Margaret Hamilton (9. Dezember 1902 – 16. Mai 1985) war eine amerikanische Schauspielerin, die durch ihre Darstellung der bösen Hexe des Westens in „Der Zauberer von Oz“ (1939) weltweite Bekanntheit erlangte. Vor ihrer Schauspielkarriere arbeitete die Charakterdarstellerin als Kindergärtnerin, eine Berufung, die ihre lebenslange Zuneigung zu Kindern prägte.
Kinder erkannten sie oft auf der Straße. Sie zeigten mit dem Finger, versteckten sich hinter den Mänteln ihrer Mütter oder starrten sie einfach nur mit großen Augen an. Manchmal fragten sie schüchtern, warum sie so gemein zu Dorothy gewesen sei. Margaret Hamilton antwortete dann stets mit sanfter Stimme, erklärte, dass alles nur ein Spiel war, ein Film, eine Rolle. Sie war eine Schauspielerin. In Wirklichkeit mochte sie Kinder sehr. Diese Diskrepanz zwischen ihrer bekanntesten Rolle und ihrer Persönlichkeit definierte ihr öffentliches Bild über Jahrzehnte und machte sie zu einer der ungewöhnlichen Figuren in der Geschichte Hollywoods, eine Frau, deren Gesicht zum Synonym für das Böse auf der Leinwand wurde, während ihr Herz einer Pädagogin gehörte.
Sie war die Antagonistin einer ganzen Nation von Kinogängern, eine Figur, deren grünes Gesicht und spitzes Lachen sich in das kollektive Gedächtnis einbrannten. Doch das Leben der Margaret Hamilton war das einer hart arbeitenden Charakterdarstellerin, die den Ruhm nie suchte und dem Studio-System Hollywoods stets misstraute.
Inhalt (5)
| Jahr | Film / Stück | Rolle / Funktion | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1933 | Another Language | Helen Hallam | Ihr Filmdebüt nach dem Erfolg des gleichnamigen Broadway-Stücks. |
| 1937 | Denen ist nichts heilig | Drugstore Lady | Eine kleine, aber prägnante Rolle an der Seite von Carole Lombard. |
| 1939 | Der Zauberer von Oz | Miss Gulch / Böse Hexe des Westens | Die Rolle, die ihre Karriere definierte und ihr öffentlichen Wiedererkennungswert sicherte. |
| 1940 | Mein kleiner Gockel | Mrs. Gideon | Ein Auftritt an der Seite des Komikers W. C. Fields. |
| 1951 | The Red Skelton Show | Verschiedene | Regelmäßige Auftritte in der populären Fernseh-Varieté-Show. |
| 1965–1966 | Die Addams Family | Granny Frump | Eine wiederkehrende Gastrolle als Mutter von Morticia Addams. |
| 1976 | Sesamstraße | Böse Hexe des Westens | Ein Gastauftritt, der wegen Beschwerden verängstigter Eltern nie wiederholt wurde. |
| 1982 | Lou Grant | Thea Taft | Ihre letzte Rolle in einer Episode der preisgekrönten Serie. |
Vom Kindergarten auf die Bühne
Geboren am 9. Dezember 1902 in Cleveland, Ohio, als jüngstes von vier Kindern, schlug Margaret Hamilton zunächst einen bürgerlichen Weg ein. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin und arbeitete in einem Kindergarten, wo sie unter anderem die späteren Schauspieler William Windom und Jim Backus betreute.
Die Bühne war früh eine Leidenschaft. Sie spielte Theater. Doch die Schauspielerei blieb zunächst ein Nebenberuf, eine Tätigkeit für die Abendstunden, während ihre Tage den Kindern gehörten. Diese Verbindung zur Pädagogik durchzog ihr gesamtes Leben; selbst in den 1950er-Jahren, als sie bereits eine bekannte Filmschauspielerin war, unterrichtete sie noch in einer Sonntagsschule. Der entscheidende Wendepunkt kam 1932, als sie eine Rolle am Broadway in dem Stück „Another Language“ erhielt. Der Erfolg war beträchtlich. Hollywood wurde aufmerksam. Ein Jahr später, 1933, wiederholte sie ihre Rolle in der Verfilmung an der Seite von Robert Montgomery und gab damit ihr Filmdebüt, ein Ereignis, das den endgültigen Übergang von der Erzieherin zur professionellen Schauspielerin markierte. Mit ihrem herben Aussehen fand sie schnell ihre Nische als Charakterdarstellerin für die Rolle der biederen Jungfer, der strengen Tante oder der neugierigen Nachbarin, und im Gegensatz zu vielen ihrer Zeitgenossen lehnte sie die damals üblichen Studioverträge ab, um als freie Schauspielerin ihre Unabhängigkeit zu bewahren.
