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Lebensgeschichten, die die Welt bewegten — sorgfältig recherchiert, lesbar erzählt.

Medien & Öffentlichkeit · Deutschland · 1912–1985

Axel Springer – Verleger zwischen Macht und Provokation

Er baute das größte Zeitungshaus Europas, prägte die Meinung der Bundesrepublik und wurde zur Hassfigur der 68er-Bewegung

Axel Springer, Fotografie aus dem Jahr 1966
Axel Springer – Verleger zwischen Macht und Provokation · Wikimedia Commons · Photography department - Government Press Office · PD

Axel Springer (2. Mai 1912 – 22. September 1985) war ein deutscher Verleger und Gründer der heutigen Axel Springer SE. Mit Publikationen wie der BILD-Zeitung, Die Welt und Hörzu baute er einen der größten Medienkonzerne Europas auf und wurde zu einer prägenden, politisch konservativen Stimme in der Bundesrepublik Deutschland.

Das Gebäude war ein Statement aus Glas und Stahl. Errichtet 1966 in Berlin-Kreuzberg, ragte das neue Verlagshaus direkt an der Sektorengrenze auf, ein golden schimmernder Monolith im Angesicht der Mauer. Von den oberen Etagen blickten die Redakteure direkt auf die Wachtürme der DDR. Der Verleger hatte diesen Ort mit Bedacht gewählt. Es war mehr als ein Firmensitz. Es war ein Fanal gegen den Kommunismus, ein publizistischer Vorposten der freien Welt, wie er es sah. Von hier aus wollte er für die deutsche Wiedervereinigung kämpfen, mit den Mitteln, die er am besten beherrschte: gedruckten Worten in millionenfacher Auflage. Das Hochhaus wurde zum Symbol seines Einflusses und zum Ziel des Hasses seiner Gegner.

Er schuf ein Presse-Imperium, das die Bundesrepublik formte und spaltete. Springer war der Cäsar des deutschen Boulevardjournalismus, ein Mann, der die Massen zu mobilisieren verstand und die Eliten herausforderte.

Inhalt (5)
Jahre Position / Publikation Unternehmen Bedeutung
1935–1941 Stv. Chefredakteur Hamburger Neueste Zeitung Erste redaktionelle Führungsrolle im väterlichen Betrieb.
1946 Gründer / Verleger Hör Zu! Grundstein des Nachkriegsimperiums, Beginn des Aufstiegs.
1948 Gründer / Herausgeber Hamburger Abendblatt Etablierung als Verleger seriöser Regionalzeitungen.
1952 Gründer / Verleger BILD-Zeitung Schaffung der auflagenstärksten Boulevardzeitung Europas.
1953 Übernahme Die Welt, Welt am Sonntag Einstieg in den überregionalen Qualitätsjournalismus.
1959 Mehrheitsübernahme Ullstein-Gruppe (B.Z., Berliner Morgenpost) Dominanz auf dem Berliner Zeitungsmarkt.
1970 Alleinaktionär / Aufsichtsratsvorsitzender Axel Springer Verlag AG Konsolidierung des Konzerns unter seiner alleinigen Kontrolle.
1985 Börsengang Axel Springer Verlag AG Öffnung des Unternehmens für externe Investoren kurz vor seinem Tod.

Vom Setzerlehrling zum Zeitungsherrn

Geboren am 2. Mai 1912 in Altona, absolvierte Axel Springer eine Lehre als Setzer und Drucker im Verlag seines Vaters Hinrich Springer. Nach Stationen bei einer Nachrichtenagentur stieg er 1935 zum stellvertretenden Chefredakteur der väterlichen Zeitung auf, die 1941 vom NS-Regime eingestellt wurde.

Der Weg in den Journalismus war vorgezeichnet. Sein Vater, Hinrich Springer, war ein angesehener Verleger in Altona und Schatzmeister der Deutschen Demokratischen Partei. Der Sohn lernte das Handwerk von Grund auf: Er stand an der Setzmaschine, roch die Druckerschwärze und verstand die Mechanik der Zeitungsproduktion, bevor er sich dem Inhalt widmete. Ein Volontariat beim Wolffs Telegraphischen Bureau und der Bergedorfer Zeitung schärfte seinen Blick für die Nachricht. Er kehrte in den Familienbetrieb zurück, nicht als Erbe, sondern als ambitionierter Redakteur, der rasch Verantwortung übernahm. Die Zeit des Nationalsozialismus durchlebte er ambivalent. Er trat dem Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) als Anwärter bei und war für eine Zeitung mitverantwortlich, die antisemitische Propaganda druckte. Gleichzeitig schützte er seine erste Ehefrau, Martha Else Meyer, die nach den Nürnberger Gesetzen als „Halbjüdin“ galt. Die Ehe wurde 1938 geschieden, doch der Kontakt blieb bestehen. Vom Kriegseinsatz blieb er durch einen Ausmusterungsschein verschont und verlegte während des Krieges belletristische Literatur. Diese Jahre im Abseits des großen Geschehens prägten seinen unbedingten Willen, nach 1945 eine umso größere Rolle zu spielen.

