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Politik · Vereinigte Staaten · 1882–1945

Franklin D. Roosevelt

Vom privilegierten Erben zum Architekten einer neuen amerikanischen Gesellschaft, der sein Land aus der größten Krise führte, während er selbst an den Rollstuhl gefesselt war

Franklin D. Roosevelt, Fotografie aus dem Jahr 1944
Franklin D. Roosevelt · Wikimedia Commons · Leon Perskie · CC-BY

Franklin D. Roosevelt (1882–1945) war der 32. Präsident der Vereinigten Staaten und amtierte von 1933 bis zu seinem Tod. Er ist bekannt für sein Reformprogramm, den „New Deal“, mit dem er die Weltwirtschaftskrise bekämpfte, und für seine Führung der USA als Teil der Alliierten im Zweiten Weltkrieg.

Es ist der Sommer 1921 auf der kanadischen Insel Campobello. Franklin D. Roosevelt, 39 Jahre alt, aufstrebender Politiker und voller Tatendrang, kehrt von einem Segeltörn zurück. Nach einem Bad im kalten Wasser fühlt er sich unwohl, am nächsten Morgen sind seine Beine gelähmt. Die Diagnose lautet Poliomyelitis. Die Krankheit wird ihn für den Rest seines Lebens an den Rollstuhl fesseln, doch sie bricht seinen Willen nicht. Im Gegenteil: Sie scheint jene Empathie und jenen unbezwingbaren Optimismus freizusetzen, mit denen er später eine ganze Nation aus der Verzweiflung führen wird.

Franklin Delano Roosevelt, oft nur FDR genannt, verkörpert den großen Widerspruch: ein Mann aus aristokratischem Haus, der zum Anwalt der Vergessenen wurde; ein Körper, der versagte, und ein Geist, der eine Weltmacht durch Depression und Krieg lenkte.

Inhalt (6)
Jahre Amt Partei / Institution Bedeutung
1910–1913 Mitglied des Senats von New York Demokratische Partei Beginn der politischen Karriere, Kampf gegen Korruption
1913–1920 Assistant Secretary of the Navy US-Regierung (Wilson) Modernisierung der US-Marine vor dem Ersten Weltkrieg
1929–1932 Gouverneur von New York Demokratische Partei Erprobung erster Reformen gegen die Weltwirtschaftskrise
1933–1945 32. Präsident der Vereinigten Staaten Demokratische Partei New Deal, Führung im Zweiten Weltkrieg, Gründung der UNO

Der Weg aus Hyde Park

Franklin Delano Roosevelt wurde am 30. Januar 1882 in Hyde Park, New York, in eine wohlhabende und einflussreiche Familie geboren. Er genoss eine elitäre Ausbildung an der Groton School und der Harvard University, bevor er an der Columbia University Jura studierte. Seine politische Laufbahn begann 1910 mit der Wahl in den Senat des Staates New York.

Aufgewachsen auf dem weitläufigen Familienanwesen am Hudson River, war Roosevelts Jugend von Privilegien, Europareisen und Privatunterricht geprägt. Sein Vater James, ein Landedelmann und Investor, und seine Mutter Sara Delano formten einen Charakter, der von Selbstsicherheit und Pflichtgefühl durchdrungen war. Politisch stand die Familie der Demokratischen Partei nahe, doch der junge Franklin bewunderte vor allem seinen entfernten Cousin fünften Grades, den republikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt. Dessen progressiver Aktivismus und seine charismatische Persönlichkeit wurden zu einem frühen Vorbild. An der Harvard University engagierte sich Roosevelt weniger im akademischen Bereich als vielmehr als Chefredakteur der Universitätszeitung „Crimson“, wo er Führungsqualitäten entwickelte und wichtige Netzwerke knüpfte.

Der Einstieg in die Politik 1910 war ein kalkulierter Schritt. In einem traditionell republikanischen Wahlkreis trat er für die Demokraten an und gewann durch einen unkonventionellen Wahlkampf, bei dem er mit dem Automobil von Farm zu Farm fuhr und direkt mit den Wählern sprach. Im Senat von New York machte er sich schnell einen Namen als Reformer, der sich gegen die korrupte Parteimaschinerie von Tammany Hall stellte. 1905 heiratete er Eleanor Roosevelt, eine Nichte Theodores. Die Ehe war komplex und entwickelte sich von einer persönlichen zu einer vor allem politischen Partnerschaft, die für beider Karrieren entscheidend werden sollte.

Lähmung und politisches Comeback

Von 1913 bis 1920 diente Roosevelt als Assistant Secretary of the Navy in der Regierung von Woodrow Wilson und sammelte Erfahrung auf nationaler Ebene. Seine Karriere wurde 1921 durch eine schwere Polio-Erkrankung jäh unterbrochen. Trotz dauerhafter Lähmung kehrte er 1928 in die Politik zurück und wurde zum Gouverneur von New York gewählt.

