Ernesto „Che“ Guevara (1928–1967) war ein argentinischer Arzt, marxistischer Revolutionär und Guerillaführer. Als zentraler Comandante an der Seite Fidel Castros spielte er eine entscheidende Rolle in der Kubanischen Revolution. Später versuchte er, das revolutionäre Modell in Afrika und Südamerika zu etablieren, bevor er in Bolivien gefangengenommen und exekutiert wurde.
Es war eine alte Norton 500, die den Horizont eines jungen Mannes für immer verschob. Mit seinem Freund Alberto Granado brach der Medizinstudent Ernesto Guevara 1951 von Córdoba auf, um den südamerikanischen Kontinent zu durchqueren. Die Reise führte ihn nicht nur durch die Landschaften von Argentinien, Chile und Peru, sondern vor allem durch die sozialen Realitäten: das Elend der Minenarbeiter, die Ausgrenzung der Leprakranken, die Allmacht der United Fruit Company. Das Reisetagebuch, das er führte, dokumentiert eine innere Verwandlung – die Geburt eines politischen Bewusstseins, das den Arzt bald hinter dem Revolutionär zurücktreten lassen sollte.
Che Guevaras Leben ist die Chronik einer radikalen Metamorphose, die ihn vom Heiler zum Richter, vom Intellektuellen zum Kämpfer und schließlich von einer historischen Person zur globalen Medienikone machte. Sein Weg ist gezeichnet von unbedingtem Willen, aber auch von tragischem Scheitern.
Inhalt (5)
| Jahre | Amt / Funktion | Partei / Institution | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1957–1959 | Comandante der Rebellenarmee | Bewegung des 26. Juli | Militärischer Sieg in der Schlacht von Santa Clara |
| 1959 | Kommandant der Festung La Cabaña | Kubanische Revolutionsregierung | Aufsicht über Revolutionsgerichte und Exekutionen |
| 1959–1961 | Präsident der kubanischen Nationalbank | Kubanische Revolutionsregierung | Währungsreform und Verstaatlichung des Bankwesens |
| 1961–1965 | Industrieminister | Kommunistische Partei Kubas | Zentralisierte Planwirtschaft, Aufbau der Schwerindustrie |
| 1965 | Leiter der kubanischen Militärmission | Kongo-Léopoldville | Gescheiterter Versuch, die Revolution zu exportieren |
| 1966–1967 | Anführer der Guerilla-Einheit | Ejército de Liberación Nacional de Bolivia | Letzte Mission, die zu seiner Gefangennahme führte |
Die Reise des jungen Arztes
Geboren am 14. Juni 1928 in Rosario, Argentinien, wuchs Ernesto Guevara in einer bürgerlichen Familie auf. Sein Leben war von chronischem Asthma geprägt, was ihn jedoch nicht von intensivem Sport abhielt. Sein Medizinstudium in Buenos Aires unterbrach er für prägende Reisen durch Südamerika, die seine politische Haltung formten.
Ernesto Guevara de la Serna entstammte einer Familie, die dem argentinischen Großbürgertum angehörte, aber unkonventionelle Wege ging. Seine Eltern, Ernesto Guevara Lynch und Celia de la Serna y Llosa, betrieben eine Mate-Plantage und pflegten ein liberales, intellektuelles Umfeld. Das Haus der Familie wurde während des Spanischen Bürgerkriegs zum Treffpunkt für republikanische Exilanten, was den jungen Ernesto früh politisierte. Sein lebenslanges Asthma, das ihn ab dem zweiten Lebensjahr quälte, zwang ihn zu Disziplin und Willensstärke. Er kompensierte die körperliche Schwäche durch Rugby, Schwimmen und eine fast manische Leseleidenschaft. Die umfangreiche Bibliothek seiner Eltern öffnete ihm die Werke von Karl Marx, Friedrich Engels und Sigmund Freud, lange bevor diese zu Eckpfeilern seines Denkens wurden.
