Benjamin Franklin (17. Januar 1706 – 17. April 1790) war ein amerikanischer Staatsmann, Erfinder, Wissenschaftler, Verleger und einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten. Er trug maßgeblich zum Entwurf der Unabhängigkeitserklärung bei, erfand den Blitzableiter und diente als entscheidender Diplomat in Frankreich während der Amerikanischen Revolution.
Ein siebzehnjähriger Junge erreichte 1723 Philadelphia. Er war aus seiner Heimatstadt Boston geflohen, ein Ausreißer mit leeren Taschen und einem unbändigen Hunger, nicht nur nach Brot, sondern nach Wissen und Selbstbestimmung. Mit drei großen Broten, eines unter jedem Arm und eines, das er aß, wanderte er durch die Straßen einer Stadt, die er bald zu seiner eigenen machen sollte. Dieser junge Mann war Benjamin Franklin. Seine Ankunft, bescheiden und fast komisch, markiert den Beginn eines sozialen Aufstiegs, der zum Sinnbild des amerikanischen Traums wurde. Er kam nicht mit Empfehlungsschreiben oder Reichtum. Er kam mit seinem Intellekt, seinem Handwerk und einem unerschütterlichen Glauben an die Macht des fleißigen Bürgers.
Sein Leben umspannt fast das gesamte 18. Jahrhundert und verkörpert dessen Widersprüche und Ideale: die Strenge des Puritanismus, die Neugier der Aufklärung und den revolutionären Drang nach Freiheit.
Inhalt (6)
| Jahre | Amt / Funktion | Institution | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1737–1753 | Postmeister von Philadelphia | British Crown Post | Optimierung der Postrouten und Finanzen in den Kolonien. |
| 1751–1764 | Mitglied des Repräsentantenhauses | Pennsylvania Assembly | Vertrat die Interessen der Kolonie, auch gegen die Eigentümerfamilie Penn. |
| 1775–1776 | Postmaster General | Zweiter Kontinentalkongress | Schuf das Fundament des United States Postal Service. |
| 1776–1785 | Botschafter in Frankreich | Vereinigte Staaten | Sicherte die entscheidende militärische und finanzielle Allianz mit Frankreich. |
| 1785–1788 | Präsident von Pennsylvania | Supreme Executive Council | Führte als Gouverneur den bevölkerungsreichsten Staat der jungen Nation. |
| 1787 | Delegierter | Verfassungskonvent in Philadelphia | Vermittelte als ältester Teilnehmer Kompromisse bei der Verfassungsgebung. |
Der Druckerlehrling aus Boston
Geboren am 17. Januar 1706 in Boston als Sohn eines Seifenmachers, begann Benjamin Franklin mit zwölf Jahren eine Lehre bei seinem Bruder James, einem Drucker. Unter dem Pseudonym „Silence Dogood“ veröffentlichte er 1722 kritische Essays, bevor er 1723 nach Philadelphia floh.
Das Boston der frühen Jahre war ein Ort strenger puritanischer Ordnung. Benjamin Franklin, das fünfzehnte von siebzehn Kindern, sollte ursprünglich Geistlicher werden, doch die Mittel des Vaters reichten nur für zwei Jahre Schulbildung. Die wahre Universität fand er in der Druckerei seines älteren Bruders James. Hier, zwischen Lettern und Druckerpresse, verschlang er jedes Buch, das er in die Hände bekam. Er studierte die Prosa von Joseph Addison und Richard Steele im *Spectator* und eignete sich einen klaren, präzisen Stil an, der sein gesamtes schriftstellerisches Werk prägen sollte. Der Intellekt wuchs schneller als die Anerkennung durch den Bruder.
Frustriert von seiner untergeordneten Rolle, schuf er eine fiktive Person. Als „Mrs. Silence Dogood“, eine vermeintlich scharfzüngige Witwe, schob er nachts Manuskripte unter der Tür der Druckerei hindurch. Seine Essays, eine Mischung aus Gesellschaftskritik und Humor, wurden im *New England Courant* seines Bruders gedruckt und ein lokaler Erfolg. Niemand ahnte den jungen Lehrling als Autor. Als James die Wahrheit erfuhr, führte dies zu Neid und schließlich zum Bruch. Der Konflikt eskalierte, und der junge Franklin sah keinen anderen Ausweg, als sein Lehrverhältnis illegal zu beenden und sein Glück andernorts zu suchen. Er verließ Boston heimlich.
Vom Verleger zum öffentlichen Bürger
In Philadelphia gründete Franklin 1727 den Debattierclub Junto, übernahm 1729 die *Pennsylvania Gazette* und publizierte ab 1732 den erfolgreichen *Poor Richard’s Almanack*. Sein bürgerschaftliches Engagement führte 1731 zur Gründung der ersten Leihbibliothek Amerikas, der Library Company of Philadelphia.

