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Politik · Österreich · 1717–1780

Maria Theresia von Österreich

Eine junge Frau erbt ein bröckelndes Reich und formt es wider alle Erwartungen zu einer europäischen Großmacht

Offizielles Porträt von Maria Theresia von Österreich um 1759, gemalt von Martin van Meytens, das sie als Kaiserinwitwe in Trauerkleidung zeigt.
Maria Theresia von Österreich · Wikimedia Commons · Martin van Meytens · PD

Maria Theresia von Österreich (1717–1780) war eine Fürstin aus dem Hause Habsburg und eine der prägendsten Monarchinnen des aufgeklärten Absolutismus. Als Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen verteidigte sie ihre Herrschaft im Österreichischen Erbfolgekrieg und initiierte weitreichende Staats-, Justiz- und Bildungsreformen.

Als Kaiser Karl VI. am 20. Oktober 1740 starb, hinterließ er seiner Tochter ein Reich, das in seiner Ausdehnung gewaltig, in seiner Verwaltung jedoch brüchig war. Maria Theresia, 23 Jahre alt und auf die Regierungsgeschäfte kaum vorbereitet, fand sich plötzlich an der Spitze der Habsburgermonarchie wieder – mit leeren Kassen, einer schwachen Armee und Nachbarn, die in der Pragmatischen Sanktion nicht mehr als ein Stück Papier sahen.

Ihre vierzigjährige Herrschaft wurde zu einem unerbittlichen Kampf um die Behauptung ihres Erbes und zu einem monumentalen Projekt der Modernisierung, das den habsburgischen Vielvölkerstaat für das kommende Jahrhundert formen sollte.

Inhalt (5)
Jahre Amt / Funktion Reich / Dynastie Bedeutung
1740–1780 Erzherzogin von Österreich, Königin von Ungarn und Böhmen Habsburgermonarchie Sicherung der Erbfolge im Österreichischen Erbfolgekrieg
1745–1765 Kaiserin-Gemahlin Heiliges Römisches Reich Wahl ihres Gatten Franz I. zum Kaiser
ab 1749 Initiatorin der Theresianischen Staatsreformen Habsburgermonarchie Zentralisierung von Verwaltung, Militär und Bildungswesen
1765–1780 Mitregentin mit Joseph II. Habsburgermonarchie Spannungsreiche Doppelherrschaft, Mäßigung radikaler Reformen
1772 Beteiligung an der Ersten Teilung Polens Habsburgermonarchie Widerwilliger, aber signifikanter Territorialgewinn (Galizien)
1774 Einführung der Allgemeinen Schulordnung Habsburgermonarchie Grundstein für ein staatliches Volksschulwesen

Eine Erbin wider Willen

Geboren am 13. Mai 1717 in Wien als Tochter Kaiser Karls VI., war ihre Thronfolge durch die Pragmatische Sanktion von 1713 nur theoretisch gesichert. Sie erhielt keine staatsmännische Ausbildung. 1736 heiratete sie Franz Stephan von Lothringen, der später zum Kaiser gewählt wurde.

Die Geburt Maria Theresias war für das Haus Habsburg Segen und Problem zugleich. Nachdem ihr älterer Bruder kurz nach der Geburt gestorben war, blieb Kaiser Karl VI. ohne männlichen Erben. Um die Unteilbarkeit der habsburgischen Lande zu sichern und die Erbfolge seiner ältesten Tochter zu ermöglichen, hatte er bereits 1713 die Pragmatische Sanktion erlassen. Dieses staatsrechtliche Dokument sollte die weibliche Thronfolge legitimieren – ein Bruch mit der salischen Tradition. Karl VI. investierte Jahre diplomatischer Mühen, um die Anerkennung dieses Edikts bei den europäischen Mächten zu erwirken. Doch die Zusagen, die er erhielt, erwiesen sich als brüchig.

Paradoxerweise wurde Maria Theresia trotz dieser weitreichenden Vorkehrung nicht auf ihre künftige Rolle als Herrscherin vorbereitet. Ihre Erziehung, geleitet von der Gräfin Karoline von Fuchs-Mollard, konzentrierte sich auf Sprachen, Religion und die höfischen Künste. Sie lernte Latein, Französisch und Italienisch, doch Einblicke in die komplexen Regierungsgeschäfte oder militärische Strategien blieben ihr verwehrt. Später beklagte sie sich in ihren Schriften, ihr Vater habe es „niemals gefällig ware, mich zur Erledigung weder aus auswärtigen noch inneren Geschäften beizuziehen noch zu informieren“. Sie betrat die politische Bühne als eine Autodidaktin, angewiesen auf ihren Instinkt und einen kleinen Kreis von Beratern, die sie vom Vater übernahm.

