Luciano Pavarotti (12. Oktober 1935 – 6. September 2007) war ein italienischer Opernsänger. Sein heller lyrischer Tenor und seine charismatische Bühnenpräsenz machten ihn zu einem der berühmtesten Klassikkünstler des 20. Jahrhunderts, der als Mitglied der Drei Tenöre auch ein globales Pop-Publikum erreichte.
Der Duft von frischem Brot mischte sich in Modena mit den Klängen von Verdi. Fernando Pavarotti war Bäcker, doch seine wahre Leidenschaft galt den großen Arien, die er im Chor der Stadt sang. Sein Sohn Luciano wuchs in diesen beiden Welten auf, in der Enge einer Zwei-Zimmer-Wohnung und der Weite der italienischen Oper. Früh prägte sich ihm diese doppelte Melodie ein: die des Handwerks und die der Kunst. Er hörte die Tenöre aus den Aufnahmen seines Vaters, Enrico Caruso, Beniamino Gigli, und ahnte nicht, dass seine eigene Stimme eines Tages in einem Atemzug mit ihnen genannt werden würde. Zunächst wurde er Lehrer. Ein solider Beruf. Doch die Musik ließ ihn nicht los.
Seine Karriere war ein Triumphzug von den kleinen Bühnen der Emilia-Romagna bis in den New Yorker Central Park. Er war die Stimme, die Oper für alle zugänglich machte.
Inhalt (5)
| Jahr | Oper / Aufnahme | Rolle | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1961 | La Bohème | Rodolfo | Sein professionelles Debüt, das seine lebenslange Paraderolle begründete. |
| 1967 | La Fille du Régiment | Tonio | Festigte seinen Ruf als „König der hohen Cs“ durch die Arie „Ah! mes amis“. |
| 1972 | Turandot (Studioaufnahme) | Calàf | Die Aufnahme mit Joan Sutherland und Zubin Mehta machte „Nessun dorma“ zu seiner globalen Erkennungsmelodie. |
| 1976 | I puritani (Live at the Met) | Arturo | Markierte seinen Wechsel vom rein lyrischen Fach zum dramatischeren Tenore lirico spinto. |
| 1990 | Carreras Domingo Pavarotti in Concert | Solist | Das erste Konzert der „Drei Tenöre“, das zu einem der meistverkauften Klassikalben aller Zeiten wurde. |
| 1995 | Pavarotti & Friends 2 | Duettpartner | Höhepunkt seiner Crossover-Konzerte, hier mit Bono von U2 für „Miss Sarajevo“. |
Vom Lehrerpult auf die Opernbühne
Pavarotti studierte zunächst Pädagogik und arbeitete als Volksschullehrer in Modena. 1956 entschied er sich für eine Gesangskarriere und studierte bei Arrigo Pola und Ettore Campogalliani. Sein professionelles Debüt gab er am 29. April 1961 als Rodolfo in Puccinis *La Bohème* in Reggio nell’Emilia.
Die Entscheidung, das sichere Dasein eines Lehrers aufzugeben, war ein Wagnis. Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen, und eine Künstlerkarriere versprach keine unmittelbare Sicherheit. Um sein sechsjähriges Gesangsstudium zu finanzieren, arbeitete der junge Pavarotti als Versicherungsvertreter. Seine ersten musikalischen Erfahrungen sammelte er im selben Chor wie sein Vater, dem Corale Rossini in Modena. Dort sang er an der Seite einer Jugendfreundin, deren Weg den seinen immer wieder kreuzen sollte: die spätere Sopranistin Mirella Freni. Ihre Mütter hatten in derselben Tabakfabrik gearbeitet, eine Amme hatte beide Kinder versorgt.
Das Studium war hart. Arrigo Pola formte die Grundlagen seiner Technik, bevor Ettore Campogalliani in Mantua die Feinheiten des Stils und der Interpretation veredelte. Der Wendepunkt kam mit dem Gewinn eines Gesangswettbewerbs, der ihm die Rolle des Rodolfo in *La Bohème* sicherte. Es war mehr als nur eine Premiere. Es war die Bestätigung. Die Aufführung wurde von der RAI übertragen und öffnete ihm die Türen zu den Opernhäusern Italiens und bald auch Europas. Seine Stimme, von Natur aus hell, strahlend und mühelos in der Höhe, war für das italienische Repertoire wie geschaffen.
