Günther Jauch (geb. 1956) ist ein deutscher Fernseh- und Hörfunkmoderator, Journalist und Produzent. Bekannt wurde er durch die langjährige Moderation der Quizshow „Wer wird Millionär?“ seit 1999 und des Magazins „stern TV“ von 1990 bis 2011. Er gilt als eine der prägendsten Persönlichkeiten des deutschen Fernsehens.
Es ist der 1. April 1998, Estadio Santiago Bernabéu in Madrid. Ein Torpfosten knickt um, das Champions-League-Halbfinale zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund verzögert sich. Während auf dem Spielfeld Ratlosigkeit herrscht, schlägt in der Kommentatorenkabine die Stunde zweier Moderatoren. Gemeinsam mit dem Kommentator Marcel Reif überbrückt Günther Jauch 76 Minuten Sendezeit mit einer legendär gewordenen Mischung aus Analyse, Ironie und stoischer Gelassenheit. Es war ein Moment, der seine öffentliche Wahrnehmung verdichtete: die Fähigkeit, aus unvorhergesehenem Chaos souveräne, intelligente Unterhaltung zu schaffen.
Günther Jauch ist mehr als ein Moderator; er ist eine Institution im deutschen Bewusstsein. Sein Name steht für eine seltene Verbindung aus Seriosität, Witz und einer fast hanseatisch anmutenden Distanz, die ihm über Jahrzehnte das Vertrauen eines Millionenpublikums sicherte.
Inhalt (5)
| Jahre | Sendung | Funktion | Sender |
|---|---|---|---|
| 1988–1996 | das aktuelle sportstudio | Moderator | ZDF |
| 1990–2011 | stern TV | Moderator | RTL |
| seit 1999 | Wer wird Millionär? | Moderator | RTL |
| 2000–2006 | Skispringen | Moderator (mit Dieter Thoma) | RTL |
| 2011–2015 | Günther Jauch | Moderator | Das Erste (ARD) |
| seit 2018 | Denn sie wissen nicht, was passiert | Team-Mitglied | RTL |
Vom Ministranten zum Radiorebellen
Geboren in Münster und aufgewachsen in Berlin-Lichterfelde, absolvierte Jauch nach dem Abitur und einem abgebrochenen Jurastudium die Deutsche Journalistenschule in München. Seine Karriere begann er als Sport- und Zeitfunkmoderator beim Bayerischen Rundfunk, wo er von 1985 bis 1989 an der Seite von Thomas Gottschalk die B3-Radioshow moderierte.
Günther Jauch wuchs in einem bürgerlich-katholischen Umfeld auf, das von Disziplin und Bildung geprägt war. Als Nachfahre des Hanseatengeschlechts Jauch und Sohn des Journalisten Ernst-Alfred Jauch schien ein akademischer Weg vorgezeichnet. Sieben Jahre diente er als Ministrant in seiner Heimatpfarrei in Berlin-Lichterfelde, besuchte das altsprachliche Gymnasium Steglitz. Das anschließende Jurastudium in Berlin brach er jedoch ab. Stattdessen entschied er sich für eine Bewerbung an der renommierten Deutschen Journalistenschule (DJS) in München, die er von 1975 bis 1977 als Teilnehmer der 15. Lehrredaktion absolvierte. Dieser Schritt markierte die bewusste Abkehr von einer traditionellen Laufbahn und den Beginn einer Karriere in den Medien.
Seine erste professionelle Heimat fand er beim Bayerischen Rundfunk. Zunächst als Sportmoderator tätig, wechselte er bald zum Zeitfunk und gab ein parallel begonnenes Studium der Politik und Neueren Geschichte auf. Die Arbeit im Hörfunk beanspruchte ihn vollends. Berühmt wurde in dieser Zeit die „B3-Radioshow“, die er von 1985 bis 1989 gemeinsam mit Thomas Gottschalk moderierte. Die beiden bildeten ein ungleiches Paar: hier der extrovertierte, laute Gottschalk, dort der überlegte, ironische Jauch. Ihre täglichen Übergaben um 16 Uhr, bei denen sie sich gegenseitig mit Sticheleien über die Qualität ihrer jeweiligen Studiogäste überzogen, wurden Kult und legten den Grundstein für eine der bekanntesten Freundschaften der deutschen Unterhaltungsbranche.
