
Für mich gibt es nur ein einziges lebendiges Wesen, und das ist die Frau.
Der Skandal der Fakultätsbilder
Ab 1894 beauftragt, drei monumentale Deckengemälde für die Aula der Universität Wien zu schaffen, löste Klimt mit seinen Entwürfen einen der größten Kunstskandale der Zeit aus. Seine symbolistischen, pessimistischen Darstellungen von Philosophie, Medizin und Jurisprudenz wurden als Provokation empfunden und von den Professoren abgelehnt.

Noch vor der Gründung der Secession hatte Klimt gemeinsam mit Franz Matsch den Auftrag erhalten, die Decke der Großen Aula der Universität Wien auszugestalten. Das Thema war „Der Sieg des Lichtes über die Finsternis“, eine Allegorie auf die rationalen Wissenschaften. Doch Klimts Vision hatte sich radikal von der optimistischen Weltsicht des Bildungsbürgertums entfernt. Als er 1900 seinen Entwurf für „Die Philosophie“ präsentierte, war der Aufschrei gewaltig. Statt einer klaren, verständlichen Allegorie zeigte er einen undurchschaubaren, kosmischen Nebel, in dem sich menschliche Körper in einem Kreislauf von Werden und Vergehen winden. Die rationale Wissenschaft schien machtlos gegenüber den Urkräften des Lebens.
Die Professoren der Universität fühlten sich verhöhnt. 87 von ihnen unterzeichneten eine Petition gegen das Werk. Der Skandal eskalierte mit den folgenden Entwürfen. „Die Medizin“ (1901) zeigte nicht den triumphierenden Heiler, sondern die leidende Menschheit, ausgeliefert an Krankheit und Tod, mit der Gestalt der Hygieia, die dem Elend den Rücken kehrt. „Die Jurisprudenz“ (1903–1907) präsentierte nicht die Gerechtigkeit, sondern die Rache, verkörpert durch einen nackten, alten Mann, der von einem Kraken umschlungen wird. Klimt weigerte sich, Kompromisse einzugehen. Er gab den Auftrag 1905 zurück und zahlte das Honorar mithilfe von Mäzenen wie August und Serena Lederer zurück. Die Bilder, die in Privatbesitz gelangten, verbrannten 1945 im Schloss Immendorf. Sie überleben nur in Schwarz-Weiß-Fotografien als Zeugnisse eines radikalen künstlerischen Freiheitskampfes.
Die Goldene Periode und der Attersee
In den Jahren nach dem Fakultätenskandal, etwa von 1901 bis 1909, erreichte Klimts Schaffen seinen Höhepunkt in der sogenannten „Goldenen Periode“. In dieser Zeit entstanden ikonische Werke wie „Judith I“, das Porträt der Adele Bloch-Bauer und „Der Kuss“. Parallel dazu entdeckte er am Attersee die Landschaftsmalerei für sich.
Befreit von staatlichen Aufträgen, wandte sich Klimt einer zahlungskräftigen Klientel zu: dem assimilierten jüdischen Großbürgertum Wiens. Familien wie die Bloch-Bauers, Lederers und Wittgensteins wurden zu seinen wichtigsten Förderern. Für sie schuf er eine Reihe von Frauenporträts, die zu den Hauptwerken des europäischen Symbolismus zählen. Inspiriert von byzantinischen Mosaiken, die er auf Reisen nach Venedig und Ravenna gesehen hatte, begann er, extensiv mit Blattgold zu arbeiten. Die Dargestellten werden aus der Realität enthoben und in flächige, kostbare Ornamente eingebettet. Das „Porträt der Adele Bloch-Bauer I“ (1907) ist das vollendetste Beispiel dieses Stils. Die Figur löst sich beinahe vollständig in einem goldenen Schimmer auf, nur Gesicht und Hände bleiben als fragile Zeichen ihrer Individualität sichtbar.
In dieser Phase entstand auch sein berühmtestes Gemälde, „Der Kuss“ (1907/08). Es zeigt ein Liebespaar am Rande eines Abgrunds, eingeschlossen in einen goldenen Kokon, der sie zugleich schützt und isoliert. Das Werk wurde noch während der Kunstschau Wien 1908 vom Staat für die k.k. Staatsgalerie angekauft – eine späte Genugtuung nach dem Skandal um die Fakultätsbilder. Während die Frauen in seinen allegorischen Werken oft als bedrohliche Femme fatales erscheinen, wie in „Judith I“ (1901), zelebriert „Der Kuss“ die Verschmelzung der Geschlechter als heiligen Akt. Seine Sommer verbrachte Klimt regelmäßig am Attersee, oft in Gesellschaft seiner Lebensgefährtin Emilie Flöge. Dort malte er, abseits der Porträtaufträge, meditative Landschaftsbilder. Mit einem quadratischen Format und einer fast abstrakten, flächigen Komposition schuf er zeitlose Impressionen von Gärten, Wäldern und der Wasseroberfläche des Sees.