Die Eroberung der großen Häuser
In den 1960er Jahren folgten Engagements an der Wiener Staatsoper (1963), an der Mailänder Scala (1966) und an der Metropolitan Opera in New York (1968). Die Zusammenarbeit mit der Sopranistin Joan Sutherland und ihrem Ehemann, dem Dirigenten Richard Bonynge, war für seine internationale Karriere entscheidend.

Der Aufstieg verlief schnell. Amsterdam, Zürich, Glyndebourne. Doch der Sprung in die oberste Liga gelang ihm an der Seite von Joan Sutherland. Die australische Sopranistin suchte einen Tenor, der im Belcanto-Repertoire von Bellini und Donizetti neben ihr bestehen konnte. Pavarotti besaß die natürliche Anlage, doch Sutherland und Bonynge schulten seine Koloraturfähigkeit und Atemtechnik zur Perfektion. Eine gemeinsame Tournee durch die USA und Australien 1965 machte seinen Namen international bekannt. Sein Debüt an der Mailänder Scala ein Jahr später war die Weihe in seiner Heimat.
Am 17. Februar 1972 schrieb er an der New Yorker Metropolitan Opera Geschichte. In Donizettis *La Fille du Régiment* sang er die Arie „Ah! mes amis“ mit einer spielerischen Sicherheit und traf mühelos alle neun hohen Cs. Das Publikum tobte. Der Applaus wollte nicht enden. An diesem Abend wurde sein Ruf als „König der hohen Cs“ geboren, ein Etikett, das ihm zeitlebens anhaften sollte. Sein Manager Herbert Breslin, den er 1967 engagierte, baute dieses Image geschickt aus und organisierte Auftritte, die ihn zu einem der gefragtesten Tenöre machten. Dirigenten wie Herbert von Karajan priesen seine Stimme als ein Ereignis, das nur einmal in einem Jahrhundert vorkommt.
Die Oper ist eine der schönsten Erfindungen der Menschheit. Sie sollte allen gehören.
Ein Tenor für die ganze Welt: Luciano Pavarotti
Das Konzert der Drei Tenöre mit Plácido Domingo und José Carreras während der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Rom machte Luciano Pavarotti zum globalen Superstar. Die Aufnahme wurde zum meistverkauften Klassikalbum aller Zeiten.

Der 7. Juli 1990 veränderte alles. In den antiken Caracalla-Thermen in Rom trafen sich drei der größten Tenöre ihrer Zeit für ein Konzert am Vorabend des WM-Finales. Die Idee war, die Rückkehr von José Carreras nach seiner Leukämie-Erkrankung zu feiern. Das Ergebnis war ein kulturelles Phänomen. Rund eine Milliarde Menschen verfolgten die Übertragung. Die Arie „Nessun dorma“ aus Puccinis *Turandot*, schon lange Pavarottis Bravourstück, wurde zur Hymne des Turniers und katapultierte ihn endgültig aus der Welt der Oper in den Orbit der Popkultur. Die Kritik aus puristischen Kreisen an der Kommerzialisierung und den hohen Gagen war laut, doch der Erfolg gab dem Trio recht. Sie füllten Fußballstadien von London bis Los Angeles.
Pavarotti nutzte diese Popularität. Er gab riesige Open-Air-Konzerte, wie 1993 vor 500.000 Menschen im New Yorker Central Park. In seiner Heimatstadt Modena rief er die Konzertreihe „Pavarotti & Friends“ ins Leben. Dort sang er Duette mit Pop- und Rockstars wie Bono, Elton John oder Sting, um Geld für humanitäre Zwecke zu sammeln. Er löste die starren Genregrenzen auf und bewies, dass eine große Stimme universell ist. In dieser Zeit lernte er auch seine spätere zweite Ehefrau kennen, Nicoletta Mantovani, die zunächst als seine persönliche Sekretärin arbeitete.