Die Hexe, die keine sein wollte
Ihre berühmteste Rolle erhielt sie 1939, als sie für „Der Zauberer von Oz“ besetzt wurde. Ursprünglich war die glamourösere Gale Sondergaard für die böse Hexe vorgesehen, doch als das Studio sich für ein furchterregendes Aussehen entschied, bekam Hamilton die Rolle, die sie weltberühmt machen sollte.

Sie spielte eigentlich drei Figuren. Zuerst Miss Gulch, die verbitterte Nachbarin in Kansas, die Dorothys Hund Toto hasst. Die Rolle der Dorothy verkörperte Judy Garland. Dann, nur für einen kurzen Moment sichtbar, die böse Hexe des Ostens. Und schließlich die Hauptantagonistin: die böse Hexe des Westens. Die Dreharbeiten waren gefährlich. Bei einer Szene, in der die Hexe in einer Rauchwolke verschwinden sollte, funktionierte der Spezialeffekt nicht korrekt. Die Falltür öffnete sich zu spät, und die Flammen des pyrotechnischen Effekts erfassten Hamilton. Sie erlitt Verbrennungen zweiten Grades im Gesicht und an den Händen und musste sechs Wochen lang die Dreharbeiten unterbrechen, um zu genesen. Ihre Rückkehr ans Set war von der Bedingung begleitet, nie wieder mit Feuer zu arbeiten. Das Ergebnis ihrer Darstellung ist Filmgeschichte. Ihre Interpretation der Hexe – das krächzende Lachen, die bedrohliche Stimme, die gekrümmte Haltung – wurde zum Archetyp des Bösen im Kinderfilm. Das American Film Institute wählte ihre Figur auf Platz 4 der größten Filmschurken aller Zeiten. Dieser Erfolg hatte eine Kehrseite, die die ehemalige Kindergärtnerin stets beschäftigte: Sie wurde zum Albtraum unzähliger Kinder, die in ihr nur die Hexe sahen, nicht die Schauspielerin hinter der Maske.
„Ich krieg dich schon noch, meine Liebe. Und deinen kleinen Hund auch!“
Im Schatten des grünen Gesichts
Der Erfolg von „Der Zauberer von Oz“ führte für Margaret Hamilton nicht zu einem Karrieresprung in Hauptrollen. Stattdessen zementierte er ihr Typecasting. Sie blieb die Darstellerin für resolute, oft humorlose Nebenrollen, die als Widerpart zu Komikern wie W. C. Fields oder Harold Lloyd eingesetzt wurde.

Ihre Filmografie ist lang und voller Auftritte als strenge Lehrerin, schroffe Haushälterin oder neugierige Nachbarin. Sie war eine verlässliche Größe im Hollywood-System, eine Schauspielerin, die jede kleine Rolle mit Präzision und Professionalität ausfüllte. Neben ihrer Arbeit im Kino war sie auch im Radio eine gefragte Stimme und trat ab den 1950er-Jahren regelmäßig in Fernsehserien auf. Einem neuen Publikum wurde sie durch ihre wiederkehrende Rolle als Granny Frump in der Sitcom „Die Addams Family“ bekannt. Ihre Oz-Popularität wurde auch kommerziell genutzt; sie trat in Werbespots auf, oft mit Anspielungen auf ihre Hexenrolle. Ein bemerkenswerter Vorfall ereignete sich 1976, als sie ihre Paraderolle in einer Episode der Kindersendung „Sesamstraße“ wiederholte. Der Auftritt war so überzeugend, dass nach zahlreichen Beschwerden von Eltern entschieden wurde, die Folge nie wieder auszustrahlen.
