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Musik · Vereinigtes Königreich · * 1943

Mick Jagger: Die Biografie des ewigen Rolling Stones

Die Verkörperung von Rock 'n' Roll, ein Meister der Selbstinszenierung und der Kopf hinter einem der prägendsten musikalischen Lebenswerke des 20. Jahrhunderts

Mick Jagger, undatierte Fotografie
Mick Jagger: Die Biografie des ewigen Rolling Stones · Wikimedia Commons · Gorup de Besanez · CC-BY-SA

Mick Jagger (geboren am 26. Juli 1943) ist ein britischer Sänger, Songwriter und Musiker, der als Frontmann der Rockband The Rolling Stones weltweite Bekanntheit erlangte. Seine energiegeladene Bühnenpräsenz und seine markante Stimme etablierten ihn als eine zentrale Figur der Rockgeschichte. Er ist auch als Schauspieler und Filmproduzent tätig.

Ein Bahnsteig in Dartford, im Herbst 1961. Ein junger Mann, Student an der London School of Economics, wartet auf den Zug. Unter dem Arm klemmt er Schallplatten, Schätze aus Amerika: Chuck Berry, Muddy Waters. Ein anderer Jugendlicher, Keith Richards, den er aus der Grundschule flüchtig kennt, spricht ihn an. Es ist der unscheinbare Beginn einer musikalischen Partnerschaft, die den Klang des 20. Jahrhunderts definieren sollte. Der junge Mann mit den Platten war Michael Philip Jagger, bald nur noch Mick genannt, dessen Lippen, Hüften und Stimme zum Symbol einer rebellischen Generation werden sollten, lange bevor er überhaupt daran dachte, ein Rockstar zu sein.

Er ist der ewige Provokateur und der disziplinierte Geschäftsmann, der Dandy und der Athlet. In der Figur des Mick Jagger verdichten sich die Widersprüche des Rock ’n‘ Roll zu einer singulären Erscheinung.

Inhalt (5)

Mit The Rolling Stones

Jahr Album Label Bedeutung
1968 Beggars Banquet Decca / London Rückkehr zu Blues-Wurzeln; enthält „Sympathy for the Devil“.
1969 Let It Bleed Decca / London Enthält „Gimme Shelter“ und „You Can’t Always Get What You Want“.
1971 Sticky Fingers Rolling Stones Records Berühmtes Warhol-Cover; Songs wie „Brown Sugar“ und „Wild Horses“.
1972 Exile on Main St. Rolling Stones Records In Südfrankreich aufgenommenes Doppelalbum, gilt als Meisterwerk.
1978 Some Girls Rolling Stones Records Antwort auf Punk und Disco; kommerziell enorm erfolgreich.
1981 Tattoo You Rolling Stones Records Eröffnet mit dem ikonischen Riff von „Start Me Up“.

Solo

Jahr Album Label Bedeutung
1985 She’s the Boss Columbia Kommerziell erfolgreiches Solodebüt mit namhaften Gastmusikern.
1987 Primitive Cool Columbia Zweites Soloalbum, das musikalisch neue Wege erkundete.
2001 Goddess in the Doorway Virgin Kollaborationen mit Künstlern wie Bono und Lenny Kravitz.

Ein Bahnsteig in Dartford

Michael Philip Jagger kam am 26. Juli 1943 in Dartford, Kent, zur Welt. Sein Vater war Sportlehrer, seine Mutter musikalisch. An der Dartford Grammar School traf er auf Keith Richards. Ab 1961 studierte Jagger an der London School of Economics, bevor die Musik den Vorrang bekam.

Die Herkunft bot wenig Anhaltspunkte für eine spätere Karriere als Anti-Held des Establishments. Mick Jagger wuchs in einer bürgerlichen Doppelhaushälfte auf. Der Vater, Basil „Joe“ Jagger, ein Fitnessexperte und Lehrer, vermittelte ihm sportlichen Ehrgeiz und Disziplin. Die Mutter, Eva Ensley Mary, eine aus Australien stammende Avon-Beraterin, förderte die Hausmusik. Der junge „Mike“, wie er damals genannt wurde, besuchte die Grundschule und später die Dartford Grammar School, eine Welt geordneter Bahnen. Dort kreuzte sich sein Weg erstmals mit dem von Keith Richards, ohne dass eine tiefere Verbindung entstand. Zunächst.

Die Musik war das verbindende Element. Eine Offenbarung war Bert Sterns Dokumentation „Jazz on a Summer’s Day“ von 1959, in der Chuck Berry „Sweet Little Sixteen“ sang. Diese Energie, diese Mischung aus Blues und aufkeimendem Rock ’n‘ Roll, elektrisierte Jagger. Mit Schulfreunden gründete er die Band „Little Boy Blue and the Blue Boys“. Die entscheidende Wende brachte jedoch jene zufällige Begegnung mit Richards auf dem Bahnhof im Herbst 1961. Die mitgeführten Schallplatten von Muddy Waters und Chuck Berry waren das Passwort in eine gemeinsame Welt. Sie begannen, zusammen zu musizieren und fuhren an Wochenenden nach London, um in den Clubs Musiker wie Alexis Korner zu hören. In dessen Band „Blues Incorporated“ trafen sie auf den Gitarristen Brian Jones. Zusammen mit Ian Stewart gründeten sie 1962 The Rolling Stones. Das Studium an der renommierten London School of Economics trat in den Hintergrund. Eine andere Form von Ökonomie sollte sein Leben bestimmen.