Der Sprung ins Privatfernsehen
Mit seiner Vertragsunterzeichnung bei RTL im Jahr 1990 wurde Jauch zu einem Gesicht des aufstrebenden Privatfernsehens. Er moderierte das Magazin „stern TV“ 891 Mal bis 2011. Zuvor hatte er bereits im öffentlich-rechtlichen Fernsehen beim ZDF Formate wie „das aktuelle sportstudio“ (1988–1996) präsentiert. Der „Torfall von Madrid“ 1998 festigte seinen Ruf als Meister der Improvisation.

Der Wechsel zu RTL 1990 war ein entscheidender Karriereschritt. Das Privatfernsehen war noch jung, sein Ruf umstritten. Jauch übernahm die Moderation von „stern TV“, einem wöchentlichen Magazin, das er über zwei Jahrzehnte prägen sollte. Die Sendung balancierte zwischen investigativen Reportagen, Service-Themen und menschlichen Schicksalen. In diese Zeit fiel auch der Skandal um den Journalisten Michael Born, dessen gefälschte Beiträge bei „stern TV“ ausgestrahlt wurden. Als damaliger Chefredakteur verteidigte sich Jauch gegen den Vorwurf mangelnder Sorgfalt, ein Vorfall, der die Komplexität der redaktionellen Verantwortung im Fernsehgeschäft aufzeigte. Trotz solcher Kontroversen etablierte er die Sendung als feste Größe im deutschen Fernsehprogramm.
Parallel zu seinem Engagement bei RTL blieb Jauch dem Sportjournalismus verbunden. Seine Zeit bei „das aktuelle sportstudio“ im ZDF hatte ihn bereits einem breiten Publikum bekannt gemacht. Seine Moderation war weniger die eines Experten als die eines intelligenten Fragestellers, der Athleten und Funktionären auf Augenhöhe begegnete. Die denkwürdige Überbrückung der 76-minütigen Spielverzögerung in Madrid am 1. April 1998, als ein Tor umstürzte, wurde zum Paradebeispiel für gelungenes Live-Fernsehen. Jauchs trockener Kommentar „Für alle Zuschauer, die erst jetzt eingeschaltet haben, das erste Tor ist schon gefallen“ ging in die Annalen des deutschen Sportfernsehens ein und brachte ihm gemeinsam mit Marcel Reif den Bayerischen Fernsehpreis ein.
Nach eigener Aussage duzt Jauch im Fernsehen nur Thomas Gottschalk, Frank Elstner, Barbara Schöneberger und kleine Kinder.
Die Millionenfrage und der öffentliche Thron
Seit dem 3. September 1999 moderiert Günther Jauch die Quizshow „Wer wird Millionär?“, die ihn zur Ikone der Fernsehunterhaltung machte und regelmäßig hohe Einschaltquoten erzielt. Im Jahr 2000 gründete er die Produktionsfirma i&u TV. Von 2011 bis 2015 unternahm er mit seiner Talkshow „Günther Jauch“ im Ersten einen vielbeachteten Ausflug in den politischen Journalismus der ARD.

Mit „Wer wird Millionär?“ begann eine neue Ära. Das Format war mehr als eine Quizsendung; es wurde zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Jauchs Moderationsstil war dabei der entscheidende Erfolgsfaktor. Er agierte als Komplize, als Psychologe und als unerbittlicher Fragensteller zugleich. Sein Spiel mit den Kandidaten, das Ausloten ihrer Unsicherheiten und das fast väterliche Mitfiebern machten jede Episode zu einem kleinen Drama. Die Sendung katapultierte ihn an die Spitze der Publikumsgunst; in Umfragen zum beliebtesten Deutschen belegte er regelmäßig vordere Plätze. Sein konsequentes Siezen fast aller Gesprächspartner wurde zu einem Markenzeichen, das eine respektvolle Distanz wahrte und gleichzeitig seine Autorität im Studio unterstrich.
Hinter den Kulissen baute Jauch ein eigenes Medienunternehmen auf. Die 2000 gegründete Produktionsfirma i&u TV (Information & Unterhaltung) produzierte nicht nur seine eigenen Sendungen, sondern auch Formate für andere Moderatoren wie Oliver Geissen oder Hape Kerkeling. Jauch bewies damit, dass er nicht nur ein Gesicht vor der Kamera, sondern auch ein kluger Unternehmer war. 2019 verkaufte er seine Anteile, blieb der Firma aber als Moderator und Berater verbunden. Sein Wechsel zur ARD im Jahr 2011, um dort den prestigeträchtigen Sonntagabend-Talk von Anne Will zu übernehmen, wurde intensiv diskutiert. Vier Jahre lang führte er durch politische Debatten, doch trotz guter Quoten blieb der Eindruck, dass ihm die Rolle des neutralen, distanzierten Unterhalters mehr lag als die des politischen Inquisitors. Ende 2015 beendete er das Engagement auf eigenen Wunsch.
