Ronald Reagan (6. Februar 1911 – 5. Juni 2004) war ein US-amerikanischer Schauspieler und Politiker der Republikanischen Partei. Er amtierte von 1967 bis 1975 als Gouverneur von Kalifornien und von 1981 bis 1989 als 40. Präsident der Vereinigten Staaten, dessen Politik den Ausgang des Kalten Krieges maßgeblich beeinflusste.
Am Mikrofon eines kleinen Radiosenders in Des Moines, Iowa, erweckte ein junger Mann in den 1930er Jahren Baseballspiele zum Leben, die er nie sah. Er las nur die knappen Tickermeldungen, die per Telegraf eintrafen, und formte daraus mit seiner Stimme ganze Dramen aus Homeruns und knappen Entscheidungen. Diese Fähigkeit, aus reinen Fakten eine überzeugende Erzählung zu schaffen, definierte seine erste Karriere als Sportkommentator und später als Filmschauspieler. Sie wurde zum Fundament einer zweiten, weitaus unwahrscheinlicheren Laufbahn, die ihn aus den Studios von Warner Bros. bis ins Weiße Haus führen sollte. Die Stimme, die einst die Chicago Cubs beschrieb, sollte Jahrzehnte später die Weltpolitik kommentieren und mitgestalten.
Sein Weg führte von der Leinwand in die Politik, vom Gouverneursposten in Kalifornien ins höchste Amt der USA. Er verkörperte den amerikanischen Optimismus und konfrontierte die Sowjetunion mit einer neuen Entschlossenheit.
Inhalt (5)
| Jahre | Amt | Partei / Institution | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1947–1952 | Präsident der Screen Actors Guild | Schauspielergewerkschaft (SAG) | Erste politische Führungserfahrung, Verhandlungen über Renten- und Krankenversicherungen. |
| 1959–1960 | Präsident der Screen Actors Guild | Schauspielergewerkschaft (SAG) | Zweite Amtszeit, geprägt von Streiks und Auseinandersetzungen mit den Filmstudios. |
| 1967–1975 | Gouverneur von Kalifornien | Republikanische Partei | Zwei Amtsperioden; Umsetzung konservativer Reformen, Haushaltskonsolidierung. |
| 1981–1989 | Präsident der Vereinigten Staaten | Republikanische Partei | Zwei Legislaturperioden; prägte die „Reaganomics“ und eine konfrontative Außenpolitik. |
Vom Radiosprecher zum Gildenpräsidenten
Geboren am 6. Februar 1911 in Tampico, Illinois, studierte Ronald Reagan Wirtschaftswissenschaften und Soziologie am Eureka College. Ab 1937 stand er bei Warner Bros. unter Vertrag und wirkte in rund 80 Film- und Fernsehproduktionen mit. Seine politische Laufbahn begann als Präsident der Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild (SAG).
Ronald Wilson Reagan wuchs in bescheidenen Verhältnissen im Mittleren Westen auf. Sein Vater, ein Nachfahre irischer Einwanderer, gab ihm den Spitznamen „Dutch“. Nach dem Studium, wo er sich bereits als Vorsitzender der Studentenschaft engagierte, fand er seine erste Berufung als Sportkommentator für Radiosender in Iowa. Ein Casting während einer Dienstreise nach Kalifornien öffnete ihm 1937 die Türen Hollywoods. Warner Bros. bot ihm einen Siebenjahresvertrag. Er wurde schnell zu einem verlässlichen Darsteller, der meist aufrechte, sympathische Charaktere verkörperte. In größeren Produktionen wie „Land der Gottlosen“ (1940) agierte er oft als Freund des Hauptdarstellers Errol Flynn. Seine wohl anspruchsvollste Rolle spielte er 1942 in „Kings Row“.
Die politische Bühne betrat er nicht im Parlament, sondern in den Sitzungsräumen der Screen Actors Guild. Von 1947 bis 1952 und erneut von 1959 bis 1960 stand er der mächtigen Gewerkschaft vor. Hier lernte er, Verhandlungen zu führen und Kompromisse zu schmieden. In der McCarthy-Ära agierte er als Informant für das FBI, um vermeintliche kommunistische Einflüsse in Hollywood aufzudecken, trat jedoch vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe gegen eine pauschale Verfolgung von Kommunisten ein. Seine erste Ehe mit der Schauspielerin Jane Wyman wurde 1948 geschieden. Vier Jahre später heiratete er Nancy Davis, die zu seiner wichtigsten politischen Beraterin und engsten Vertrauten wurde.
