Napoleon Bonaparte (1769–1821) war ein französischer General, Staatsmann und Kaiser. Aus Korsika stammend, stieg er während der Französischen Revolution auf, übernahm 1799 durch einen Staatsstreich die Macht und krönte sich 1804 zum Kaiser. Seine Kriege und Reformen, insbesondere der Code civil, veränderten die politische Landkarte Europas nachhaltig.
In den Gassen von Ajaccio, unter der Sonne Korsikas, hallten noch die Klagen über die verlorene Freiheit wider. Hier wuchs ein Junge namens Napoleone Buonaparte auf, der zweite Sohn des Juristen Carlo Buonaparte und seiner Frau Letizia. Der korsische Revolutionär Pascal Paoli war sein Idol, ein Held des Widerstands gegen die französische Oberhoheit, der sich sein Vater pragmatisch gebeugt hatte. Diese frühe Zerrissenheit zwischen korsischem Stolz und französischer Notwendigkeit legte den Grundstein für einen Ehrgeiz, der keine nationalen Grenzen kennen sollte.
Sein Leben ist eine Parabel über den Aufstieg und Fall, eine Demonstration von Willenskraft, die einen Kontinent neu ordnete und in einem Desaster endete. Er war zugleich Vollender und Zerstörer der Revolution, ein Modernisierer, dessen Machtgier Europa in ein Jahrzehnt des Krieges stürzte.
Inhalt (5)
| Jahre | Amt | Institution | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1799–1804 | Erster Konsul | Französische Republik | De-facto-Alleinherrscher nach dem Staatsstreich des 18. Brumaire |
| 1804–1814/15 | Kaiser der Franzosen | Erstes Kaiserreich | Etablierung einer Erbmonarchie, Hegemonie in Europa |
| 1805–1814 | König von Italien | Königreich Italien | Persönliche Herrschaft über Norditalien |
| 1806–1813 | Protektor | Rheinbund | Kontrolle über die deutschen Mittelstaaten, Auflösung des HRR |
| 1815 | Kaiser der Franzosen | Herrschaft der Hundert Tage | Kurze Rückkehr an die Macht nach der Verbannung auf Elba |
Ein Außenseiter aus Ajaccio
Geboren am 15. August 1769 in Ajaccio, Korsika, erhielt Napoleon Bonaparte seine militärische Ausbildung in Frankreich. An den Kadettenschulen von Brienne und später an der renommierten École royale militaire in Paris galt er als Stipendiat und Korse als gesellschaftlicher Außenseiter.
Dank der Verbindungen seines Vaters Carlo Buonaparte zum französischen Gouverneur erhielt der junge Napoleon ein königliches Stipendium, das ihm den Weg in die Militärlaufbahn ebnete. Im Dezember 1778 verließ er seine Heimatinsel und betrat in Autun erstmals französischen Boden, um die Sprache zu lernen, die er zeitlebens mit einem leichten Akzent sprechen würde. An der Kadettenschule von Brienne war er isoliert. Seine Kameraden, zumeist Söhne des französischen Hochadels, blickten auf den Jungen mit dem seltsam klingenden Namen herab. Er flüchtete sich in die Bücher, las Plutarch, Cäsar und Alexander den Großen. Die Mathematik wurde sein stärkstes Fach, was ihn für eine Karriere bei der Artillerie prädestinierte. Seine Französisch-Orthographie blieb mangelhaft, doch sein Stil schärfte sich durch die intensive Lektüre der Aufklärer, allen voran Jean-Jacques Rousseau.
Im Jahr 1784 wechselte er an die École royale militaire in Paris, die prestigeträchtigste Militärakademie des Landes. Hier vertiefte er seine Kenntnisse in Ballistik und Befestigungskunde. Den Tod seines Vaters 1785 erlebte er aus der Ferne, übernahm aber als Sechzehnjähriger instinktiv die Rolle des Familienoberhaupts. Er schloss seine Ausbildung vorzeitig ab und trat mit dem Offizierspatent als Sous-lieutenant in das Artillerie-Regiment La Fère ein. In den Garnisonsstädten Valence und Auxonne verbrachte er die Jahre vor der Revolution lesend und schreibend, ein junger, ehrgeiziger Offizier, der noch immer von einem befreiten Korsika unter seinem Jugendidol Pascal Paoli träumte.
Die Kanonen von Toulon
Die Französische Revolution bot Napoleon die Bühne für seinen Aufstieg. Seine entscheidende Rolle bei der Belagerung von Toulon 1793 brachte ihm mit nur 24 Jahren die Beförderung zum Général de brigade. 1795 sicherte er die Herrschaft des Direktoriums durch den Einsatz von Artillerie gegen einen royalistischen Aufstand in Paris.