Philadelphia bot die Freiheit, die Boston ihm verwehrt hatte. Nach einer kurzen, lehrreichen, aber mittellosen Zeit in London kehrte er zurück und machte sich bald als Drucker selbstständig. Seine Druckerei wurde zum Zentrum seines Erfolgs. Mit der *Pennsylvania Gazette* schuf er eine der meistgelesenen Zeitungen der Kolonien. Sein unternehmerischer Geist war unermüdlich. Er verstand, dass Information und Bildung der Schlüssel zu bürgerlicher Teilhabe sind. Diesem Gedanken entsprang sein berühmtestes Verlagsprodukt: *Poor Richard’s Almanack*. Unter dem Pseudonym des einfachen, aber weisen Richard Saunders verbreitete er Aphorismen über Fleiß, Sparsamkeit und Tugend, die tief in das amerikanische Bewusstsein eindrangen. „Early to bed and early to rise, makes a man healthy, wealthy and wise.“
Doch Franklin war mehr als ein Geschäftsmann. Er war ein Organisator des Gemeinwesens. Der Junto-Club, ein Zirkel aus Handwerkern und Händlern, diente als Denkfabrik für praktische Verbesserungen des städtischen Lebens. Aus den Diskussionen des Clubs entstanden konkrete Projekte: die erste Freiwillige Feuerwehr, eine Stadtwache und die Library Company of Philadelphia, die als Modell für Leihbibliotheken in ganz Amerika diente. Für Franklin war privater Erfolg untrennbar mit öffentlicher Verantwortung verbunden. Er zog sich im Alter von 42 Jahren aus dem aktiven Geschäftsleben zurück, um sich ganz der Wissenschaft und dem Dienst an der Öffentlichkeit zu widmen. Seine Ehe mit Deborah Read, geschlossen 1730, bot ihm dabei den stabilen familiären Rückhalt, auch wenn sie die Erziehung seines unehelichen Sohnes William Franklin zu akzeptieren hatte.
Eine Unze Vorbeugung ist so viel wert wie ein Pfund Heilung.
Blitze, Öfen und die Natur der Elektrizität
Ab 1746 widmete sich Franklin systematischen Experimenten zur Elektrizität. Sein berühmtes Drachenexperiment von 1752 bewies, dass Blitze elektrische Entladungen sind. Diese Forschung führte zur Erfindung des Blitzableiters und brachte ihm internationale Anerkennung als Wissenschaftler ein, einschließlich der Mitgliedschaft in der Royal Society in London.

Die zweite Lebenshälfte war von wissenschaftlicher Neugier geprägt. Fasziniert von den elektrischen Phänomenen, die in den Salons Europas als Spektakel dienten, formulierte Franklin eine kühne Hypothese: Die Elektrizität war kein Fluidum, das erzeugt wurde, sondern ein universelles Element, das lediglich umverteilt wird. Er prägte die Begriffe des positiven und negativen Ladungszustands, die bis heute die Grundlage der Elektrizitätslehre bilden. Seine Ideen, niedergeschrieben in Briefen an den englischen Botaniker Peter Collinson, wurden 1751 als Buch veröffentlicht und in ganz Europa gelesen.
Sein berühmtestes Experiment sollte die Verbindung zwischen künstlicher und natürlicher Elektrizität beweisen. Während eines Gewitters im Juni 1752 ließ er einen Drachen steigen, an dessen Schnur ein Schlüssel befestigt war. Als sich der Schlüssel durch die atmosphärische Ladung auflud und Funken sprühte, war der Beweis erbracht: Blitze sind Elektrizität. Diese Entdeckung war mehr als eine akademische Sensation; sie hatte einen unmittelbaren praktischen Nutzen. Franklin entwickelte den Blitzableiter, eine einfache Metallstange, die Gebäude vor Blitzeinschlägen schützte und unzählige Leben rettete. Seine pragmatische Genialität zeigte sich auch in anderen Erfindungen wie dem raucharmen Franklin-Ofen und den Bifokalgläsern. Er meldete für keine seiner Erfindungen ein Patent an, da er sie als Geschenk an die Allgemeinheit betrachtete.
Diplomat in zwei Welten
Als Vertreter Pennsylvanias verbrachte Franklin viele Jahre vor der Revolution in London. Ab 1776 diente er als Botschafter der jungen USA in Paris, wo er 1778 den entscheidenden Allianzvertrag mit Frankreich aushandelte. 1783 war er einer der Hauptunterhändler des Friedens von Paris, der den Unabhängigkeitskrieg beendete.
Seine wissenschaftliche Reputation öffnete ihm die Türen zur politischen Bühne. Zunächst vertrat er die Interessen der Kolonie Pennsylvania am britischen Hof in London. Er erlebte die wachsende Entfremdung zwischen dem Mutterland und den Kolonien aus nächster Nähe. Als die Spannungen zur Amerikanischen Revolution eskalierten, kehrte er 1775 nach Amerika zurück und stellte sich sofort auf die Seite der Unabhängigkeitsbewegung. Er war der älteste Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung von 1776, ein Dokument, an dessen Entwurf er zusammen mit Thomas Jefferson und John Adams mitgewirkt hatte.