Der Gouverneur von Kalifornien
Nach seinem Wechsel zur Republikanischen Partei 1962 unterstützte Reagan den konservativen Präsidentschaftskandidaten Barry Goldwater. Seine Rede „A Time for Choosing“ (1964) machte ihn landesweit bekannt. Von 1967 bis 1975 amtierte er zwei Wahlperioden als 33. Gouverneur von Kalifornien in Sacramento.

Die Moderation der „General Electric Theater“-Serie ab 1954 und seine Tätigkeit als Konzernrepräsentant für General Electric markierten einen Wendepunkt. Auf seinen Reisen durch die USA hielt er Reden über freies Unternehmertum und warnte vor einem übergriffigen Staat. Seine politischen Ansichten verschoben sich von den liberalen Positionen seiner Jugend hin zu einem ausgeprägten Konservatismus. Er selbst erklärte diesen Wandel mit seinen Erfahrungen im Kampf gegen kommunistische Unterwanderungsversuche in der Schauspielergewerkschaft. 1962 formalisierte er diesen Schritt mit seinem Eintritt in die Republikanische Partei. Seine landesweit übertragene Rede „A Time for Choosing“ für den Präsidentschaftskandidaten Barry Goldwater katapultierte ihn 1964 ins Rampenlicht der nationalen Politik.
Zwei Jahre später gewann er die Gouverneurswahl in Kalifornien gegen den Amtsinhaber Edmund G. Brown. Seine Amtszeit war geprägt von dem Versuch, das staatliche Wachstum zu bremsen, Steuern zu senken und den Haushalt auszugleichen. Gleichzeitig sah er sich mit den massiven Studentenprotesten gegen den Vietnamkrieg konfrontiert, insbesondere an der University of California, Berkeley. Er reagierte mit einer harten Haltung und setzte 1969 die Nationalgarde ein, um die Demonstrationen aufzulösen. Seine Politik festigte seinen Ruf als führende Figur der konservativen Bewegung in den Vereinigten Staaten.
Regierung ist nicht die Lösung für unser Problem; Regierung ist das Problem.
Die Revolution des Ronald Reagan im Weißen Haus
Am 20. Januar 1981 wurde Ronald Reagan als 40. Präsident der USA vereidigt. Nur 69 Tage später, am 30. März 1981, überlebte er ein Attentat. Seine erste Amtszeit definierte er durch eine als „Reaganomics“ bekannte Wirtschaftspolitik, die auf Steuersenkungen und Deregulierung setzte.

Nach einer gescheiterten Kandidatur 1976 setzte sich Reagan bei der Präsidentschaftswahl 1980 deutlich gegen den amtierenden Präsidenten Jimmy Carter durch. Seine Antrittsrede am 20. Januar 1981 markierte den Beginn einer neuen Ära. Er versprach eine „nationale Erneuerung“ und formulierte eine Politik, die auf der Angebotsökonomie basierte. Dieses Programm, schnell als „Reaganomics“ bezeichnet, umfasste massive Steuersenkungen, insbesondere für Unternehmen und hohe Einkommen, eine Reduzierung der Staatsausgaben in sozialen Bereichen und eine umfassende Deregulierung der Wirtschaft. Parallel dazu initiierte er eine massive militärische Aufrüstung, um der Sowjetunion mit einer Politik des „Friedens durch Stärke“ zu begegnen.
Sein Optimismus und seine kommunikativen Fähigkeiten brachten ihm den Beinamen „The Great Communicator“ ein. Selbst das Attentat im März 1981, bei dem er schwer verletzt wurde, konnte seine Popularität nicht schmälern; sein humorvoller Umgang mit der Situation festigte sein Image. Die Wirtschaft erholte sich nach einer anfänglichen Rezession, doch die Staatsverschuldung stieg durch die Rüstungsausgaben und Steuersenkungen drastisch an. Bei der Präsidentschaftswahl 1984 errang er einen überwältigenden Sieg gegen Walter Mondale und gewann 49 der 50 Bundesstaaten. Die Wahl bestätigte den tiefgreifenden Wandel, den seine Präsidentschaft in der amerikanischen Politik eingeleitet hatte.
Ein Ende des Kalten Krieges
In seiner zweiten Amtszeit änderte Reagan seinen konfrontativen Kurs gegenüber der Sowjetunion. Nach dem Amtsantritt von Michail Gorbatschow 1985 kam es zu mehreren Gipfeltreffen. Am 12. Juni 1987 forderte er Gorbatschow in einer Rede am Brandenburger Tor auf, die Berliner Mauer einzureißen.