Als 1789 die Revolution ausbrach, sah Napoleon sie zunächst als Chance für seine korsischen Ambitionen. Er kehrte mehrfach auf die Insel zurück, engagierte sich in der lokalen Politik und stieg zum Führer der Nationalgarde auf. Doch seine Manöver brachten ihn in Konflikt mit Pascal Paoli, der den Söhnen des Kollaborateurs Carlo misstraute. Nach blutigen Unruhen und einer Anklage durch seinen eigenen Bruder Lucien Bonaparte musste die Familie Buonaparte 1793 endgültig aus Korsika fliehen. Napoleons korsischer Traum war beendet; seine Zukunft lag nun untrennbar mit Frankreich verbunden. Er schloss sich den Jakobinern an und fiel Augustin de Robespierre, dem Bruder des Revolutionsführers, durch eine politische Broschüre auf.
Es ist mit den Systemen der Kriege wie mit Belagerungen von Festungen. Man muss sein Feuer auf ein und denselben Punkt konzentrieren.
Die Gelegenheit, sein militärisches Talent zu beweisen, kam bei der Belagerung von Toulon. Die Stadt hatte sich gegen die Republik erhoben und wurde von der britischen Flotte unterstützt. Napoleon, zum Kommandanten der Artillerie ernannt, entwickelte einen genialen Plan: Statt eines direkten Angriffs konzentrierte er das Geschützfeuer auf die Forts, die den Hafen beherrschten. Der Plan ging auf, die Briten zogen sich zurück, und Toulon fiel. Dieser Erfolg war der Beginn seines militärischen Ruhms. Nach dem Sturz Robespierres kurzzeitig inhaftiert, fand er sich bald im Zentrum der Macht in Paris wieder. Der Politiker Paul de Barras beauftragte ihn am 5. Oktober 1795, einen royalistischen Aufstand niederzuschlagen. Napoleon zögerte nicht, mit konzentriertem Kartätschenfeuer in die Menge schießen zu lassen. Zum Dank wurde er zum Oberbefehlshaber der Armee des Inneren ernannt. In den Salons der neuen Elite lernte er Joséphine de Beauharnais kennen, eine einflussreiche Witwe und ehemalige Geliebte von Barras. Er heiratete sie am 9. März 1796 – ein strategischer Schritt, der ihm gesellschaftlichen Status und politische Verbindungen sicherte.
Der Architekt des Triumphs und des Gesetzes
Als Oberbefehlshaber der Italienarmee errang Napoleon 1796–1797 entscheidende Siege gegen Österreich. Nach einem Feldzug in Ägypten kehrte er 1799 zurück und riss durch den Staatsstreich des 18. Brumaire die Macht an sich. Als Erster Konsul leitete er weitreichende Reformen ein, deren Höhepunkt der Code civil von 1804 war.

Nur zwei Tage nach seiner Hochzeit übernahm er den Befehl über die schlecht ausgerüstete Italienarmee. Er fand eine demoralisierte Truppe vor, die er mit Versprechungen von „Ehre, Ruhm und Reichtümern“ elektrisierte. Sein Feldzug in Italien wurde zum Prototyp seiner Kriegsführung: Schnelle Märsche, Konzentration der Kräfte an einem entscheidenden Punkt und rücksichtslose Ausnutzung des Erfolgs. Er trennte die Armeen seiner österreichischen und sardinisch-piemontesischen Gegner und schlug sie in einer Reihe von Schlachten, darunter die berühmte bei Lodi. Er agierte nicht nur als General, sondern auch als Politiker, gründete Tochterrepubliken und schloss eigenmächtig den Frieden von Campo Formio. Seine Popularität in Frankreich wuchs ins Unermessliche. Um den unbequemen Helden auf Distanz zu halten, schickte ihn das Direktorium 1798 auf einen Feldzug nach Ägypten, der die britische Verbindung nach Indien kappen sollte. Militärisch scheiterte die Expedition, nachdem Admiral Horatio Nelson die französische Flotte bei Abukir vernichtet hatte. Doch durch geschickte Propaganda wurde der Feldzug in Frankreich als Erfolg dargestellt.
Als Napoleon von der instabilen Lage in Paris erfuhr, verließ er seine Armee und kehrte im Oktober 1799 nach Frankreich zurück. Am 9. November (18. Brumaire VIII) stürzte er in einem unblutigen Staatsstreich das Direktorium und installierte ein Konsulat mit ihm als Erstem Konsul an der Spitze. In dieser Funktion bewies er sein staatsmännisches Talent. Er sanierte die Staatsfinanzen, zentralisierte die Verwaltung und schuf mit dem Code civil (später Code Napoléon) ein modernes Zivilgesetzbuch, das die Gleichheit vor dem Gesetz, die Freiheit des Eigentums und die Trennung von Staat und Kirche festschrieb. Dieses Gesetzbuch wurde zur Grundlage der Rechtssysteme in vielen Teilen Europas und gilt als seine nachhaltigste Leistung.
