Giuseppe Garibaldi (4. Juli 1807 – 2. Juni 1882) war ein italienischer General, Politiker und Freiheitskämpfer, der als eine der Schlüsselfiguren des Risorgimento gilt. Sein berühmtester Feldzug, der „Zug der Tausend“ im Jahr 1860, führte zur Eroberung Süditaliens und war ein entscheidender Schritt zur Einigung Italiens.
Ein rotes Hemd wurde zum Symbol. Es war die improvisierte Uniform der italienischen Legionäre in Uruguay, getragen von Schlachthausarbeitern, billig und weithin sichtbar. Als Giuseppe Garibaldi es nach Italien brachte, wurde es zum Erkennungszeichen einer Bewegung, die einen zersplitterten Stiefel zu einer Nation formen sollte. Dieses Hemd stand für Wagemut, für die Bereitschaft, für eine Idee zu sterben, die viele für unmöglich hielten. Es verkörperte den unbedingten Willen eines Mannes, der sein Leben der Sache der italienischen Einheit widmete, oft gegen den Willen der Fürsten und Politiker, deren Königreich er erst schuf.
Er war Soldat, Guerillero, Politiker und Mythos. Giuseppe Garibaldi verkörperte die romantische Idee des revolutionären Volkshelden, dessen Handeln die Landkarte Europas neu zeichnete. Sein Weg war ein ständiger Kampf zwischen Ideal und Realpolitik.
Inhalt (5)
| Jahre | Amt / Funktion | Institution / Bewegung | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1834 | Teilnehmer am Aufstand | Junges Italien (Piemont) | Erste revolutionäre Aktion; führte zur Verurteilung und zum Exil. |
| 1842–1847 | Kommandant der Italienischen Legion | Streitkräfte Uruguays | Sammelte militärische Erfahrung im Guerillakrieg; die „Rothemden“ entstanden. |
| 1849 | Anführer der Revolutionsarmee | Römische Republik | Verteidigte Rom gegen französische Truppen; wurde zum Nationalhelden. |
| 1859 | Kommandant der Alpenjäger | Königreich Sardinien-Piemont | Führte Freiwillige im Zweiten Italienischen Unabhängigkeitskrieg. |
| 1860 | Diktator von Sizilien | Zug der Tausend | Eroberte das Königreich beider Sizilien und übergab es Viktor Emanuel II. |
| 1860–1882 | Mitglied der Abgeordnetenkammer | Königreich Italien | Parlamentarische Tätigkeit, oft im Konflikt mit der Regierung. |
| 1870–1871 | Kommandant der Vogesenarmee | Dritte Französische Republik | Unterstützte Frankreich im Deutsch-Französischen Krieg. |
Der Seemann als Revolutionär
Geboren am 4. Juli 1807 in Nizza, das damals zu Frankreich gehörte, wuchs Garibaldi als Seemann auf. In den 1830er-Jahren kam er in Kontakt mit den Ideen von Giuseppe Mazzini, trat dem Geheimbund der Carbonari bei und nahm 1834 an einem gescheiterten Aufstand im Piemont teil.
Die See prägte ihn. Als Sohn eines Seemanns aus Chiavari heuerte Giuseppe Garibaldi früh auf Handelsschiffen an, bereiste das Mittelmeer und das Schwarze Meer. Die Welt war für ihn kein abstrakter Begriff, sondern ein Netz aus Häfen, Strömungen und Kulturen. Im russischen Taganrog begegnete er 1833 Giovanni Battista Cuneo, einem Exilanten und Anhänger des „Jungen Italien“. Diese Begegnung politisierte den jungen Offizier. Die Vision Giuseppe Mazzinis von einem geeinten, republikanischen Italien, befreit von Fremdherrschaft und klerikaler Macht, fand in ihm einen fruchtbaren Boden. Er schloss sich den Carbonari an, einem Netzwerk revolutionärer Geheimbünde.
Der erste Versuch, die Theorie in die Tat umzusetzen, scheiterte kläglich. Ein Aufstand im Piemont im Februar 1834 wurde schnell niedergeschlagen. Garibaldi, der daran beteiligt war, wurde in Genua in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Er entkam nach Marseille. Das Urteil machte ihn zum Flüchtling, aber auch zu einer Figur des Widerstands. Es war der Beginn eines Lebens im Exil, das ihn jedoch nicht von der italienischen Sache entfremden, sondern ihn auf seine größte Rolle vorbereiten sollte.