Die letzten Jahre in Modena
2004 beendete Pavarotti seine Bühnenkarriere an der Metropolitan Opera. Sein letzter öffentlicher Auftritt war bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin mit „Nessun dorma“. Er starb am 6. September 2007 in seiner Heimatstadt Modena an den Folgen von Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Der Abschied von der Opernbühne war sorgfältig geplant. Nach gefeierten Vorstellungen als Cavaradossi in *Tosca* an der Met zog er sich aus dem fordernden Alltag der Inszenierungen zurück. Eine weltweite Abschiedstournee als Konzertsänger sollte folgen. Doch die Gesundheit machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Im Juli 2006 wurde bei ihm Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Die Tournee wurde abgebrochen.
Sein letzter großer Moment war zugleich sein umstrittenster. Bei der Eröffnung der Winterspiele 2006 in Turin sang er noch einmal „Nessun dorma“. Die Welt lauschte ergriffen. Erst Jahre später enthüllte sein langjähriger Begleiter, der Dirigent Leone Magiera, dass der Auftritt nicht live war. Pavarotti war bereits zu geschwächt, um den hohen Anforderungen gerecht zu werden, und hatte auf ein Playback zurückgegriffen. Es war der letzte öffentliche Auftritt von Luciano Pavarotti. Er zog sich in sein Haus in Modena zurück, wo er am 6. September 2007 starb. Die Trauerfeier im Dom von Modena wurde zu einem Staatsereignis, bei dem die Kunstflugstaffel „Frecce Tricolori“ die italienische Flagge an den Himmel malte. Ein letzter Gruß für den Bäckersohn, der der Welt die Oper schenkte. Sein Erbe, verwaltet von Decca Records und seiner Familie, lebt in unzähligen Aufnahmen weiter.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Luciano Pavarotti geboren und wann starb er?
Luciano Pavarotti wurde am 12. Oktober 1935 in Modena, Italien, geboren. Er starb am 6. September 2007 im Alter von 71 Jahren ebenfalls in seiner Heimatstadt Modena an den Folgen einer Krebserkrankung.
Wofür ist Luciano Pavarotti bekannt?
Luciano Pavarotti ist als einer der berühmtesten Opernsänger (Tenor) des 20. Jahrhunderts bekannt. Weltruhm erlangte er durch seine strahlende Stimme, seine Paraderolle in „La Bohème“ und als Teil der „Drei Tenöre“ mit Plácido Domingo und José Carreras.
Was war die Bedeutung der Drei Tenöre?
Das erste Konzert der Drei Tenöre 1990 machte klassische Musik und Opernarien einem weltweiten Massenpublikum zugänglich. Es sprengte die Grenzen des traditionellen Klassikbetriebs und führte zu einem der meistverkauften Klassikalben der Geschichte, was die Karrieren aller drei Sänger neu definierte.
Hatte Luciano Pavarotti Familie?
Ja, Luciano Pavarotti war zweimal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe mit Adua Veroni gingen drei Töchter hervor: Lorenza, Cristina und Giuliana. Mit seiner zweiten Frau, Nicoletta Mantovani, hatte er eine weitere Tochter, Alice. Ein Zwillingssohn starb kurz nach der Geburt.
An welcher Krankheit starb Luciano Pavarotti?
Luciano Pavarotti starb an den Folgen von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Krankheit wurde im Juli 2006 diagnostiziert, woraufhin er sich einer Operation unterzog und seine geplante Abschiedstournee abbrechen musste. Er verstarb gut ein Jahr nach der Diagnose in seinem Haus in Modena.
Welche Arie ist untrennbar mit Pavarotti verbunden?
Die Arie „Nessun dorma“ aus Giacomo Puccinis Oper „Turandot“ ist untrennbar mit Luciano Pavarotti verbunden. Seine Interpretation, insbesondere beim Konzert der Drei Tenöre 1990, machte die Arie zu einer globalen Hymne und zu seiner persönlichen Erkennungsmelodie.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Kesting, J. (1991). Luciano Pavarotti. Ein Essay über den Mythos der Tenorstimme. Econ.
- Breslin, H., & Midgette, A. (2004). The King & I: The Uncensored Tale of Luciano Pavarotti’s Rise to Fame. Doubleday Books.
- Magiera, L. (1992). Pavarotti. Mythos, Methode und Magie. Schweizer Verlagshaus Schott.