Lizenz zum Drucken

Nach Kriegsende erhielten Springer und sein Vater 1945 von der britischen Militärregierung eine Lizenz zur Publikation. Mit der Gründung der Programmzeitschrift *Hör Zu!* 1946 und der *BILD*-Zeitung 1952 legte er den Grundstein für einen der größten europäischen Medienkonzerne.

Axel Springer, Aufnahme aus dem Jahr 1966
GERMAN NEWSPAPER TYCOON AXEL SPRINGER (LEFT) & JERUSALEM MAYOR TEDDY KOLLEK (RIGHT) HOLDING THE PARCHMENT SCROLL AT A CORNERSTONE LAYING CEREMONY IN THE ISRAEL MUSEUM IN JRSLM, fotografiert von Photography department – Government Press Office. · Wikimedia Commons · PD

Die Stunde Null war seine Chance. Im zerbombten Hamburg, dem Zentrum der britischen Besatzungszone, erkannte er den Hunger der Menschen nach Information und Ablenkung. Den ersten Erfolg landete er mit den *Nordwestdeutschen Heften*, die Beiträge des Senders NWDR abdruckten. Der Durchbruch gelang 1946 mit *Hör Zu!*, einer Rundfunkzeitschrift, die schnell eine Millionenauflage erreichte. Zwei Jahre später folgte das *Hamburger Abendblatt*. Der entscheidende Schritt aber war die Konzeption der *BILD*-Zeitung. Sie erschien erstmals am 24. Juni 1952. Mit großen Schlagzeilen, kurzen Texten und einer aggressiven Bildsprache schuf der Verleger ein Medium, das die Regeln des deutschen Journalismus veränderte und eine enorme Leserschaft an sich band. Er verstand es, Komplexität zu reduzieren und Emotionen zu bedienen. Der wirtschaftliche Erfolg der *BILD* ermöglichte eine beispiellose Expansion. 1953 kaufte er den Briten das renommierte Zeitungstrio *Die Welt*, *Welt am Sonntag* und *Das Neue Blatt* ab. 1959 sicherte er sich die Mehrheit am traditionsreichen Berliner Ullstein Verlag und damit die Kontrolle über *B.Z.* und *Berliner Morgenpost*. Binnen eines Jahrzehnts war aus dem Hamburger Verlegersohn ein nationaler Zeitungsmagnat geworden.

Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes.

Axel Springers Fanal an der Mauer

Der Umzug des Verlagshauptsitzes 1967 nach West-Berlin war ein politisches Statement. Springer engagierte sich publizistisch für die deutsche Einheit, die Aussöhnung mit Israel und das transatlantische Bündnis. Seine konservative Haltung und die Marktmacht seines Konzerns machten ihn zur zentralen Reizfigur der Studentenbewegung von 1968.

Axel Springer
Berlin – side view of the Axel-Springer-Haus (Axel Springer building), fotografiert von Johann H. Addicks. · Wikimedia Commons · CC-BY-SA

Er war mehr als nur ein Geschäftsmann. Er war ein Verleger mit einer Mission. Seine publizistischen Grundsätze, die er intern ausgab, waren ein klares politisches Bekenntnis: für die Wiedervereinigung, für Israel, für die USA und die freie soziale Marktwirtschaft, gegen jede Form des Totalitarismus. Die DDR wurde in seinen Blättern konsequent in Anführungszeichen gesetzt – „DDR“ –, um ihre Staatlichkeit nicht anzuerkennen. Sein Treffen mit dem sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow 1958, bei dem er einen Wiedervereinigungsplan vorlegte, scheiterte und bestärkte ihn in seinem antikommunistischen Kurs. Diese klare Positionierung kollidierte frontal mit den Idealen der außerparlamentarischen Opposition. Die Parole „Enteignet Springer!“ hallte durch die Straßen. Nach dem Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke im April 1968 eskalierten die Proteste. Demonstranten warfen der *BILD*-Zeitung vor, mit ihrer scharfen Rhetorik gegen die Studentenbewegung das Klima für die Tat bereitet zu haben. „BILD schoß mit“, skandierten sie und zündeten Lieferwagen des Verlags an. Für eine ganze Generation wurde der Verleger zum Feindbild, zur Personifikation einer reaktionären und manipulativen Presse.