Ein Held zweier Welten
Von 1836 bis 1848 lebte Garibaldi in Südamerika. Er kämpfte in der Farrapen-Revolution in Brasilien und im uruguayischen Bürgerkrieg. Dort formierte er eine italienische Legion, deren rote Hemden später sein Markenzeichen wurden, und lernte seine zukünftige Frau Ana Maria „Anita“ de Ribeiro kennen.

Südamerika wurde sein Lehrfeld. In Brasilien schloss er sich den republikanischen Aufständischen an und erlernte die Taktiken des Guerillakrieges. Hier traf er 1839 auf Anita de Ribeiro, eine Frau, die seine politischen Überzeugungen teilte und zu seiner wichtigsten Kampfgefährtin und großen Liebe wurde. Sie kämpfte an seiner Seite, eine für die damalige Zeit außergewöhnliche Konstellation, und folgte ihm 1841 nach Montevideo in Uruguay. Sie heirateten 1842 und bekamen vier Kinder.
Die Freiheit gehört nicht denen, die sie besitzen, sondern jenen, die sie zu erobern wissen.
In Uruguay stellte Garibaldi im Krieg gegen den argentinischen Diktator Juan Manuel de Rosas eine Legion aus italienischen Exilanten auf. Als Uniform wählten sie rote Hemden, die ursprünglich für Arbeiter in den Schlachthöfen von Buenos Aires bestimmt waren. Sie waren günstig und boten im Kampf einen hohen Wiedererkennungswert. Diese „Camicie Rosse“ wurden zur Legende. Garibaldis Erfolge bei der Verteidigung Montevideos machten ihn über die Grenzen Südamerikas hinaus bekannt. Die Nachricht von den Revolutionen in Europa erreichte ihn 1848. Er kehrte zurück, nicht mehr als unbekannter Flüchtling, sondern als erfahrener Kommandant.
Der Zug der Tausend: Giuseppe Garibaldi erobert den Süden
Im Mai 1860 startete Garibaldi von Genua aus mit rund 1.000 Freiwilligen, den „Rothemden“, nach Sizilien. Nach der Landung bei Marsala und dem Sieg in der Schlacht von Calatafimi eroberte er die Insel, setzte auf das Festland über und nahm am 7. September Neapel ein.

Es war ein Wagnis, das die europäische Ordnung erschütterte. Die diplomatischen Pläne des piemontesischen Premierministers Camillo Benso Conte di Cavour sahen eine langsame Einigung von oben vor. Garibaldi wählte den Weg der Revolution von unten. Mit zwei alten Dampfschiffen segelten die „Mille“ nach Süden. Ihre Ausrüstung war mangelhaft, ihre Zahl gering, doch ihr Anführer besaß eine charismatische Autorität, die Tausende mobilisierte. Auf Sizilien schlossen sich ihm Bauern und Bürger an, die unter der Bourbonenherrschaft litten.
Der Sieg bei Calatafimi gegen eine zahlenmäßig überlegene neapolitanische Armee war psychologisch entscheidend. Er löste einen Volksaufstand aus, der die Eroberung Palermos ermöglichte. Nach dem Sieg bei Milazzo im Juli war ganz Sizilien unter seiner Kontrolle. Garibaldi ernannte sich im Namen von König Viktor Emanuel II. zum Diktator. Anfang August setzte er auf das Festland über. Der Vormarsch durch Kalabrien glich einem Triumphzug; die bourbonische Armee zerfiel. Am 7. September 1860 zog er kampflos in Neapel ein. Der entscheidende militärische Sieg folgte am 1. Oktober in der Schlacht am Volturno, wo seine zusammengewürfelte Armee die letzte große Offensive der königlichen Truppen abwehrte. Das Königreich beider Sizilien war gefallen. Am 26. Oktober traf er in Teano auf Viktor Emanuel II. und begrüßte ihn als „König von Italien“. Er übergab seine Eroberungen und vollzog damit den entscheidenden Schritt zur Einigung.
Rom oder der Tod
Trotz seiner Erfolge blieb Garibaldis Traum von Rom als Hauptstadt unerfüllt, da die Stadt vom Papst mit französischer Unterstützung gehalten wurde. Seine eigenmächtigen Versuche, Rom zu erobern, scheiterten 1862 bei Aspromonte, wo er von italienischen Truppen verwundet wurde, und 1867 bei Mentana.
