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Lebensgeschichten, die die Welt bewegten — sorgfältig recherchiert, lesbar erzählt.

Wissenschaft · Frankreich, Russland, Zweite Polnische Republik · 1867–1934

Marie Curie

Sie prägte den Begriff der Radioaktivität, entdeckte zwei Elemente und veränderte die Wissenschaft in einer Zeit, als Frauen der Zugang zu ihr verwehrt war

Marie Curie in ihrem Pariser Labor um 1912, sie sitzt an einem Tisch mit wissenschaftlichen Apparaturen und blickt nachdenklich auf ihre Instrumente.
Marie Curie · Wikimedia Commons · Henri Manuel · PD

Marie Curie (1867–1934) war eine polnisch-französische Physikerin und Chemikerin, die als Pionierin auf dem Forschungsfeld der Radioaktivität gilt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Pierre Curie entdeckte sie die Elemente Polonium und Radium. Sie ist die erste Frau, die einen Nobelpreis erhielt, und die einzige Person, der die Auszeichnung in zwei unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen zuerkannt wurde.

In einem zugigen Schuppen in der Pariser Rue Lhomond, einer ehemaligen Sezierhalle der Hochschule für Physik und Chemie, stand eine junge Frau und rührte stundenlang in einem brodelnden Kessel. Die Arbeit war körperlich zermürbend, die Dämpfe ätzten in der Lunge. Doch in diesem Kessel befand sich Pechblende, ein uranhaltiges Mineral, aus dem Maria Skłodowska, die bald die Welt als Marie Curie kennen würde, eine Substanz zu isolieren versuchte, deren Strahlung stärker war als alles, was man bis dahin kannte. Es war der Beginn einer wissenschaftlichen Revolution.

Marie Curies Leben ist die Geschichte einer unbeirrbaren wissenschaftlichen Leidenschaft, die sich gegen gesellschaftliche Widerstände und persönliche Schicksalsschläge behauptete. Ihre Biografie ist nicht nur die Erzählung von der Entdeckung zweier Elemente, sondern auch das Porträt einer Frau, die die akademische Welt für immer veränderte.

Inhalt (6)
Jahre Institution Position / Forschung Bedeutung
1891–1894 Sorbonne, Paris Studium der Physik & Mathematik Abschluss als Jahrgangsbeste in Physik, als eine der wenigen Frauen.
1897–1903 EPCI, Paris Doktorarbeit Entdeckung von Polonium (1898) und Radium (1898).
1903 Nobelkomitee Nobelpreis für Physik Geteilt mit Pierre Curie & Henri Becquerel für die Erforschung der Radioaktivität.
1906–1934 Sorbonne, Paris Professorin (Lehrstuhl für Physik) Erste Frau auf einem Lehrstuhl in der Geschichte der Sorbonne.
1911 Nobelkomitee Nobelpreis für Chemie Alleinige Auszeichnung für die Isolierung von reinem Radium.
1914–1934 Radium-Institut, Paris Institutsleiterin Aufbau zu einem führenden Forschungszentrum der Kernphysik.

Von Warschau nach Paris: Eine unstillbare Wissbegier

Geboren als Maria Salomea Skłodowska am 7. November 1867 in Warschau, wuchs sie im russisch besetzten Polen auf. Da Frauen dort das Studium verwehrt war, schloss sie sich der geheimen „Fliegenden Universität“ an, bevor sie 1891 nach Paris zog, um an der Sorbonne Physik und Mathematik zu studieren.

Das intellektuelle Klima im Hause Skłodowski war prägend. Der Vater Władysław, ein Lehrer für Mathematik und Physik, und die Mutter Bronisława, eine Schulleiterin, gehörten zur polnischen Intelligenzija. Doch die politische Realität war erdrückend. Nach dem gescheiterten Januaraufstand von 1863 erlebte Polen eine Welle der Russifizierung; der Unterricht in polnischer Sprache und Geschichte fand im Geheimen statt. Diese Erfahrung schärfte Marias Willen und ihre Widerstandsfähigkeit. Der frühe Tod der an Tuberkulose erkrankten Mutter und die finanzielle Not der Familie zwangen sie und ihre Schwester Bronia, einen Pakt zu schließen: Maria würde als Hauslehrerin arbeiten, um Bronias Medizinstudium in Paris zu finanzieren, danach sollte Bronia sie unterstützen.