Franklin D. Roosevelt
Franklin D. Roosevelt, fotografiert von Vincenzo Laviosa · Wikimedia Commons · PD

Das Amt des stellvertretenden Marineministers war eine Schlüsselposition, die bereits sein Vorbild Theodore Roosevelt innehatte. Roosevelt nutzte die Jahre in Washington, D.C., um die Marine zu modernisieren und sich auf den drohenden Kriegseintritt der USA vorzubereiten. Er bewies administrative Fähigkeiten und ein tiefes Verständnis für globale Machtverhältnisse. Nach einer erfolglosen Kandidatur für die Vizepräsidentschaft 1920 schien sein Aufstieg unaufhaltsam, bis die Krankheit ihn traf. Die physische Katastrophe wurde zu einer politischen und persönlichen Metamorphose. Jahrelang kämpfte er mit eisernem Willen darum, zumindest den Anschein von Mobilität zu wahren. Er lernte, sich mit schweren Beinschienen und an den Armen von Begleitern gestützt, kurze Strecken zu bewegen. Die Öffentlichkeit erfuhr nie das volle Ausmaß seiner Behinderung.

Seine Rückkehr auf die politische Bühne wurde maßgeblich von seiner Frau Eleanor und seinem Berater Louis Howe vorangetrieben. Als Gouverneur von New York (1929–1932) sah er sich mit den verheerenden Anfängen der Großen Depression konfrontiert. Er reagierte mit progressiven Maßnahmen, schuf eine erste Nothilfebehörde und forderte staatliche Unterstützung für Arbeitslose. Diese Jahre dienten als Laboratorium für jene Politik, die er bald auf die ganze Nation anwenden sollte. Er bewies, dass seine körperliche Einschränkung seine politische Handlungsfähigkeit nicht minderte, sondern seinen Blick für das Leid der einfachen Menschen schärfte.

Der Architekt des New Deal

Nach seinem erdrutschartigen Wahlsieg über Herbert Hoover 1932 initiierte Roosevelt als Präsident den „New Deal“. Dieses umfassende Programm aus Reformen und Gesetzen sollte die Weltwirtschaftskrise überwinden, die Wirtschaft stabilisieren und ein soziales Sicherheitsnetz schaffen. Seine erste Amtszeit war von einer beispiellosen gesetzgeberischen Aktivität geprägt.

Franklin D. Roosevelt, Aufnahme aus dem Jahr 1943
Joseph Stalin, Franklin D. Roosevelt and Winston Churchill on the veranda of the Soviet Legation in Teheran, during the first “Big Three” Conference, November 1943. In the background are aides to the US President, fotografiert von Dennis Charles Oulds. · Wikimedia Commons · PD

Als Roosevelt am 4. März 1933 sein Amt antrat, befanden sich die Vereinigten Staaten am Rande des Zusammenbruchs. Die Banken waren geschlossen, ein Viertel der arbeitsfähigen Bevölkerung war ohne Job. In seiner Antrittsrede sprach er die legendären Worte, die einer verängstigten Nation Hoffnung gaben. In den ersten „Hundert Tagen“ seiner Präsidentschaft verabschiedete sein Kabinett eine Flut von Gesetzen. Es entstanden Organisationen wie der Civilian Conservation Corps (CCC), der jungen Männern Arbeit bei der Wiederaufforstung bot, und die Tennessee Valley Authority (TVA), die eine ganze Region mit Strom und Infrastruktur versorgte. Die Regierung griff regulierend in die Finanzmärkte und die Landwirtschaft ein, um das System zu stabilisieren.

Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.

Die zweite Phase des New Deal, ab 1935, legte den Grundstein für den amerikanischen Sozialstaat. Das bedeutendste Gesetz war der Social Security Act, der eine landesweite Renten- und Arbeitslosenversicherung einführte. Roosevelts Politik veränderte die Rolle des Staates fundamental. Der Föderalregierung wurde eine aktive Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Bürger zugeschrieben – eine radikale Abkehr von der bisherigen Laissez-faire-Doktrin. Seine „Kamingespräche“ im Radio, in denen er den Amerikanern seine Politik direkt erklärte, machten ihn zu einer vertrauten und überaus populären Figur.

Commander in Chief im Weltkrieg

Mit dem Aufstieg des Faschismus in Europa verlagerte sich Roosevelts Fokus auf die Außenpolitik. Trotz einer isolationistischen Grundstimmung in den USA bereitete er das Land auf einen möglichen Konflikt vor. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 führte er die Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg.

Roosevelt erkannte früh die Gefahr, die von Nazi-Deutschland und dem imperialen Japan ausging. Geschickt manövrierte er gegen den starken Widerstand der Isolationisten im Kongress und in der Bevölkerung. Mit dem Leih- und Pachtgesetz (Lend-Lease Act) von 1941 machte er die USA zum „Arsenal der Demokratie“ und versorgte Großbritannien und später die Sowjetunion mit kriegswichtigem Material. Der Angriff auf Pearl Harbor beendete die Debatte und einte die Nation hinter ihrem Präsidenten. Roosevelt erwies sich als entschlossener und strategisch denkender Oberbefehlshaber.