Jenseits des Studios: Winzer, Gastronom und Mäzen
Abseits der Kameras engagiert sich Jauch als Unternehmer und Philanthrop. Im Jahr 2010 erwarb er das traditionsreiche Weingut von Othegraven an der Saar und führt damit eine Familientradition fort. In seiner Wahlheimat Potsdam tritt er als großzügiger Mäzen für die Restaurierung historischer Bauten auf und eröffnete 2019 mit Tim Raue das Restaurant in der Villa Kellermann.
Günther Jauch schützt sein Privatleben konsequent vor der Öffentlichkeit, was wiederholt zu juristischen Auseinandersetzungen mit Boulevardmedien führte. Mit seiner Frau Thea Sihler, mit der er seit 2006 verheiratet ist, und vier Kindern lebt er zurückgezogen in Potsdam. Dort hat er eine zweite, öffentliche Rolle als engagierter Bürger und Mäzen angenommen. Er finanzierte maßgeblich den Wiederaufbau des Fortunaportals am Potsdamer Stadtschloss, unterstützte die Sanierung des Belvedere auf dem Pfingstberg und zahlreicher anderer historischer Gebäude. Sein Engagement ist nicht das eines Investors, sondern das eines Bürgers, der seiner Wahlheimat etwas zurückgeben möchte.
Eine weitere Leidenschaft wurzelt in seiner Familiengeschichte. 2010 erwarb er das Weingut von Othegraven an der Saar, das sich seit 1805 im Besitz seiner Vorfahren befunden hatte und aus der Familie verkauft zu werden drohte. Mit dem Erwerb knüpfte er an eine über 200-jährige Tradition an und etablierte sich als ernstzunehmender Winzer, dessen Weine hohe Anerkennung finden. Ein weiteres Projekt war die Restaurierung der historischen Villa Kellermann am Heiligen See in Potsdam, in der er 2019 ein Restaurant unter der kulinarischen Leitung von Sternekoch Tim Raue eröffnete. Auch wenn das Restaurant 2024 aus wirtschaftlichen Gründen schließen musste, zeigte das Projekt Jauchs Willen, historische Orte mit neuem Leben zu füllen und kulturelle Werte zu bewahren.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Günther Jauch geboren?
Günther Jauch wurde am 13. Juli 1956 in Münster, Westfalen, geboren. Er wuchs jedoch ab seinem dritten Lebensjahr in Berlin auf, wo sein Vater als Journalist tätig war. Er lebt heute mit seiner Familie in Potsdam.
Wofür ist Günther Jauch bekannt?
Günther Jauch ist vor allem als Moderator der RTL-Quizshow „Wer wird Millionär?“ bekannt, die er seit 1999 leitet. Zudem prägte er von 1990 bis 2011 das Magazin „stern TV“ und war als Sportmoderator für ZDF und RTL tätig.
Welche wichtigen Sendungen hat Günther Jauch moderiert?
Zu seinen wichtigsten Sendungen zählen die Quizshow „Wer wird Millionär?“ (seit 1999), das Reportage-Magazin „stern TV“ (1990–2011), „das aktuelle sportstudio“ (1988–1996) im ZDF sowie seine eigene politische Talkshow „Günther Jauch“ (2011–2015) in der ARD.
Ist Günther Jauch verheiratet und hat er Kinder?
Ja, Günther Jauch ist seit 2006 mit der Krankengymnastin Thea Sihler verheiratet, mit der er bereits seit 1988 liiert ist. Das Paar hat zwei leibliche Töchter und hat zusätzlich zwei Mädchen aus Sibirien adoptiert. Die Familie lebt in Potsdam.
Was hat Günther Jauch mit Wein zu tun?
Im Jahr 2010 erwarb Günther Jauch das Weingut von Othegraven in Kanzem an der Saar. Das Gut befand sich bereits seit 1805 im Besitz seiner Vorfahren. Er führt damit eine alte Familientradition fort und produziert international anerkannte Riesling-Weine.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Wittkamp, V. (2013). Günther Jauch: Die Biografie. Riva Verlag.
- Körte, P. (2011, September 10). Der Mann, der sich siezt. Frankfurter Allgemeine Zeitung.
- Zylka, J. (2015, November 29). Abschied von „Günther Jauch“: Der Moderator, dem die Deutschen vertrauen. Der Tagesspiegel.