Die Jahre als Gouvernante waren eine Zeit der intellektuellen Isolation, aber auch der Selbstbildung. Abends vertiefte sie sich in die Werke der Physik und Chemie und führte im Labor ihres Cousins Józef Boguski, einem ehemaligen Assistenten von Dmitri Mendelejew, erste eigene Experimente durch. Diese festigten ihren Entschluss. 1891, im Alter von 24 Jahren, folgte sie ihrer Schwester nach Paris. An der Sorbonne, einer der renommiertesten Hochschulen Europas, war sie eine von nur 23 weiblichen Studierenden unter fast 2000 in der naturwissenschaftlichen Fakultät. Sie lebte asketisch in einem kleinen Zimmer im Quartier Latin, oft hungernd und frierend, aber getrieben von einem unbändigen Lerneifer. 1893 schloss sie ihr Physikstudium als Beste ab, 1894 folgte das Lizenziat in Mathematik als Zweitbeste.

Im Schuppen der Rue Lhomond: Die Entdeckung zweier Elemente

Im Frühjahr 1894 traf sie den Physiker Pierre Curie. Aus der wissenschaftlichen Zusammenarbeit an den magnetischen Eigenschaften von Stahl erwuchs eine tiefe persönliche und intellektuelle Partnerschaft. Sie heirateten 1895. Für ihre Doktorarbeit wählte Marie die kurz zuvor von Henri Becquerel entdeckten „Uranstrahlen“ als Forschungsfeld.

Marie Curie
Portrait of Maria Skłodowska-Curie (November 7, 1867 – July 4, 1934), sometime prior to 1907. · Wikimedia Commons · PD

Die Hypothese, die Marie Curies Arbeit leitete, war kühn: Die von Uranverbindungen ausgehende Strahlung musste eine Eigenschaft des Atoms selbst sein, unabhängig von äußeren Bedingungen. Mit einem von Pierre entwickelten Elektrometer führte sie präzise Messungen durch und stellte fest, dass das Mineral Pechblende eine weitaus höhere Aktivität aufwies, als es ihr Urangehalt erklären konnte. Daraus schloss sie, dass in der Pechblende ein oder mehrere bisher unbekannte, stark strahlende Elemente enthalten sein mussten. Pierre, fasziniert von der Tragweite dieser Idee, legte seine eigene Forschung beiseite, um sich ganz ihrem Projekt anzuschließen.

Ihre Arbeitsstätte wurde ein einfacher Schuppen auf dem Gelände der École municipale de physique et de chimie industrielles (EPCI). In einem langwierigen, physisch anstrengenden Prozess verarbeiteten sie Tonnen von Pechblende, die sie aus der Bergbaustadt Sankt Joachimsthal erhielten. Im Juli 1898 gaben sie die Entdeckung eines neuen Elements bekannt, das sie zu Ehren von Maries Heimat „Polonium“ nannten. Ihre gemeinsame Veröffentlichung in den Berichten der Académie des sciences prägte erstmals den Begriff „radioaktiv“. Wenige Monate später, im Dezember 1898, folgte der Nachweis eines zweiten, noch weitaus aktiveren Elements: Radium. Dessen Existenz wurde durch eine neue Spektrallinie bestätigt, die der Spektroskopiker Eugène-Anatole Demarçay identifizierte.

Der doppelte Nobelpreis und der jähe Verlust

1903 erhielten Marie und Pierre Curie gemeinsam mit Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik für ihre Forschungen zu Strahlungsphänomenen. Nach Pierres tragischem Unfalltod 1906 übernahm Marie seinen Lehrstuhl an der Sorbonne und wurde die erste Professorin in der Geschichte der Universität.