Er war die treibende Kraft hinter der Anti-Hitler-Koalition und pflegte eine enge, wenn auch nicht immer einfache Beziehung zu seinen wichtigsten Verbündeten, dem britischen Premierminister Winston Churchill und dem sowjetischen Diktator Joseph Stalin. Auf Konferenzen in Teheran und Jalta schmiedeten die „Großen Drei“ die Strategie zum Sieg über die Achsenmächte und entwarfen die Konturen der Nachkriegsordnung. Bereits während des Krieges trieb Roosevelt seine Vision einer internationalen Friedensorganisation voran. Seine Initiative führte maßgeblich zur Gründung der Vereinten Nationen (UNO) im Jahr 1945, deren Vollendung er jedoch nicht mehr erleben sollte.

Das unvollendete Vermächtnis

Im November 1944 wurde Roosevelt für eine beispiellose vierte Wahlperiode ins Präsidentenamt gewählt. Sein Gesundheitszustand war zu diesem Zeitpunkt bereits stark angegriffen. Er verstarb am 12. April 1945 in seinem Refugium in Warm Springs, Georgia, an einer Hirnblutung, nur wenige Wochen vor dem Ende des Krieges in Europa.

Die Anstrengungen des Krieges und die jahrelange körperliche Belastung hatten ihren Tribut gefordert. Bei der Konferenz von Jalta im Februar 1945 wirkte Roosevelt bereits erschöpft und krank. Sein plötzlicher Tod versetzte die Nation und die Welt in einen Schockzustand. Die gewaltige Aufgabe, den Krieg zu beenden und den Frieden zu gestalten, fiel seinem unerfahrenen Nachfolger Harry S. Truman zu. Roosevelt hinterließ ein Land, das er fundamental verändert hatte. Er hatte die Präsidentschaft zu einer Position von immenser Macht ausgebaut, die Bundesregierung zum zentralen Akteur in Wirtschaft und Gesellschaft gemacht und die USA endgültig aus ihrer isolationistischen Haltung in die Rolle einer globalen Supermacht geführt.

In historischen Ranglisten wird Franklin D. Roosevelt beständig neben George Washington und Abraham Lincoln als einer der drei größten Präsidenten der amerikanischen Geschichte eingestuft. Sein Vermächtnis ist die Überzeugung, dass eine demokratische Regierung die Pflicht und die Fähigkeit hat, das Leben ihrer Bürger in Zeiten tiefster Krisen zu schützen und zu verbessern. Er gab einer ganzen Generation den Glauben an die Zukunft zurück und formte die Welt des 20. Jahrhunderts entscheidend mit.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde Franklin D. Roosevelt geboren und wann starb er?

Franklin D. Roosevelt wurde am 30. Januar 1882 in Hyde Park, New York, geboren. Er starb am 12. April 1945 im Alter von 63 Jahren in Warm Springs, Georgia, an den Folgen einer Hirnblutung, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Wofür ist Franklin D. Roosevelt bekannt?

Roosevelt ist vor allem für zwei Dinge bekannt: seinen „New Deal“, ein umfassendes Reformprogramm zur Bekämpfung der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren, und seine entschlossene Führung der Vereinigten Staaten als alliierte Kriegsmacht während des Zweiten Weltkriegs.

Was waren die wichtigsten Gesetze des New Deal?

Zu den wichtigsten Gesetzen des New Deal zählen der Social Security Act von 1935, der eine nationale Renten- und Arbeitslosenversicherung einführte, der Glass-Steagall Act zur Regulierung der Banken und die Gründung von Behörden wie der Tennessee Valley Authority (TVA).

War Franklin D. Roosevelt verheiratet und hatte er Kinder?

Ja, Franklin D. Roosevelt war seit 1905 mit seiner entfernten Cousine Eleanor Roosevelt verheiratet. Gemeinsam hatten sie sechs Kinder, von denen fünf das Erwachsenenalter erreichten. Ihre Ehe entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer starken politischen Partnerschaft.

Warum wurde Roosevelt viermal zum Präsidenten gewählt?

Roosevelt ist der einzige US-Präsident, der mehr als zwei Amtszeiten absolvierte. Er wurde 1932, 1936, 1940 und 1944 gewählt. Seine ersten Wiederwahlen basierten auf der Popularität des New Deal, die späteren waren von der Notwendigkeit einer stabilen Führung im Zweiten Weltkrieg geprägt.

Normdaten und externe Verzeichnisse

Quellen und weiterführende Literatur

  • Smith, J. E. (2007). FDR. Random House.
  • Brands, H. W. (2008). Traitor to His Class: The Privileged Life and Radical Presidency of Franklin Delano Roosevelt. Doubleday.
  • Jenkins, R. (2003). Franklin Delano Roosevelt. Times Books.
  • Unger, I. (2012). The Last Founding Father: The Life and Times of James Monroe. Dutton.
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