Die Einigung war unvollständig. Rom, die historische und symbolische Hauptstadt, stand weiter unter der Herrschaft von Papst Pius IX., geschützt von den Truppen Napoléons III. Für Garibaldi war dies unerträglich. Sein berühmter Ruf „O Roma o morte“ (Rom oder der Tod) wurde zum Programm. Doch seine Ziele kollidierten nun mit der Staatsräson des neuen Königreichs Italien, das einen Konflikt mit Frankreich fürchtete. Zweimal versuchte er, Rom im Alleingang zu nehmen. Beide Male wurde er von der italienischen Regierung gestoppt, die er selbst an die Macht gebracht hatte.
Das Gefecht am Aspromonte 1862 war eine besondere Tragödie: Italienische Soldaten schossen auf den Nationalhelden und verwundeten ihn schwer am Knöchel. Nach einer kurzen Gefangenschaft zog er sich verbittert auf die kleine Insel Caprera zurück, die er 1854 erworben hatte. Von dort aus beobachtete er die Politik, schrieb seine Memoiren und plante neue Aktionen. Ein letzter Versuch, Rom zu erobern, wurde 1867 von päpstlichen und französischen Truppen bei Mentana vereitelt. Erst 1870, nach dem Fall Napoléons III. im Deutsch-Französischen Krieg, konnten italienische Truppen Rom einnehmen. Garibaldi war daran nicht mehr beteiligt. Er starb am 2. Juni 1882 auf Caprera, der Held, der ein Königreich geschaffen hatte, dessen Politik ihm bis zum Ende fremd blieb. Sein Leben ist im historischen Portal der italienischen Abgeordnetenkammer detailliert dokumentiert.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Giuseppe Garibaldi geboren und wann starb er?
Giuseppe Garibaldi wurde am 4. Juli 1807 in Nizza geboren, das zu dieser Zeit Teil des Französischen Kaiserreichs war. Er starb am 2. Juni 1882 im Alter von 74 Jahren in seinem Haus auf der Insel Caprera, die heute zu Sardinien gehört.
Wofür ist Giuseppe Garibaldi bekannt?
Giuseppe Garibaldi ist bekannt als die zentrale militärische Figur des Risorgimento, der italienischen Einigungsbewegung. Sein „Zug der Tausend“ im Jahr 1860, bei dem er mit Freiwilligen Süditalien eroberte, gilt als entscheidender Akt zur Schaffung des Königreichs Italien.
Was war der „Zug der Tausend“?
Der „Zug der Tausend“ war ein Feldzug im Jahr 1860, bei dem Garibaldi mit etwa 1.000 Freiwilligen, den sogenannten Rothemden, in Sizilien landete. Innerhalb weniger Monate eroberte er das gesamte Königreich beider Sizilien und übergab es König Viktor Emanuel II.
Wer war Anita Garibaldi?
Ana Maria „Anita“ de Ribeiro war Garibaldis erste Ehefrau, eine brasilianische Revolutionärin, die er in Südamerika kennenlernte. Sie kämpfte an seiner Seite in mehreren Schlachten und wurde zu einer Symbolfigur des Risorgimento. Sie starb 1849 auf der Flucht.
Was ist die „Garibaldi-Lösung“?
Der Begriff „Garibaldi-Lösung“ beschreibt in der Geschichtswissenschaft eine Nationalstaatsgründung „von unten“ durch eine Volksrevolution. Dies steht im Gegensatz zur „Cavour-Lösung“, die eine Einigung „von oben“ durch Diplomatie, Reformen und Kriege zwischen Staaten bezeichnet.
Wo ist Giuseppe Garibaldi begraben?
Giuseppe Garibaldi ist auf seinem letzten Wohnsitz, der Insel Caprera vor der Küste Sardiniens, begraben. Sein Anwesen, das „Compendio Garibaldino“, ist heute eine Gedenkstätte und ein Museum, das sein Leben und Wirken dokumentiert.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Riall, L. (2007). Garibaldi: Invention of a Hero. Yale University Press.
- Scirocco, A. (2007). Garibaldi: Citizen of the World. Princeton University Press.
- Monsagrati, G. (1999). Garibaldi, Giuseppe. In Dizionario Biografico degli Italiani (DBI), Band 52. Istituto della Enciclopedia Italiana.