Der entscheidende Bruch mit seiner Herkunft erfolgte während seines Medizinstudiums. Die berühmte Motorradreise von 1951 mit seinem Freund, dem Biochemiker Alberto Granado, war mehr als ein jugendliches Abenteuer. In den Kupferminen Chiles erlebte er die Ausbeutung der Arbeiter, in Peru besuchte er eine Leprakolonie und stellte fest, dass die soziale Spaltung die Kranken tiefer traf als die Krankheit selbst. Seine Aufzeichnungen, später als „Die Reise des jungen Che“ veröffentlicht, sind das Dokument einer schmerzhaften Desillusionierung. Er erkannte, dass die Grenzen zwischen den Nationen Lateinamerikas weniger bedeutsam waren als die unsichtbare Grenze zwischen Arm und Reich. Nach seiner Rückkehr schloss er sein Studium am 11. April 1953 ab, doch der Doktorgrad in Medizin war nur noch eine Formalität. Sein wahrer Kompass war nun ein anderer: Er wollte nicht mehr einzelne Symptome heilen, sondern die gesellschaftlichen Ursachen der Krankheit bekämpfen.
Vom Arzt zum Comandante
Nach einer weiteren Reise durch Südamerika erlebte Guevara 1954 in Guatemala den von der CIA unterstützten Sturz der reformorientierten Regierung von Jacobo Árbenz Guzmán. Diese Erfahrung zementierte seinen Antiimperialismus. Er floh nach Mexiko, wo er im Juli 1955 Fidel Castro traf und sich dessen „Bewegung des 26. Juli“ anschloss.

Guatemala wurde zum politischen Taufbecken. Guevara sah mit eigenen Augen, wie die United Fruit Company und der US-Auslandsgeheimdienst eine demokratisch gewählte Regierung stürzten, die es gewagt hatte, eine Landreform durchzuführen. Der Putsch gegen Präsident Jacobo Árbenz Guzmán war für ihn der Beweis, dass die USA jeden Versuch sozialer Gerechtigkeit in ihrem „Hinterhof“ militärisch unterbinden würden. Hier, im Kreis politischer Exilanten, erhielt er seinen Spitznamen „Che“, ein in Argentinien gebräuchliches Füllwort, das seine Herkunft markierte. Nach dem Putsch fand er Zuflucht in Mexiko-Stadt, wo das Schicksal ihn mit einer Gruppe kubanischer Rebellen zusammenführte. Die Begegnung mit Fidel Castro war elektrisierend. Castro, der charismatische Anführer, suchte fähige Mitstreiter für eine bewaffnete Expedition nach Kuba; Guevara, der ideologisch gefestigte Intellektuelle, suchte eine Sache, für die es sich zu kämpfen lohnte. Er schloss sich der Gruppe zunächst als Arzt an.
Am 2. Dezember 1956 landete die überladene Motoryacht „Granma“ an der kubanischen Küste. Die Expedition war ein militärisches Desaster. Von 82 Kämpfern überlebten nur etwa 20 den ersten Angriff von Batistas Armee und flohen in die unwegsamen Berge der Sierra Maestra. In diesem Moment des Scheiterns begann Guevaras Aufstieg. Er legte den Arztkittel ab und griff zur Waffe. Er erwies sich als disziplinierter, taktisch kluger und unnachgiebiger Kämpfer. Er bildete Rekruten aus, richtete Werkstätten zur Waffenreparatur ein und gründete eine Rebellenzeitung. Seine Härte war legendär; er zögerte nicht, Verräter oder Deserteure persönlich zu exekutieren. Am 21. Juli 1957 ernannte ihn Fidel Castro zum Comandante, dem ersten nach ihm selbst. Sein größtes militärisches Meisterstück war die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Santa Clara im Dezember 1958, die den Weg nach Havanna freimachte und Diktator Fulgencio Batista zur Flucht zwang.
Ein Revolutionär muss von großen Gefühlen der Liebe geleitet sein.