Eine private Persönlichkeit
Abseits der Kamera führte Hamilton ein zurückgezogenes Leben. 1931 heiratete sie den Landschaftsarchitekten Paul Meserve, die Ehe wurde 1938 geschieden. Aus der Verbindung ging ihr einziges Kind hervor, der Sohn Hamilton Wadsworth Meserve, den sie allein großzog und den sie zeitlebens vor der Öffentlichkeit schützte.
Sie heiratete nie wieder. Statt in Hollywood lebte sie viele Jahre in New York, in der Nähe des Gramercy Parks, und später in Millbrook. Sie blieb dem Theater treu und war ein langjähriges Mitglied des Cleveland Play House. Ihre Karriere umfasste mehr als 125 Film- und Fernsehproduktionen, eine hohe Zahl für eine Schauspielerin, die nie den Status eines Stars anstrebte. Ihre letzte Rolle spielte sie 1982 in einer Episode der Serie „Lou Grant“. Sie war eine Frau, die ihre Arbeit ernst nahm, aber ihr Privatleben schätzte. Margaret Hamilton starb am 16. Mai 1985 im Alter von 82 Jahren in Salisbury, Connecticut, an den Folgen eines Herzinfarkts. Sie hinterließ eine einzige, aber unvergängliche Rolle, die weit über ihr eigenes Leben hinaus Bestand hat. Mehr Informationen zu ihrer Filmografie findet sich in der Internet Movie Database.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Margaret Hamilton geboren und wann starb sie?
Margaret Hamilton wurde am 9. Dezember 1902 in Cleveland, Ohio, geboren. Sie starb am 16. Mai 1985 im Alter von 82 Jahren in Salisbury, Connecticut, an den Folgen eines Herzinfarkts. Ihr Leben umspannte eine wichtige Ära der amerikanischen Filmgeschichte.
Wofür ist Margaret Hamilton bekannt?
Margaret Hamilton ist weltweit für ihre Darstellung der bösen Hexe des Westens im Filmklassiker „Der Zauberer von Oz“ von 1939 bekannt. Ihre Interpretation der Figur, inklusive ihres markanten Lachens, wurde zu einem Archetyp des Bösen im Film.
War Margaret Hamilton verheiratet und hatte sie Kinder?
Ja, Margaret Hamilton war von 1931 bis 1938 mit Paul Meserve verheiratet. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor, Hamilton Wadsworth Meserve, geboren 1936. Nach der Scheidung heiratete sie nicht erneut und zog ihren Sohn alleine groß.
Verletzte sie sich bei den Dreharbeiten zu „Der Zauberer von Oz“?
Ja, das ist wahr. Während des Drehs einer Szene, in der die Hexe in einer Rauchwolke verschwindet, erlitt sie durch einen missglückten Spezialeffekt Verbrennungen zweiten Grades im Gesicht und an den Händen. Sie musste die Dreharbeiten für sechs Wochen unterbrechen.
Was war ihr berühmtestes Zitat als Hexe?
Ihr bekanntestes Zitat aus „Der Zauberer von Oz“ ist: „I’ll get you, my pretty, and your little dog, too!“ (Deutsch: „Ich krieg dich schon noch, meine Liebe. Und deinen kleinen Hund auch!“). Dieser Satz wurde zu einem ikonischen Teil der Filmgeschichte.
Welchen Beruf hatte Margaret Hamilton vor ihrer Schauspielkarriere?
Bevor sie hauptberufliche Schauspielerin wurde, arbeitete Margaret Hamilton als Kindergärtnerin. Diese pädagogische Tätigkeit und ihre Liebe zu Kindern prägten ihr gesamtes Leben, auch als sie bereits eine etablierte Darstellerin in Hollywood war.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Riley, J. L. (2021). Margaret Hamilton: A Hollywood Biography. BearManor Media.
- Harmetz, Aljean (1977). The Making of The Wizard of Oz. Alfred A. Knopf.
- Krebs, Albin (17. Mai 1985). "Margaret Hamilton, 82, Dies; Played Wicked Witch In 'Oz'". The New York Times.