Die Geburt der Glimmer Twins

Ab 1963 etablierten sich Mick Jagger und Keith Richards als das Songwriting-Duo der Rolling Stones, bekannt als „The Glimmer Twins“. Hits wie „(I Can’t Get No) Satisfaction“ (1965) und „Paint It Black“ (1966) sicherten ihren Weltruhm. 1967 führte eine Razzia in Richards‘ Anwesen Redlands zu einem aufsehenerregenden Drogenprozess.

Mick Jagger
500px provided description: Mick Jagger [#show ,#rock ,#concert ,#music ,#live ,#performance ,#stage ,#gig ,#band ,#singer ,#the rolling stones ,#Mick Jagger], fotografiert von Roger Woolman. · Wikimedia Commons · CC-BY

Anfangs waren die Stones eine Cover-Band, die den schwarzen amerikanischen Blues für ein weißes britisches Publikum interpretierte. Ihr Manager Andrew Loog Oldham drängte Jagger und Richards jedoch dazu, eigene Stücke zu schreiben. Aus dieser Notwendigkeit erwuchs eine der fruchtbarsten Kompositions-Partnerschaften der Musikgeschichte. Während Richards für die unverkennbaren Gitarrenriffs sorgte, war Jagger der Architekt der Melodien und Texte. Seine Bühnenpräsenz, eine androgyne, provokante Mischung aus Aggression und Erotik, war stark von Sängern wie James Brown inspiriert. Er wurde zur visuellen und stimmlichen Signatur der Band.

Er ist der ewige Provokateur und der disziplinierte Geschäftsmann in einer Person.

Der Aufstieg war kometenhaft. Lieder wie „The Last Time“ und vor allem „(I Can’t Get No) Satisfaction“ wurden zu Hymnen einer Generation, die sich gegen die Konventionen der Eltern auflehnte. Die Rolling Stones positionierten sich bewusst als das gefährliche Gegenstück zu den Beatles. Dieser Ruf verfestigte sich im Februar 1967, als eine Polizeirazzia auf Keith Richards‘ Landsitz Redlands zu Verhaftungen führte. Jagger wurde wegen des Besitzes von vier legal in Italien erworbenen Amphetamin-Tabletten zu drei Monaten Haft verurteilt. Das Urteil wurde später aufgehoben, doch der Prozess zementierte das Image der Band als Staatsfeind. In dieser Zeit war Jagger mit der Sängerin Marianne Faithfull liiert, eine Beziehung, die das mediale Bild des hedonistischen Rock-Adels weiter befeuerte und in privatem Schmerz endete, als Faithfull 1968 eine Fehlgeburt erlitt.

Solopfade und Mick Jaggers Leinwandpräsenz

1968 übernahm Jagger die Hauptrolle im Kultfilm „Performance“. In den 1980er-Jahren startete er eine Solokarriere mit Alben wie „She’s the Boss“ (1985). Diese Projekte führten zu Spannungen mit Keith Richards, insbesondere Jaggers Solotourneen 1988. 2011 gründete er die Supergroup SuperHeavy.

Mick Jagger
Mick Jagger live in Hannover, fotografiert von Patrick Baumbach. · Wikimedia Commons · PD

Jaggers Ambitionen reichten über die Musik hinaus. Seine erste große Filmrolle als zurückgezogener Rockstar Turner in Nicolas Roegs „Performance“ (gedreht 1968, veröffentlicht 1970) offenbarte eine verstörende Leinwandpräsenz. Der Film, mit seiner expliziten Darstellung von Sex und Gewalt, verschmolz die Grenzen zwischen der gespielten Figur und Jaggers öffentlichem Image. Es folgten weitere Filmprojekte, darunter die Titelrolle in „Ned Kelly“ (1970) und eine Rolle in Werner Herzogs unvollendetem „Fitzcarraldo“-Projekt, die später aus dem Drehbuch gestrichen wurde. Er gründete seine eigene Produktionsfirma, Jagged Films, und produzierte unter anderem den Film „Enigma“.

In den 1980ern, einer Phase kreativer Stagnation bei den Rolling Stones, suchte Jagger nach neuen Impulsen. Sein Soloalbum „She’s the Boss“ (1985) war ein kommerzieller Erfolg. Der gemeinsame Auftritt mit Tina Turner beim Live-Aid-Konzert und das Duett „Dancing in the Street“ mit David Bowie zeigten einen Künstler, der sich vom Bandgefüge emanzipierte. Diese Soloaktivitäten führten zur größten Krise in der Beziehung zu Keith Richards. Als Jagger 1988 allein auf Tour ging, um seine Solowerke zu promoten, schien das Ende der Rolling Stones besiegelt. Erst nach Jahren der Entfremdung fanden die „Glimmer Twins“ wieder zueinander. Die Neugier auf musikalische Kollaborationen blieb: 2011 gründete er mit Dave Stewart, Joss Stone, Damian Marley und A. R. Rahman die kurzlebige Supergroup SuperHeavy.