Marie Curie
Diploma of Nobel Prize in Physics, awarded in december 1903 to Pierre and Marie Curie. Both shared this distinction with Henri Becquerel, whose name is mentioned on the document. · Wikimedia Commons · PD

Der Nobelpreis katapultierte das zurückgezogen lebende Forscherpaar ins Licht der Weltöffentlichkeit. Die Presse stilisierte ihre Arbeit zu einer „Idylle im Physiklabor“, doch die Curies litten unter dem plötzlichen Ruhm, der ihre Forschung behinderte. Die gesundheitlichen Folgen ihrer Arbeit wurden ebenfalls spürbar; beide litten an den Symptomen der Strahlenkrankheit, deren Ursachen damals noch unbekannt waren. 1904 wurde ihre zweite Tochter Ève geboren, doch das Familienglück war von kurzer Dauer. Am 19. April 1906 wurde Pierre Curie auf einer regennassen Straße von einem Pferdefuhrwerk überrollt und starb. Der Verlust stürzte Marie Curie in eine tiefe Depression.

Man bemerkt nie, was schon getan wurde; man sieht nur, was noch zu tun bleibt.

Doch sie gab nicht auf. Wenige Wochen nach Pierres Tod bot ihr die Sorbonne seinen Lehrstuhl für Allgemeine Physik an. Ihre Antrittsvorlesung am 5. November 1906 war ein historisches Ereignis. Sie betrat den Hörsaal und begann ihre Ausführungen exakt an der Stelle, an der Pierre seine letzte Vorlesung beendet hatte. Es war ein stilles, aber kraftvolles Zeichen ihrer Entschlossenheit, sein wissenschaftliches Erbe fortzuführen. Ihre Forschung konzentrierte sie nun auf die Isolierung von Radium in reiner metallischer Form, um dessen Atomgewicht exakt zu bestimmen und seinen Platz im Periodensystem der Elemente zweifelsfrei zu beweisen. Diese Arbeit brachte ihr 1911 den zweiten Nobelpreis ein, diesmal für Chemie und allein ihr zuerkannt.

Eine Frau in der Akademie: Zwischen Anerkennung und Anfeindung

Trotz ihres zweiten Nobelpreises erlebte Curie 1911 ein Jahr der öffentlichen Demütigung. Ihre Bewerbung um einen Sitz in der französischen Académie des sciences wurde abgelehnt, und eine Affäre mit dem verheirateten Physiker Paul Langevin löste einen Presseskandal mit fremdenfeindlichen und sexistischen Untertönen aus.

Die Kandidatur für die Académie des sciences war ein Wagnis. Die ehrwürdige Institution hatte in ihrer über 200-jährigen Geschichte noch nie eine Frau aufgenommen. Die Abstimmung am 23. Januar 1911 verlor sie knapp gegen den Physiker Édouard Branly. Die Niederlage war weniger eine wissenschaftliche als eine politische und gesellschaftliche. Konservative Kreise hatten eine Kampagne gegen die „Fremde“, die „Intellektuelle“ und „Atheistin“ geführt. Der Skandal eskalierte, als im Herbst desselben Jahres die Boulevardpresse Briefe zwischen Marie Curie und ihrem Kollegen Paul Langevin veröffentlichte. Die Öffentlichkeit, die sie eben noch als wissenschaftliche Heldin gefeiert hatte, brandmarkte sie nun als Ehebrecherin.

Mitten in diesem Tumult traf die Nachricht aus Stockholm ein, dass ihr der Nobelpreis für Chemie verliehen werden sollte. Einige Mitglieder des Nobelkomitees legten ihr nahe, aufgrund des Skandals auf die Annahme zu verzichten. Ihre Antwort war unmissverständlich: Sie bestand darauf, dass der Preis eine Anerkennung ihrer wissenschaftlichen Leistung sei und ihr Privatleben dabei keine Rolle spiele. Im Dezember 1911 reiste sie nach Stockholm und nahm die Auszeichnung entgegen. Es war ein Akt der Selbstbehauptung, der ihre Position als eine der bedeutendsten Wissenschaftlerinnen ihrer Zeit zementierte.

Die „petites Curies“ und das Vermächtnis des Radium-Instituts

Während des Ersten Weltkriegs entwickelte und leitete Marie Curie einen mobilen Röntgendienst. Mit kleinen, als „petites Curies“ bekannten Fahrzeugen brachte sie die Röntgentechnik direkt an die Front. Nach dem Krieg baute sie das Pariser Radium-Institut zu einem weltweit führenden Zentrum der Kernphysik aus, das sie bis zu ihrem Tod leitete.