Vom Kaiserthron nach St. Helena
Am 2. Dezember 1804 krönte sich Napoleon in der Kathedrale Notre-Dame de Paris selbst zum Kaiser der Franzosen. Seine Hegemonialpolitik führte zu jahrelangen Koalitionskriegen. Der katastrophale Russlandfeldzug 1812 leitete seinen Niedergang ein, der mit der Niederlage bei Waterloo 1815 und der Verbannung nach St. Helena endete.
Die Macht des Ersten Konsuls genügte seinem Ehrgeiz nicht. Nach einer Volksabstimmung krönte er sich 1804 in Anwesenheit des Papstes zum Kaiser. In den folgenden Jahren unterwarf er in einer Serie brillanter Feldzüge weite Teile Europas. Siege bei Austerlitz (1805) gegen Österreich und Russland sowie bei Jena und Auerstedt (1806) gegen Preußen zementierten seine militärische Vormachtstellung. Er löste das Heilige Römische Reich auf und gründete den Rheinbund, ein Bündnis deutscher Staaten unter französischem Protektorat. Familienmitglieder setzte er als Monarchen in den eroberten Gebieten ein. Nur Großbritannien widersetzte sich ihm beharrlich. Um die Insel in die Knie zu zwingen, verhängte er die Kontinentalsperre, eine Wirtschaftsblockade, die jedoch auch den von ihm abhängigen Staaten schadete.
Der Wendepunkt kam 1812. Um den russischen Zaren Alexander I. zur Einhaltung der Kontinentalsperre zu zwingen, marschierte Napoleon mit der Grande Armée, einem Heer von über 600.000 Soldaten, in Russland ein. Der Feldzug wurde zur Katastrophe. Die russische Taktik der verbrannten Erde und der frühe Wintereinbruch dezimierten seine Armee. Nur ein Bruchteil der Soldaten kehrte zurück. Dieser Verlust ermutigte seine Gegner. In den Befreiungskriegen formierte sich eine breite europäische Koalition. In der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 erlitt Napoleon die entscheidende Niederlage. 1814 marschierten die Alliierten in Paris ein. Napoleon musste abdanken und wurde auf die Insel Elba verbannt. Doch sein letzter Akt stand noch bevor. Im März 1815 kehrte er für die „Herrschaft der Hundert Tage“ nach Frankreich zurück, wurde aber am 18. Juni 1815 in der Schlacht bei Waterloo endgültig von britischen und preußischen Truppen unter Wellington und Blücher besiegt. Die Briten verbannten ihn auf die entlegene Atlantikinsel St. Helena, wo er am 5. Mai 1821 starb.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Napoleon Bonaparte geboren und wann starb er?
Napoleon Bonaparte wurde am 15. August 1769 in Ajaccio auf der Insel Korsika geboren. Er starb am 5. Mai 1821 im Longwood House auf der britischen Atlantikinsel St. Helena, wohin er nach seiner endgültigen Niederlage verbannt worden war.
Wofür ist Napoleon Bonaparte bekannt?
Napoleon ist als brillanter Feldherr, Kaiser der Franzosen und einer der einflussreichsten Staatsmänner der europäischen Geschichte bekannt. Seine militärischen Erfolge und seine tiefgreifenden Reformen, insbesondere die Einführung des modernen Zivilrechts durch den Code civil, prägen Frankreich und Europa bis heute.
Was waren Napoleons wichtigste Ämter und Reformen?
Seine wichtigsten politischen Ämter waren Erster Konsul (1799–1804) und Kaiser der Franzosen (1804–1815). Seine bedeutendste Reform war der Code civil von 1804, ein Gesetzbuch, das bürgerliche Freiheiten garantierte und die Rechtsprechung in weiten Teilen Europas modernisierte.
War Napoleon Bonaparte verheiratet und hatte er Kinder?
Ja, Napoleon war zweimal verheiratet. Seine erste Ehe mit Joséphine de Beauharnais blieb kinderlos. Aus seiner zweiten Ehe mit Marie-Louise von Österreich ging ein Sohn hervor, Napoleon Franz Bonaparte (1811–1832), der als Napoleon II. bekannt wurde, aber nie regierte.
Woran starb Napoleon Bonaparte?
Die offizielle Todesursache Napoleons war Magenkrebs, dieselbe Krankheit, an der auch sein Vater gestorben war. Über die Jahre gab es jedoch immer wieder Debatten und Theorien über eine mögliche Arsenvergiftung, die jedoch historisch nicht zweifelsfrei belegt werden konnte.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Ullrich, V. (2019). Napoleon. Eine Biographie. S. Fischer Verlag.
- Roberts, A. (2014). Napoleon the Great. Penguin Books.
- Zamoyski, A. (2018). Napoleon: A Life. Basic Books.
- Lentz, T. (2002-2010). Nouvelle histoire du Premier Empire (4 Bde.). Fayard.