Der Aufmacher und die Folgen

Die 1970er-Jahre brachten neue Konfrontationen. Ein Bombenanschlag der RAF verletzte 1972 Mitarbeiter im Hamburger Verlagshaus. 1977 enthüllte der Journalist Günter Wallraff in seinem Buch *Der Aufmacher* die internen Arbeitsmethoden der *BILD*-Zeitung. Persönliche Schicksalsschläge überschatteten Springers letzte Lebensjahre.

Der Konflikt verlagerte sich vom Protest auf der Straße zu juristischen und terroristischen Auseinandersetzungen. Der Bombenanschlag der Rote Armee Fraktion 1972 traf den Verlag ins Mark. Fünf Jahre später erschütterte die verdeckte Recherche von Günter Wallraff das Unternehmen. Unter dem Pseudonym „Hans Esser“ hatte er bei der *BILD* in Hannover gearbeitet und dokumentierte fragwürdige Recherchemethoden und die gezielte Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Das Buch *Der Aufmacher* löste einen Medienskandal aus und führte zu einem langwierigen Prozess, den Wallraff letztlich gewann. Der Deutsche Presserat rügte den Verlag mehrfach. Gleichzeitig wurde der Verleger für sein Engagement geehrt, insbesondere für seinen Einsatz für die deutsch-israelischen Beziehungen, nachzulesen in der Deutschen Biographie. Private Tragödien traten hinzu. Sein Sohn Axel Springer junior, ein anerkannter Fotojournalist, nahm sich 1980 das Leben. Dieser Verlust traf den Vater schwer. Er zog sich zunehmend aus dem operativen Geschäft zurück, übergab Verantwortung an seine fünfte Ehefrau Friede Springer und leitete 1985 den Börsengang seines Lebenswerkes ein. Am 22. September 1985 starb er in West-Berlin. Er hinterließ einen Konzern, der das deutsche Pressewesen bis heute prägt und dessen Name untrennbar mit den politischen und gesellschaftlichen Kämpfen der Bundesrepublik verbunden ist.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde Axel Springer geboren und wann starb er?

Er wurde am 2. Mai 1912 in Altona bei Hamburg geboren. Er starb am 22. September 1985 im Alter von 73 Jahren in West-Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Evangelischen Kirchhof in Berlin-Nikolassee und ist als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet.

Wofür ist Axel Springer bekannt?

Axel Springer ist als Gründer eines der größten europäischen Medienkonzerne, der heutigen Axel Springer SE, bekannt. Er schuf die auflagenstarke BILD-Zeitung und prägte mit Titeln wie Die Welt und Hörzu die öffentliche Meinung der Bundesrepublik Deutschland über Jahrzehnte entscheidend mit.

Welche waren die wichtigsten Zeitungen und Zeitschriften von Axel Springer?

Zu seinen wichtigsten Gründungen und Akquisitionen zählen die Programmzeitschrift Hör Zu! (1946), das Hamburger Abendblatt (1948), die BILD-Zeitung (1952) und die Übernahme von Die Welt (1953). Später kamen durch die Ullstein-Übernahme Titel wie die B.Z. und die Berliner Morgenpost hinzu.

Wie war die politische Haltung des Verlegers?

Er vertrat eine dezidiert konservative und antikommunistische Haltung. Seine publizistischen Grundsätze forderten das Eintreten für die deutsche Wiedervereinigung, die Aussöhnung mit dem jüdischen Volk, die Unterstützung Israels und die Solidarität mit den USA. Diese Haltung machte ihn zur Zielscheibe der 68er-Bewegung.

Wie viele Ehen hatte der Verleger?

Der Verleger war fünfmal verheiratet. Seine Ehen waren mit Martha Else Meyer (1933–1938), Erna Holm (1939–1953), Rosemarie Alsen (1953–1961), Helga Alsen (1962–1978) und zuletzt Friede Springer (ab 1978), die nach seinem Tod eine zentrale Rolle im Konzern übernahm.

Was war die „Springer-Presse“-Kontroverse?

Die „Springer-Presse“-Kontroverse bezeichnet die heftigen Proteste der Studentenbewegung ab 1967 gegen den Springer-Konzern. Kritiker warfen seinen Zeitungen, insbesondere BILD, vor, durch einseitige und hetzerische Berichterstattung die öffentliche Meinung zu manipulieren und die Proteste zu delegitimieren.

Normdaten und externe Verzeichnisse

Quellen und weiterführende Literatur

  • Schwarz, H-P. (2008). Axel Springer – Die Biografie. Propyläen.
  • Jürgs, M. (2001). Der Verleger – Der Fall Axel Springer. List.
  • Jens, T. (2012). Axel Cäsar Springer. Ein deutsches Feindbild. Verlag Herder.
  • von Arnim, T. (2012). „Und dann werde ich das größte Zeitungshaus Europas bauen“: Der Unternehmer Axel Springer. Campus Verlag.
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