Der Ausbruch des Krieges 1914 unterbrach ihre Grundlagenforschung. Curie erkannte sofort das Potenzial der Röntgenstrahlen für die medizinische Diagnostik bei Kriegsverletzungen. Sie sammelte Gelder, stattete Fahrzeuge mit Röntgengeräten und Dynamos aus und bildete zusammen mit ihrer Tochter Irène Hunderte von Helferinnen zu Radiologinnen aus. Diese mobilen Einheiten ermöglichten es, Granatsplitter und Kugeln in den Körpern verwundeter Soldaten zu lokalisieren und so unzählige Leben zu retten und Amputationen zu verhindern. Sie selbst fuhr unermüdlich an die Front, um die Geräte zu bedienen und zu warten.

Nach dem Krieg widmete sie ihre ganze Energie dem Aufbau des Radium-Instituts (heute Institut Curie), das 1914 fertiggestellt, aber erst nach Kriegsende in Betrieb genommen wurde. Es wurde zu einer Brutstätte für eine neue Generation von Physikern und Chemikern, darunter ihre Tochter Irène Joliot-Curie und deren Mann Frédéric Joliot, die 1935 ebenfalls den Nobelpreis für Chemie erhalten sollten. Marie Curie setzte sich unermüdlich für die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit und die Förderung von Frauen in der Forschung ein. Die jahrzehntelange intensive Strahlenexposition forderte jedoch ihren Tribut. Am 4. Juli 1934 starb Marie Curie in Sancellemoz, Frankreich, an den Folgen einer aplastischen Anämie, die durch ihre Arbeit mit radioaktiven Substanzen verursacht worden war.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde Marie Curie geboren und wann starb sie?

Marie Curie wurde am 7. November 1867 als Maria Salomea Skłodowska in Warschau, damals Teil des Russischen Kaiserreichs, geboren. Sie starb am 4. Juli 1934 im Alter von 66 Jahren im Sanatorium von Sancellemoz in Frankreich.

Wofür ist Marie Curie bekannt?

Marie Curie ist bekannt für ihre bahnbrechende Forschung zur Radioaktivität, ein von ihr geprägter Begriff. Sie entdeckte gemeinsam mit ihrem Mann Pierre Curie die chemischen Elemente Polonium und Radium und war die erste Frau, die einen Nobelpreis erhielt.

Welche Elemente entdeckte Marie Curie?

Marie Curie entdeckte zwei neue chemische Elemente. Im Juli 1898 identifizierte sie Polonium, das sie nach ihrer Heimat Polen benannte. Im Dezember desselben Jahres wies sie zusammen mit Pierre Curie die Existenz des noch stärker radioaktiven Elements Radium nach.

War Marie Curie verheiratet und hatte sie Kinder?

Ja, Marie Curie war mit dem französischen Physiker Pierre Curie von 1895 bis zu seinem Tod 1906 verheiratet. Das Paar hatte zwei Töchter: Irène Joliot-Curie (geboren 1897), die ebenfalls Nobelpreisträgerin wurde, und Ève Curie (geboren 1904), eine bekannte Schriftstellerin.

Woran starb Marie Curie?

Marie Curie starb an aplastischer Anämie, einer seltenen Erkrankung des Knochenmarks, bei der der Körper nicht mehr genügend neue Blutzellen produziert. Es wird allgemein angenommen, dass die Krankheit durch ihre langjährige, ungeschützte Exposition gegenüber ionisierender Strahlung während ihrer Forschung verursacht wurde.

Welchen Einfluss hatte Marie Curie auf die Nachwelt?

Ihr Einfluss ist immens. Sie legte die Grundlagen für die Kernphysik und die Strahlentherapie zur Krebsbehandlung. Als erste Professorin an der Sorbonne und zweifache Nobelpreisträgerin brach sie Barrieren für Frauen in der Wissenschaft und inspirierte Generationen von Forscherinnen weltweit.

Normdaten und externe Verzeichnisse

Quellen und weiterführende Literatur

  • Quinn, S. (1996). Marie Curie: A Life. Da Capo Press.
  • Goldsmith, B. (2005). Obsessive Genius: The Inner World of Marie Curie. W. W. Norton & Company.
  • Curie, E. (1938). Madame Curie: A Biography. Doubleday, Doran & Company.
  • Pflaum, R. (1991). Grand Obsession: Madame Curie and Her World. Doubleday.
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