In einer Zeit, in der Ehen rein politische Instrumente waren, setzte Maria Theresia ihre persönliche Wahl durch: die Heirat mit Franz Stephan von Lothringen. Sie kannten und schätzten sich seit seiner Jugend am Wiener Hof. Die Verbindung, am 12. Februar 1736 in der Augustinerkirche geschlossen, war von tiefer Zuneigung geprägt und brachte 16 Kinder hervor. Politisch war der Preis hoch: Franz Stephan musste auf sein Herzogtum Lothringen verzichten. Doch diese Ehe begründete das Haus Habsburg-Lothringen, das bis 1918 regieren sollte, und gab Maria Theresia einen Partner, der sich zwar aus der großen Politik heraushielt, aber durch sein finanzielles Geschick das Vermögen der Familie sicherte.

Der Thron in Flammen

Unmittelbar nach ihrem Regierungsantritt 1740 marschierte Friedrich II. von Preußen in Schlesien ein und löste den Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748) aus. Eine breite Koalition sprach ihr das Erbe ab. Erst der Frieden von Aachen 1748 sicherte ihre Herrschaft, wenn auch unter Verlust Schlesiens.

Maria Theresia von Österreich
portrait gravé · Wikimedia Commons · PD

Die Tinte auf den Beileidsbekundungen zum Tode Karls VI. war kaum getrocknet, als die europäischen Mächte ihre Zusagen zur Pragmatischen Sanktion vergaßen. Der junge preußische König Friedrich II. nutzte die vermeintliche Schwäche der neuen Herrscherin und marschierte ohne Kriegserklärung in die reiche Provinz Schlesien ein. Dies war der Auftakt zum Österreichischen Erbfolgekrieg. Bayern, Sachsen, Frankreich und Spanien schlossen sich der Allianz gegen Österreich an, jeder mit eigenen Ansprüchen auf Teile des Habsburgerreiches. Plötzlich stand Maria Theresia, wie sie selbst schrieb, „ohne Geld, ohne Credit, ohne Armee, ohne eigene Erfahrung und Kenntnis“ da, umgeben von Feinden.

In dieser verzweifelten Lage zeigte sich ihre wahre Statur. Statt zu verhandeln, entschied sie sich zum Kampf. Ein Schlüsselmoment war ihr Auftritt vor dem ungarischen Reichstag in Pressburg am 11. September 1741. In schwarzer Trauerkleidung, mit ihrem kleinen Sohn Joseph im Arm, appellierte sie an die ungarischen Stände. Ihr emotionaler Auftritt bewegte die Magnaten, die ihr unter dem berühmten Ausruf „Vitam et sanguinem pro rege nostro Maria Theresia!“ („Unser Leben und Blut für unseren König Maria Theresia!“) die Unterstützung ihrer Truppen zusicherten. Dieses Bündnis rettete ihre Krone. Währenddessen verlor sie eine andere: Erstmals seit Jahrhunderten wurde mit dem Wittelsbacher Karl VII. kein Habsburger zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt.

So ist ein Landesfürst schuldig, zu Aufnahme oder Erleichterung seiner Länder und Unterthanen wie auch deren Armen, alles anzuwenden.

Der Krieg wogte acht Jahre lang durch Europa. Maria Theresia lernte schnell, ihre Generäle zu führen und diplomatische Allianzen zu schmieden. Ihr engster Berater in dieser Zeit, Johann Christoph Freiherr von Bartenstein, half ihr, einen klaren Kurs zu halten. Nach dem frühen Tod Karls VII. im Jahr 1745 gelang es ihr, die Wahl ihres Gatten Franz Stephan zum neuen Kaiser durchzusetzen, was ihre Position erheblich stärkte. Der Frieden von Aachen 1748 beendete den Krieg. Sie musste den Verlust des größten Teils von Schlesien an Preußen und einiger italienischer Gebiete an Spanien anerkennen, doch der Kern der Habsburgermonarchie war gerettet. Sie hatte sich auf der europäischen Bühne behauptet.

Die Neuordnung des Staates

Der Verlust Schlesiens wurde zum Motor für eine umfassende Staatsreform. Unter Beratern wie Friedrich Wilhelm von Haugwitz und Wenzel Anton Kaunitz zentralisierte sie die Verwaltung, modernisierte das Heer nach preußischem Vorbild und schuf ein einheitliches Strafrecht, den Codex Theresianus (1769).

Maria Theresia von Österreich
portrait gravé · Wikimedia Commons · PD

Die Erfahrung des Krieges hatte die Schwächen des dezentralisierten, von ständischen Privilegien geprägten Staates offengelegt. Maria Theresia erkannte, dass nur ein grundlegender Umbau der Verwaltung und des Militärs das Überleben der Monarchie sichern konnte. Sie begann eine Epoche tiefgreifender Reformen, die vom Geist des aufgeklärten Absolutismus getragen waren. Der preußische Gegner wurde dabei zum Vorbild. An die Stelle der zersplitterten Länderverwaltungen trat ein zentralisierter Staatsapparat, der von Wien aus gelenkt wurde. Mit der Gründung des *Directorium in publicis et cameralibus* 1749 schuf sie eine oberste Behörde für innere und finanzielle Angelegenheiten, die die Macht der Stände zurückdrängte.

