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Politik · Vereinigte Staaten · 1925–1968

Robert F. Kennedy: Der unvollendete Weg ins Weiße Haus

Vom rücksichtslosen Wahlkampfmanager zum Hoffnungsträger einer gespaltenen Nation – eine politische Metamorphose, die in einer Hotelküche in Los Angeles endete

Der US-Senator Robert F. Kennedy während einer Rede im Wahlkampf 1968, kurz vor seiner Ermordung.
Robert F. Kennedy: Der unvollendete Weg ins Weiße Haus · Wikimedia Commons · Harry Warnecke · PD

Robert F. Kennedy (20. November 1925 – 6. Juni 1968) war ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei. Er diente als Justizminister im Kabinett seines Bruders John F. Kennedy, wurde später Senator für New York und bewarb sich 1968 um die Präsidentschaft, bevor er einem Attentat zum Opfer fiel.

Der Jubel im Ballsaal des Ambassador Hotels in Los Angeles war ohrenbetäubend. Es war kurz nach Mitternacht am 5. Juni 1968, und er hatte soeben die entscheidende Vorwahl in Kalifornien gewonnen. Der Weg zur Präsidentschaftsnominierung schien frei. Er bahnte sich einen Weg durch die Menge, eine Abkürzung durch die Hotelküche, auf dem Weg zu den wartenden Journalisten. Ein Blitzlichtgewitter, Schreie, Chaos. In diesem Korridor zwischen Edelstahltischen und dampfenden Töpfen endete nicht nur ein Wahlkampf, sondern auch die Hoffnung einer Generation, die in ihm eine politische und moralische Erneuerung Amerikas sah. Der Moment markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Vereinigten Staaten.

Sein Weg führte vom Schatten des übermächtigen Kennedy-Clans über die Schaltzentralen der Macht in Washington bis in die Elendsviertel Amerikas. Er war zugleich der rücksichtslose Taktiker und der sensible Verfechter der Unterdrückten.

Inhalt (5)
Jahre Amt Partei / Institution Bedeutung
1952–1955 Juristischer Mitarbeiter Senatsunterausschuss (u.a. unter Joseph McCarthy) Erste Erfahrungen im politischen Apparat Washingtons.
1957–1959 Chefberater McClellan Committee Leitete Untersuchungen gegen Gewerkschaftskorruption, was zur Feindschaft mit Jimmy Hoffa führte.
1961–1964 United States Attorney General (Justizminister) Kabinett John F. Kennedy / Lyndon B. Johnson Engster Berater des Präsidenten; Kampf gegen das organisierte Verbrechen und Engagement für Bürgerrechte.
1965–1968 Senator für New York US-Senat Entwickelte ein starkes soziales Profil und wurde zu einem führenden Kritiker des Vietnamkriegs.
1968 Präsidentschaftskandidat Demokratische Partei Führte einen erfolgreichen Vorwahlkampf, der durch sein Attentat ein jähes Ende fand.

Im Schatten des Clans

Geboren am 20. November 1925 in Brookline, Massachusetts, war Robert das siebte von neun Kindern von Joseph und Rose Kennedy. Seine Ausbildung an Eliteschulen wie der Milton Academy und der Harvard University war vom Ehrgeiz des Vaters und dem Vorbild seiner älteren Brüder geprägt.

Die Erziehung im Hause Kennedy war ein Wettbewerb. Joseph P. Kennedy, Patriarch und Architekt des Familienaufstiegs, erwartete von seinen Söhnen nichts weniger als den Griff nach den höchsten Ämtern. Robert, oft als „Bobby“ bekannt, stand lange im Schatten seines älteren Bruders John F. Kennedy und des erstgeborenen, im Krieg gefallenen Joseph Jr. Seine Jugend war eine Abfolge von Schulwechseln, bestimmt vom väterlichen Kalkül, den mäßig begabten Sohn auf den richtigen Weg zu bringen. Er fand seine Nische nicht im akademischen Glanz, sondern im körperlichen Einsatz, etwa im American Football Team von Harvard, wo er sich trotz eines Beinbruchs durch ein Spiel kämpfte. Diese Zähigkeit sollte seine politische Karriere definieren. Nach seinem Jurastudium an der University of Virginia, das er 1951 abschloss, übernahm er die Leitung des Wahlkampfes seines Bruders John für den Senat.

Seine politische Laufbahn begann in einem kontroversen Umfeld. Im Jahr 1952 wurde er juristischer Mitarbeiter im Senatsunterausschuss von Joseph McCarthy, der eine landesweite Kampagne gegen vermeintliche Kommunisten im Regierungsapparat führte. Obwohl Kennedy die rücksichtslosen Methoden von McCarthys Chefberater Roy Cohn missbilligte und den Posten nach wenigen Monaten verließ, hegte er für McCarthy persönlich weiterhin Sympathien. Später, als Chefberater des McClellan Committee, das die Korruption in den Gewerkschaften untersuchte, machte er sich einen Namen. Seine unerbittlichen Verhöre des Teamsters-Vorsitzenden Jimmy Hoffa wurden landesweit im Fernsehen übertragen und begründeten seinen Ruf als harter, unnachgiebiger Ankläger. Diese Phase prägte das Bild des „bösen Bobby“, eines Mannes, der für die Ziele seiner Familie jedes Mittel einsetzte.