Ritter, Vater, Ikone

Am 12. Dezember 2003 wurde Mick Jagger von Prinz Charles für seine Verdienste um die Musik zum Ritter geschlagen. Er ist Vater von acht Kindern von fünf verschiedenen Frauen. Trotz seines Alters bleibt er als Frontmann der Rolling Stones auf den Bühnen der Welt aktiv.

Die Erhebung in den Adelsstand war die ultimative Ironie. Der einstige Rebell, der die Autorität verspottete, wurde Teil des britischen Establishments. „Sir Mick“ war eine Figur, die für viele, allen voran sein Bandkollege Keith Richards, schwer mit dem Geist des Rock ’n‘ Roll zu vereinbaren war. Doch sie spiegelte Jaggers Entwicklung wider: vom Provokateur zum globalen Kulturgut, vom unberechenbaren Frontmann zum umsichtigen Vorstandsvorsitzenden eines multinationalen Unterhaltungskonzerns, der The Rolling Stones Inc. längst geworden war. Er verwaltet das Erbe mit einer Mischung aus künstlerischem Instinkt und kühlem Geschäftssinn.

Sein Privatleben blieb eine Konstante im öffentlichen Interesse. Die Ehe mit Bianca Pérez-Mora Macías in den 1970ern war ein gesellschaftliches Ereignis. Die lange Beziehung mit dem Model Jerry Hall, aus der vier Kinder hervorgingen, prägte die folgenden Jahrzehnte. Insgesamt hat Jagger acht Kinder von fünf Frauen, das jüngste wurde 2016 geboren, als er bereits 73 Jahre alt war. Die tragische Wendung seiner langjährigen Partnerschaft mit der Designerin L’Wren Scott, die sich 2014 das Leben nahm, zeigte eine verletzliche Seite des sonst so kontrollierten Stars. Jagger hat sich auch für den Umweltschutz engagiert und unterstützt Organisationen wie Sea Shepherd. Er bleibt eine Figur der Superlative, die auch im achten Lebensjahrzehnt die größten Stadien der Welt füllt. Die offizielle Webseite mickjagger.com dokumentiert seine fortwährenden Aktivitäten.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde Mick Jagger geboren?

Mick Jagger wurde am 26. Juli 1943 in Dartford, einer Stadt in der Grafschaft Kent in England, geboren. Seine Eltern, Basil und Eva Jagger, zogen ihn und seinen jüngeren Bruder Chris in einem bürgerlichen Umfeld auf.

Wofür ist Mick Jagger bekannt?

Mick Jagger ist weltweit als charismatischer Frontmann, Leadsänger und Mitbegründer der Rockband The Rolling Stones bekannt. Seine markante Stimme, seine energiegeladene Bühnenperformance und seine Rolle als Songwriter neben Keith Richards prägten die Rockmusik nachhaltig.

Wer sind die „Glimmer Twins“?

„The Glimmer Twins“ ist der Spitzname für das Songwriting-Duo Mick Jagger und Keith Richards. Sie gaben sich dieses Pseudonym in den 1970er-Jahren für ihre Tätigkeit als Produzenten ihrer eigenen Alben. Der Name symbolisiert ihre enge, oft turbulente kreative Partnerschaft.

Wie viele Kinder hat Mick Jagger?

Mick Jagger hat acht Kinder von fünf verschiedenen Frauen. Sein erstes Kind, Karis, wurde 1970 geboren. Sein jüngster Sohn, Deveraux, kam 2016 zur Welt. Zu den Müttern seiner Kinder zählen Marsha Hunt, Bianca Jagger, Jerry Hall, Luciana Gimenez Morad und Melanie Hamrick.

Was sind die berühmtesten Songs der Rolling Stones?

Zu den bekanntesten Liedern, die Jagger mitkomponierte und sang, gehören „(I Can’t Get No) Satisfaction“, „Paint It Black“, „Sympathy for the Devil“, „Gimme Shelter“, „Jumpin‘ Jack Flash“, „Brown Sugar“ und „Start Me Up“. Diese Titel prägten Generationen.

Warum wurde Mick Jagger zum Ritter geschlagen?

Im Dezember 2003 wurde Mick Jagger von der britischen Krone für seine „Verdienste um die populäre Musik“ zum Ritter geschlagen und darf seitdem den Titel „Sir“ tragen. Die Ehrung würdigte seinen jahrzehntelangen Einfluss auf die Musik und die Kultur weltweit.

Normdaten und externe Verzeichnisse

Quellen und weiterführende Literatur

  • Norman, P. (2012). Mick Jagger. Die Biographie. Droemer Knaur Verlag.
  • Spitz, M. (2012). Mick Jagger. Rebell und Rockstar. Edel Germany.
  • Davis, S. (2001). Old Gods Almost Dead: The 40-Year Odyssey of the Rolling Stones. Broadway Books.
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