Das letzte Atelier und ein jähes Ende
Ab 1911 nutzte Klimt ein Atelier in der Feldmühlgasse in Hietzing, heute als Klimt-Villa bekannt. Sein Spätwerk zeichnet sich durch eine intensivere Farbigkeit und einen expressiveren Pinselstrich aus. Am 11. Januar 1918 erlitt er einen Schlaganfall und starb wenige Wochen später am 6. Februar 1918.
Im Jahr 1905 verließ Klimt mit einer Gruppe von Künstlern, darunter Carl Moll, die Secession, da ihm der Stil einiger Kollegen zu naturalistisch erschien. Er blieb jedoch die zentrale Figur der Wiener Kunstszene. In seinem letzten Atelier in Unter-St.-Veit, umgeben von einem verwunschenen Garten, entwickelte er seinen Stil weiter. Das Gold trat in den Hintergrund, die Farben wurden leuchtender, die Linienführung nervöser. Einflüsse von jüngeren Künstlern wie Egon Schiele und Oskar Kokoschka, die er förderte, sind spürbar. Werke wie „Die Jungfrau“ (1913) oder das unvollendet gebliebene Gemälde „Die Braut“ zeigen eine neue, fast expressionistische Intensität. Die ornamentale Fläche weicht einem Wirbel aus Farben und Formen, der die psychologischen Zustände der Figuren spiegelt.
Klimt, der zeitlebens die Öffentlichkeit mied und kaum schriftliche Zeugnisse hinterließ, blieb eine enigmatische Figur. Er war nie verheiratet, hatte aber zahlreiche Affären und zeugte mindestens sieben Kinder. Seine engste Vertraute war die Modeschöpferin Emilie Flöge, mit der ihn eine lebenslange, platonische oder auch intime Beziehung verband – die genaue Natur bleibt im Dunkeln. Im Oktober 1917 wurde ihm nach mehrmaliger Ablehnung endlich die Ehrenmitgliedschaft der Akademie der bildenden Künste Wien angetragen. Wenige Monate später, am 11. Januar 1918, erlitt er in seiner Wohnung in der Westbahnstraße einen Schlaganfall. Er wurde ins Allgemeine Krankenhaus gebracht, wo er sich mit der Spanischen Grippe infizierte. Am 6. Februar 1918 starb Gustav Klimt im Alter von 55 Jahren. Sein Tod, kurz vor dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie, markiert symbolisch das Ende einer Epoche, deren Glanz und Abgründe er wie kein anderer ins Bild gesetzt hatte.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Gustav Klimt geboren und wann starb er?
Gustav Klimt wurde am 14. Juli 1862 in Baumgarten bei Wien geboren. Er starb am 6. Februar 1918 im Alter von 55 Jahren im Allgemeinen Krankenhaus in Wien an den Folgen eines Schlaganfalls und einer nachfolgenden Lungenentzündung.
Wofür ist Gustav Klimt bekannt?
Gustav Klimt ist als führender Vertreter des Wiener Jugendstils bekannt. Seine Werke, insbesondere jene seiner „Goldenen Periode“, zeichnen sich durch opulente Ornamentik, den Einsatz von Blattgold und eine symbolistische, oft erotische Bildsprache aus. „Der Kuss“ ist sein ikonischstes Gemälde.
Welche wichtigen Werke schuf Gustav Klimt?
Zu Klimts Hauptwerken zählen das „Porträt der Adele Bloch-Bauer I“ (1907), „Der Kuss“ (1907–1908) und „Judith I“ (1901). Auch der monumentale „Beethovenfries“ (1902) und die umstrittenen, später zerstörten „Fakultätsbilder“ (um 1900) sind zentral für sein Schaffen.
War Gustav Klimt verheiratet und hatte er Kinder?
Gustav Klimt war nie verheiratet, unterhielt aber enge Beziehungen zu mehreren Frauen, darunter seine Lebensgefährtin Emilie Flöge. Aus verschiedenen Verbindungen gingen mindestens sieben uneheliche Kinder hervor, deren Vaterschaft er teilweise anerkannte oder die ihm zugeschrieben wird.
Woran starb Gustav Klimt?
Gustav Klimt erlitt am 11. Januar 1918 einen Schlaganfall, der ihn halbseitig lähmte. Während seines Krankenhausaufenthalts im Allgemeinen Krankenhaus Wien infizierte er sich mit der Spanischen Grippe und starb am 6. Februar 1918 an einer daraus resultierenden Lungenentzündung.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Natter, T. G. (2012). Gustav Klimt: Sämtliche Gemälde. Taschen.
- Fliedl, G. (1998). Gustav Klimt: 1862-1918. Die Welt in weiblicher Gestalt. Taschen.
- Schorske, C. E. (1980). Fin-de-siècle Vienna: Politics and Culture. Alfred A. Knopf.
- Österreichische Galerie Belvedere, Sammlung Online. https://www.belvedere.at/sammlung/