Die rechte Hand des Präsidenten

Nach dem Wahlsieg seines Bruders 1960 ernannte John F. Kennedy ihn zum Justizminister. In dieser Funktion wurde Robert zum engsten Berater im Weißen Haus und spielte eine entscheidende Rolle in der Kubakrise 1962, wo er auf eine diplomatische Lösung drängte.

Robert F. Kennedy
Attorney General Robert F. Kennedy speaking to a crowd of African Americans and whites through a megaphone outside the Justice Department; sign for Congress of Racial Equality is prominently displayed, fotografiert von Leffler, Warren K.. · Wikimedia Commons · PD

Die Ernennung des 35-jährigen Bruders zum Attorney General stieß auf massive Kritik und Vorwürfe der Vetternwirtschaft. Doch er füllte das Amt mit einer Energie, die seine Kritiker bald verstummen ließ. Er erklärte dem organisierten Verbrechen den Krieg. Die Verurteilungen von Mafiagrößen stiegen unter seiner Ägide um 800 Prozent. Sein Fokus auf die Mafia, insbesondere auf Figuren wie Jimmy Hoffa, war obsessiv und persönlich. Er sah in ihnen eine fundamentale Bedrohung für die amerikanische Gesellschaft. Gleichzeitig rang er mit der Bürgerrechtsbewegung. Anfänglich zögerlich, entwickelte er sich unter dem Druck von Ereignissen wie den „Freedom Rides“ und den Protesten in Birmingham, Alabama, zu einem entschlossenen Verfechter der Gleichberechtigung. Er setzte Bundestruppen ein, um die Einschreibung des ersten schwarzen Studenten, James Meredith, an der University of Mississippi durchzusetzen.

Er war mehr als nur Justizminister; er war der Hüter der Macht, der Problemlöser und das Gewissen des Präsidenten.

Sein Einfluss reichte weit über die Grenzen des Justizministeriums hinaus. Während der dreizehn Tage der Kubakrise im Oktober 1962 war er die Stimme der Mäßigung im inneren Zirkel des Präsidenten. Während Militärs einen Luftangriff auf Kuba forderten, der einen Atomkrieg hätte auslösen können, verhandelte er im Geheimen mit dem sowjetischen Botschafter Anatoli Dobrynin. Seine Fähigkeit, einen Kompromiss zu finden – der Abzug amerikanischer Raketen aus der Türkei im Gegenzug für den Abzug der sowjetischen Raketen aus Kuba – trug maßgeblich zur friedlichen Beilegung der Krise bei. Diese Erfahrung veränderte ihn tiefgreifend. Er sah, wie nah die Welt am Abgrund gestanden hatte, eine Erkenntnis, die seine spätere Kritik am Vietnamkrieg prägen sollte.

Robert F. Kennedy: Die Metamorphose nach Dallas

Der Mord an seinem Bruder im November 1963 stürzte Robert F. Kennedy in eine tiefe persönliche Krise. Er verließ 1964 das Kabinett von Präsident Lyndon B. Johnson und kandidierte erfolgreich als Senator für den Bundesstaat New York, ein Amt, das er von 1965 bis zu seinem Tod innehatte.

Robert F. Kennedy
Robert Kennedy Jr. in Urbana, IL, fotografiert von Daniel Schwen. · Wikimedia Commons · CC-BY-SA

Nach der Ermordung Johns F. Kennedys war er ein gebrochener Mann. Die Trauer verwandelte ihn. Der harte Pragmatiker begann, sich intensiv mit den Schriften griechischer Tragödiendichter wie Aischylos zu beschäftigen und entwickelte eine neue Empathie für das Leid anderer. Seine politische Agenda verlagerte sich. Als Senator für New York reiste er in die ärmsten Regionen des Landes, vom Mississippi-Delta bis in die Appalachen und die innerstädtischen Ghettos. Er sprach mit hungernden Kindern, arbeitslosen Vätern und ausgegrenzten Minderheiten. Diese Begegnungen formten sein politisches Programm, das sich zunehmend auf die Bekämpfung von Armut und sozialer Ungerechtigkeit konzentrierte. Er wurde zu einer Stimme für jene, die von der Politik übersehen wurden.

Gleichzeitig wuchs seine Distanz zu Präsident Johnson und dessen Eskalation des Vietnamkriegs. Anfangs unterstützte er die Politik der Regierung, doch ab 1966 wurde seine Kritik immer lauter. Er sah den Krieg nicht nur als strategischen Fehler, sondern auch als moralisches Versagen, das die Ressourcen des Landes von den dringenden sozialen Problemen im Inneren abzog. Sein Bruch mit Johnson war tief und persönlich, geprägt von gegenseitigem Misstrauen. Robert F. Kennedy verkörperte für viele die Hoffnung auf eine Rückkehr zum Geist der „New Frontier“ seines Bruders, aber mit einem stärkeren sozialen Fokus. Seine Popularität wuchs, besonders bei jungen Menschen, Afroamerikanern und anderen Minderheiten.