Die zweite Legislaturperiode stand im Zeichen einer veränderten Außenpolitik. Die anfängliche Rhetorik vom „Reich des Bösen“ wich einer pragmatischen Diplomatie. Der neue Generalsekretär der KPdSU, Michail Gorbatschow, wurde zu einem unerwarteten Partner. Eine Serie von Gipfeltreffen in Genf, Reykjavík, Washington und Moskau führte zu einer historischen Annäherung. Das Ergebnis war der 1987 unterzeichnete INF-Vertrag, der die vollständige Beseitigung aller landgestützten nuklearen Mittelstreckenraketen vorsah. Es war das erste Mal in der Geschichte des Kalten Krieges, dass eine ganze Waffenkategorie abgeschafft wurde. Reagans berühmter Aufruf am Brandenburger Tor in Berlin, „Mr. Gorbachev, tear down this wall!“, wurde zum Symbol dieses Wandels.
Innenpolitisch wurde seine zweite Amtszeit von der Iran-Contra-Affäre überschattet. Die Aufdeckung geheimer Waffenverkäufe an den Iran, deren Erlöse zur Finanzierung der Contra-Rebellen in Nicaragua verwendet wurden, löste eine schwere Regierungskrise aus. Obwohl eine direkte Verwicklung des Präsidenten nie bewiesen werden konnte, beschädigte der Skandal die Glaubwürdigkeit seiner Administration. Dennoch verließ Ronald Reagan 1989 das Weiße Haus mit hohen Zustimmungswerten. Seine Präsidentschaft hatte die amerikanische Politik nachhaltig nach rechts verschoben und den Grundstein für das Ende des Kalten Krieges gelegt, dessen Fall der Berliner Mauer er nur wenige Monate nach seinem Abschied aus dem Amt erlebte. Seine letzten Jahre waren von der Alzheimer-Krankheit gezeichnet, an deren Folgen er am 5. Juni 2004 in Bel Air starb. Ein umfangreiches Oral-History-Projekt dokumentiert seine Amtszeit aus der Sicht seiner Weggefährten.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Ronald Reagan geboren und wann starb er?
Ronald Reagan wurde am 6. Februar 1911 in Tampico, einem kleinen Ort im US-Bundesstaat Illinois, geboren. Er verstarb im Alter von 93 Jahren am 5. Juni 2004 in seinem Haus in Bel Air, einem Stadtteil von Los Angeles, Kalifornien.
Wofür ist Ronald Reagan bekannt?
Ronald Reagan ist bekannt als 40. Präsident der Vereinigten Staaten (1981–1989) und ehemaliger Hollywood-Schauspieler. Seine Präsidentschaft war geprägt durch die Wirtschaftspolitik der „Reaganomics“ und eine konfrontative Haltung, die maßgeblich zum Ende des Kalten Krieges beitrug.
Was waren die wichtigsten Stationen seiner politischen Karriere?
Vor seiner Präsidentschaft war Reagan von 1967 bis 1975 Gouverneur von Kalifornien. Bereits davor sammelte er politische Erfahrung als mehrfacher Präsident der Schauspielergewerkschaft Screen Actors Guild (SAG). Diese Ämter bereiteten seinen Weg ins Weiße Haus vor.
Wer war die Ehefrau von Ronald Reagan?
Ronald Reagan war von 1952 bis zu seinem Tod im Jahr 2004 mit Nancy Reagan (geborene Davis) verheiratet. Sie galt als seine engste Beraterin und hatte erheblichen Einfluss auf seine politischen Entscheidungen. Zuvor war er von 1940 bis 1948 mit der Schauspielerin Jane Wyman verheiratet.
Was war die Iran-Contra-Affäre?
Die Iran-Contra-Affäre (1985–1987) war ein politischer Skandal während Reagans zweiter Amtszeit. Regierungsmitglieder hatten heimlich Waffen an den Iran verkauft und mit den Erlösen die antikommunistischen Contra-Rebellen in Nicaragua finanziert, was gegen Gesetze und offizielle Politik verstieß.
Woran starb Ronald Reagan?
Ronald Reagan starb an den Folgen einer Lungenentzündung als Komplikation seiner langjährigen Alzheimer-Krankheit. Die Diagnose war ihm bereits 1994, fünf Jahre nach dem Ende seiner Präsidentschaft, mitgeteilt worden, woraufhin er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückzog.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Morris, E. (1999). Dutch: A Memoir of Ronald Reagan. Random House.
- Brands, H. W. (2015). Reagan: The Life. Doubleday.
- Cannon, L. (2000). President Reagan: The Role of a Lifetime. PublicAffairs.