Der Staat im Staat: Industrieminister und Zentralbankchef
Nach dem Sieg der Revolution am 1. Januar 1959 wurde Guevara zu einer Schlüsselfigur des neuen kubanischen Staates. Er erhielt die kubanische Staatsbürgerschaft und übernahm zentrale Ämter, darunter die Leitung der Nationalbank und ab 1961 das Amt des Industrieministers. Seine Politik zielte auf eine radikale Verstaatlichung und Planwirtschaft.

Im neuen Kuba wurde der Guerillakommandant zum Staatsmann. Zunächst leitete er als Kommandant der Festung La Cabaña die Revolutionsgerichte. Hunderte Funktionäre des alten Regimes wurden in Prozessen, die rechtsstaatlichen Kriterien kaum genügten, zum Tode verurteilt und hingerichtet – eine Rolle, die sein Bild bis heute verdunkelt. Kurz darauf ernannte ihn Castro zum Präsidenten der Nationalbank, eine fast ironische Geste, da Guevara das Geld als kapitalistisches Übel verachtete. Seine Unterschrift „Che“ zierte fortan die kubanischen Banknoten. Als Industrieminister ab 1961 trieb er eine radikale sozialistische Reform voran. Er verstaatlichte Schlüsselindustrien und landwirtschaftliche Betriebe, die oft US-amerikanischen Konzernen gehört hatten. Sein Ziel war die schnelle Industrialisierung und die Überwindung der Abhängigkeit vom Zuckerexport.
Guevaras Wirtschaftspolitik war von ideologischer Reinheit, aber mangelnder Pragmatik geprägt. Die Produktivität sank, und es kam zu Versorgungsengpässen. Seine wichtigste Doktrin war jedoch nicht ökonomischer, sondern moralischer Natur: die Schaffung des „Neuen Menschen“ (hombre nuevo). Dieser sollte nicht durch materielle Anreize, sondern durch moralisches Bewusstsein und freiwillige Arbeit für die Gesellschaft motiviert werden. Er selbst ging mit Beispiel voran, arbeitete sonntags auf dem Bau oder in der Zuckerrohrernte. Im kubanischen Kabinett und in der herrschenden Partei geriet er zunehmend in Konflikt mit der pragmatischeren sowjetischen Linie, die er als zu reformistisch und bürokratisch ablehnte. Er sympathisierte stärker mit dem Modell Maos in China. Seine zahlreichen diplomatischen Reisen und Staatsbesuche machten ihn zu einem prominenten Gesicht der blockfreien Bewegung, doch seine Frustration über den bürokratischen Alltag in seinem Amt wuchs.
Die letzte Mission: Kongo und Bolivien
1965 zog sich Che Guevara von allen öffentlichen Ämtern in Kuba zurück und verließ das Land, um die Revolution zu exportieren. Nach einer gescheiterten Mission im Kongo führte er ab 1966 eine kleine Guerillagruppe in Bolivien an. Isoliert von der Bevölkerung und der örtlichen kommunistischen Partei wurde seine Einheit aufgerieben.
Im Frühjahr 1965 verschwand Che Guevara aus der kubanischen Öffentlichkeit. In einem Abschiedsbrief an Fidel Castro erklärte er, dass andere Länder der Welt seine bescheidenen Dienste benötigten und er seine Pflicht in Kuba als erfüllt ansehe. Sein erster Versuch, das kubanische Modell zu exportieren, führte ihn in den Kongo. Die Mission wurde zum Fiasko. Die Rebellen waren undiszipliniert, die internen Machtkämpfe lähmten jede Aktion, und Guevara verstand die kulturellen und politischen Gegebenheiten nicht. Nach sieben Monaten verließ er Afrika desillusioniert. Nach einer Zeit im Verborgenen in Prag und auf Kuba bereitete er seine letzte, schicksalhafte Mission vor: Bolivien. Er wählte das Land, weil er glaubte, von seinem zentralen Standort aus einen kontinentalen Flächenbrand auslösen zu können.