Der letzte Wahlkampf

Am 16. März 1968 erklärte Robert F. Kennedy seine Kandidatur für die Präsidentschaft. Sein Wahlkampf elektrisierte das Land, wurde jedoch am 5. Juni 1968 durch ein Attentat in Los Angeles nach seinem Sieg bei der Vorwahl in Kalifornien beendet.

Kennedy zögerte lange, Präsident Johnson herauszufordern, um die Demokratische Partei nicht zu spalten. Erst als der Antikriegs-Kandidat Eugene McCarthy bei der Vorwahl in New Hampshire ein überraschend starkes Ergebnis erzielte, trat Kennedy in den Ring. Sein Wahlkampf war chaotisch, improvisiert und von einer emotionalen Intensität geprägt. Die Menschenmassen, die ihn umringten, waren oft so dicht, dass er Mühe hatte, sein Auto zu verlassen. Er schien die Hoffnungen und die Verzweiflung eines tief gespaltenen Landes auf sich zu ziehen. Seine Fähigkeit, mit unterschiedlichen Gruppen wie Landarbeitern in Kalifornien und weißen Arbeitern in Indiana in Kontakt zu treten, war ein Merkmal seiner Kampagne.

Ein prägender Moment war seine Rede am 4. April 1968 in Indianapolis. Als er vom Tod des Bürgerrechtlers Martin Luther King erfuhr, sprach er aus dem Stegreif zu einer überwiegend schwarzen Menge. Er sprach von seinem eigenen Schmerz über den Verlust seines Bruders, der „ebenfalls von einem weißen Mann ermordet wurde“, und rief zu Mitgefühl und Gerechtigkeit auf. Während in über 100 amerikanischen Städten Unruhen ausbrachen, blieb es in Indianapolis in dieser Nacht ruhig. Nach Siegen in Indiana und Nebraska und einer Niederlage in Oregon kam es zur entscheidenden Vorwahl in Kalifornien. Sein Sieg dort machte ihn zum Favoriten für die Nominierung. Doch nur wenige Minuten nach seiner Siegesrede wurde er in der Küche des Ambassador Hotels von Sirhan Sirhan, einem palästinensischen Einwanderer, niedergeschossen. Er starb 26 Stunden später am 6. Juni 1968. Sein Tod besiegelte das Ende einer Ära des politischen Aufbruchs. Mehr Informationen zu seinem Leben und Wirken finden sich im John F. Kennedy Presidential Library and Museum oder in detaillierten Analysen auf Britannica.com.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde Robert F. Kennedy geboren und wann starb er?

Robert F. Kennedy wurde am 20. November 1925 in Brookline, Massachusetts, geboren. Er starb am 6. Juni 1968 im Good Samaritan Hospital in Los Angeles, Kalifornien, im Alter von 42 Jahren an den Folgen eines Attentats.

Wofür ist Robert F. Kennedy bekannt?

Robert F. Kennedy ist bekannt für seine Tätigkeit als US-Justizminister unter seinem Bruder John F. Kennedy, seinen Kampf gegen das organisierte Verbrechen und für die Bürgerrechte. Als Senator wurde er zu einer Ikone des amerikanischen Linksliberalismus.

Welche politischen Ämter hatte Robert F. Kennedy inne?

Seine wichtigsten politischen Ämter waren das des 64. United States Attorney General (Justizminister) von 1961 bis 1964 und das eines US-Senators für den Bundesstaat New York von 1965 bis zu seinem Tod im Jahr 1968.

Hatte Robert F. Kennedy Familie?

Ja, Robert F. Kennedy heiratete 1950 Ethel Skakel. Das Paar hatte elf Kinder: Kathleen, Joseph II, Robert Jr., David, Courtney, Michael, Kerry, Christopher, Maxwell, Douglas und Rory. Seine jüngste Tochter Rory wurde erst nach seinem Tod geboren.

Was war die Todesursache von Robert F. Kennedy?

Robert F. Kennedy wurde am 5. Juni 1968 in der Küche des Ambassador Hotels in Los Angeles angeschossen. Er erlitt schwere Kopfverletzungen und starb am darauffolgenden Tag. Der Täter, Sirhan Sirhan, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Welchen Einfluss hatte Robert F. Kennedy?

Sein Engagement für soziale Gerechtigkeit und seine Kritik am Vietnamkrieg machten ihn zu einer Symbolfigur für eine Generation, die sich nach Veränderung sehnte. Sein Tod wird oft als Wendepunkt gesehen, der eine Ära des politischen Optimismus in den USA beendete.

Normdaten und externe Verzeichnisse

Quellen und weiterführende Literatur

  • Schlesinger, Arthur M. Jr. (1978). Robert Kennedy and His Times. Houghton Mifflin Harcourt.
  • Thomas, Evan (2000). Robert Kennedy: His Life. Simon & Schuster.
  • Tye, Larry (2016). Bobby Kennedy: The Making of a Liberal Icon. Random House.
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