Seine wichtigste Mission stand ihm jedoch noch bevor. Im Alter von 70 Jahren reiste er nach Paris, um die Unterstützung Frankreichs für den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu gewinnen. In der höfischen Gesellschaft des Ancien Régime wurde der einfache Mann aus der Neuen Welt, mit seiner Pelzmütze und seinem Mangel an Perücke, zu einer Ikone. Er verkörperte das Bild des natürlichen Genies und des republikanischen Weisen. Mit diplomatischem Geschick, Geduld und Charme überzeugte er die französische Regierung unter König Ludwig XVI., die amerikanische Sache mit Geld, Waffen und Truppen zu unterstützen. Diese Allianz war der Wendepunkt des Krieges. Nach dem Sieg der Amerikaner verhandelte er den Frieden von Paris, der die Souveränität der Vereinigten Staaten anerkannte.
Benjamin Franklins Rolle bei der Geburt einer Nation
Nach seiner Rückkehr aus Frankreich wurde Benjamin Franklin 1785 zum Präsidenten von Pennsylvania gewählt. Als ältester Delegierter des Verfassungskonvents von 1787 spielte er eine wichtige vermittelnde Rolle. Er starb am 17. April 1790 in Philadelphia und hinterließ ein tiefgreifendes Vermächtnis als Staatsmann und Aufklärer.
Auch in seinen letzten Lebensjahren blieb Franklin eine prägende Gestalt. Er kehrte 1785 als Held nach Philadelphia zurück. Trotz seines hohen Alters und gesundheitlicher Probleme nahm er als Delegierter am Verfassungskonvent teil. Seine Anwesenheit allein verlieh der Versammlung Autorität. Er sprach selten, aber wenn er es tat, mahnte er zur Kompromissbereitschaft. Sein Appell am Ende des Konvents, die neue Verfassung trotz ihrer Mängel anzunehmen, trug maßgeblich zu ihrer Ratifizierung bei. Sein letztes öffentliches Engagement galt der Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei, ein spätes, aber entschiedenes Bekenntnis zu den Idealen der Freiheit, die er ein Leben lang verfochten hatte.
Als Benjamin Franklin 1790 starb, nahmen 20.000 Menschen an seiner Beisetzung teil. Sein Leben, dokumentiert in seiner unvollendeten, aber weltberühmten Autobiografie, wurde zum Musterbeispiel für den Selfmademan, der durch Tugend, Fleiß und Vernunft nicht nur sein eigenes Schicksal, sondern das einer ganzen Nation formt. Er war Drucker, Wissenschaftler, Erfinder, Diplomat und Staatsmann – ein Universalgenie der Aufklärung, dessen Werk bis heute fortwirkt.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Benjamin Franklin geboren und wann starb er?
Benjamin Franklin wurde am 17. Januar 1706 in Boston, in der damaligen britischen Kolonie Massachusetts Bay, geboren. Er starb im hohen Alter von 84 Jahren am 17. April 1790 in Philadelphia, Pennsylvania, der Stadt, die sein Lebensmittelpunkt wurde.
Wofür ist Benjamin Franklin bekannt?
Benjamin Franklin ist als einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten bekannt. Er war Mitverfasser und Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung, ein Erfinder des Blitzableiters und der Bifokalgläser sowie ein entscheidender Diplomat, der die französische Allianz während der Revolution sicherte.
Hatte Benjamin Franklin eine Familie?
Ja, Benjamin Franklin ging 1730 eine Lebensgemeinschaft mit Deborah Read ein. Sie hatten zwei gemeinsame Kinder: Francis Folger, der jung starb, und Sarah (Sally). Zudem hatte Franklin einen unehelichen Sohn, William Franklin, der später königlicher Gouverneur von New Jersey wurde.
Welche wichtigen Erfindungen machte Franklin?
Zu seinen bedeutendsten Erfindungen gehören der Blitzableiter, der die Gefahr von Blitzeinschlägen drastisch reduzierte, der effiziente und raucharme Franklin-Ofen zur Beheizung von Räumen sowie die Bifokalbrille, die das Sehen in Nähe und Ferne mit einer einzigen Linse ermöglichte.
Was war die Todesursache von Benjamin Franklin?
Benjamin Franklin starb im Alter von 84 Jahren an den Folgen einer Pleuritis, einer Entzündung des Brustfells. Er litt in seinen letzten Jahren an mehreren gesundheitlichen Problemen, darunter Gicht und Blasensteine, blieb aber bis kurz vor seinem Tod geistig aktiv.
Welchen Einfluss hatte Benjamin Franklin auf die Nachwelt?
Sein Einfluss ist enorm. Er prägte das amerikanische Ethos von Eigenverantwortung und bürgerschaftlichem Engagement. Seine wissenschaftlichen Entdeckungen zur Elektrizität legten wichtige Grundlagen, und seine diplomatische Arbeit war entscheidend für die Gründung der Vereinigten Staaten als unabhängige Nation.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Isaacson, W. (2003). Benjamin Franklin: An American Life. Simon & Schuster.
- Franklin, B. (2006). The Autobiography of Benjamin Franklin. National Geographic Books.
- Founders Online, National Archives. https://founders.archives.gov/about/Franklin