Verkleidet und mit falscher Identität reiste er im November 1966 nach Bolivien und baute im unwegsamen Gelände eine Guerillaeinheit auf. Doch die Bedingungen waren katastrophal. Die Bauern, die er zu befreien hoffte, misstrauten den fremden Kämpfern und unterstützten sie nicht. Die Kommunistische Partei Boliviens verweigerte ihm die Hilfe, und die bolivianische Armee, ausgebildet und unterstützt von der CIA, machte systematisch Jagd auf seine Gruppe. Sein Tagebuch aus dieser Zeit ist ein erschütterndes Zeugnis von Isolation, Hunger und dem langsamen Zerfall seiner Truppe. Am 8. Oktober 1967 wurde seine dezimierte Einheit eingekesselt und Guevara nach einer Verwundung gefangengenommen. Er wurde in das nahegelegene Dorf La Higuera gebracht und in einem Schulhaus eingesperrt. Auf Anweisung des bolivianischen Präsidenten René Barrientos wurde er am folgenden Tag, dem 9. Oktober 1967, ohne Gerichtsverfahren erschossen. Sein Tod sollte das Ende eines Rebellen sein, war aber die Geburtsstunde eines Mythos.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Che Guevara geboren und wann starb er?
Ernesto „Che“ Guevara wurde offiziell am 14. Juni 1928 in Rosario, Argentinien, geboren. Er starb am 9. Oktober 1967 in La Higuera, Bolivien, nachdem er von bolivianischen Soldaten gefangen genommen und am folgenden Tag auf Befehl der Regierung exekutiert wurde.
Wofür ist Che Guevara bekannt?
Che Guevara ist als zentrale Figur der Kubanischen Revolution an der Seite von Fidel Castro bekannt. Nach seinem Tod wurde sein Porträt, insbesondere die Fotografie „Guerrillero Heroico“, zu einer weltweit verbreiteten Ikone für Rebellion, Antiimperialismus und linke Bewegungen.
Welche Ämter hatte Che Guevara in Kuba?
Nach der Revolution hatte Guevara wichtige Ämter inne. Er war Kommandant der Festung La Cabaña, Präsident der kubanischen Nationalbank und von 1961 bis 1965 Industrieminister. In diesen Funktionen prägte er maßgeblich die radikale sozialistische Umgestaltung der kubanischen Wirtschaft.
War Che Guevara verheiratet und hatte er Kinder?
Ja, Che Guevara war zweimal verheiratet. Seine erste Ehe schloss er 1955 mit der peruanischen Ökonomin Hilda Gadea, mit der er eine Tochter hatte. Nach der Scheidung heiratete er 1959 seine Kampfgefährtin Aleida March, mit der er vier weitere Kinder hatte.
Wie starb Che Guevara?
Che Guevara wurde während seiner Guerillakampagne in Bolivien am 8. Oktober 1967 von der bolivianischen Armee mit Unterstützung der CIA gefangen genommen. Er wurde am folgenden Tag, dem 9. Oktober 1967, in einem Schulhaus im Dorf La Higuera ohne Gerichtsverhandlung erschossen.
Welchen Einfluss hat Che Guevara auf die Nachwelt?
Sein Bild wurde zu einem der meistvermarkteten Symbole des 20. Jahrhunderts, das für Widerstand und Utopie steht. Während er von vielen als Held verehrt wird, kritisieren andere seine Rolle bei politischen Exekutionen und seine Mitverantwortung für das autoritäre Regime in Kuba.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Anderson, J. L. (1997). Che Guevara: A Revolutionary Life. Grove Press.
- Castañeda, J. G. (1998). Compañero: The Life and Death of Che Guevara. Vintage Books.
- Taibo II, P. I. (1999). Guevara, Also Known as Che. St. Martin's Griffin.
- Gadea, H. (2005). Che: My Companion. Ocean Press.