Die Heeresreform war eine direkte Konsequenz der Niederlagen gegen Friedrich II. Die Armee wurde verdoppelt, die Ausbildung professionalisiert und 1751 die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt als Ausbildungsstätte für Offiziere gegründet. Außenpolitisch vollzog ihr Staatskanzler Wenzel Anton von Kaunitz eine diplomatische Revolution: das Bündnis mit dem traditionellen Feind Frankreich, um Preußen zu isolieren. Dies führte zum Siebenjährigen Krieg (1756–1763), in dem Maria Theresia vergeblich versuchte, Schlesien zurückzuerobern. Trotz militärischer Achtungserfolge musste sie im Frieden von Hubertusburg 1763 endgültig auf die Provinz verzichten.

Ihre Reformtätigkeit erstreckte sich auch auf das Justiz- und Bildungswesen. Mit der *Constitutio Criminalis Theresiana* wurde 1769 ein einheitliches Strafgesetzbuch für die Erblande geschaffen, das zwar noch die Folter vorsah (diese wurde erst 1776 abgeschafft), aber einen ersten Schritt zur Rechtsvereinheitlichung darstellte. Ein Meilenstein war die Allgemeine Schulordnung von 1774, entworfen von Johann Ignaz von Felbiger. Sie führte die allgemeine Unterrichtspflicht für alle Kinder von sechs bis zwölf Jahren ein und legte den Grundstein für ein staatliches Volksschulwesen. Damit verfolgte sie das Ziel, gebildete und loyale Untertanen für den Dienst am Staat heranzuziehen.

Mutter, Monarchin und Mitregentin

Nach dem Tod ihres Gatten Franz Stephan 1765 ernannte sie ihren ältesten Sohn Joseph II. zum Mitregenten. Ihre Beziehung war von politischen Differenzen geprägt. In ihren späten Jahren erwarb sie Galizien im Zuge der Ersten Polnischen Teilung (1772) und starb am 29. November 1780 in Wien.

Der plötzliche Tod ihres geliebten Gatten Franz Stephan im Jahr 1765 stürzte Maria Theresia in eine tiefe persönliche Krise. Sie legte die bunte Kleidung ab und trug bis an ihr Lebensende nur noch Witwenschwarz. Gleichzeitig begann eine neue politische Ära: die Mitregentschaft mit ihrem Sohn Joseph II., der bereits 1764 zum römisch-deutschen König gekrönt worden war. Diese Zusammenarbeit gestaltete sich als äußerst schwierig. Während die pragmatische und tief religiöse Maria Theresia auf schrittweise Reformen setzte, drängte der radikal aufklärerische Joseph auf schnelle und oft rücksichtslose Veränderungen. Ihr Briefwechsel zeugt von einem ständigen Ringen zwischen Mutter und Sohn, zwischen bewahrender und revolutionärer Staatskunst.

Ein Beispiel für ihre Differenzen war die Erste Teilung Polens 1772. Auf Druck von Preußen und Russland stimmte Maria Theresia nur widerwillig der Annexion Galiziens zu. Sie kommentierte den Vorgang mit den Worten: „Sie ist eine Ungerechte und Unehrliche, ich weiß nicht, ob ich es überleben werde, was für ein Exempel geben wir allen Völkern, um alle alten Verträge zu verletzen.“ Dennoch nahm sie das neue Territorium für ihre Monarchie an. Ihre späte Herrschaft war geprägt von dem Versuch, die radikalen Pläne ihres Sohnes zu mäßigen und die Einheit der Familie und des Reiches zu wahren. Sie war nicht nur Herrscherin, sondern auch Matriarchin eines weitverzweigten Familiennetzwerks, zu dem auch ihre jüngste Tochter Marie-Antoinette, die Königin von Frankreich, gehörte.

Als Maria Theresia am 29. November 1780 in Wien starb, hinterließ sie ein grundlegend verändertes Reich. Aus einem lockeren Verbund von Kronländern mit starken Ständerechten hatte sie einen modernen, zentralisierten Staat geformt. Ihre Reformen hatten den Grundstein für die Verwaltung, das Bildungssystem und das Militär des Habsburgerreiches gelegt, das bis 1918 Bestand haben sollte. Sie hatte bewiesen, dass eine Frau nicht nur herrschen, sondern ein Reich in seiner schwersten Krise retten und für die Zukunft neu gestalten konnte.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde Maria Theresia geboren und wann starb sie?

Maria Theresia wurde am 13. Mai 1717 in der Hofburg in Wien geboren. Sie starb am 29. November 1780 im Alter von 63 Jahren ebenfalls in Wien. Ihre 40-jährige Herrschaft über die Habsburgermonarchie begann nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1740.

Wofür ist Maria Theresia bekannt?

Maria Theresia ist als einzige weibliche Herrscherin des Hauses Habsburg bekannt. Sie verteidigte ihren Thronanspruch im Österreichischen Erbfolgekrieg und gilt als eine Schlüsselfigur des aufgeklärten Absolutismus, die durch weitreichende Reformen den modernen österreichischen Staat schuf.

Welche wichtigen Reformen führte Maria Theresia durch?

Zu ihren wichtigsten Reformen zählen die Zentralisierung der Staatsverwaltung, die Modernisierung des Heeres mit der Gründung der Theresianischen Militärakademie sowie die Einführung der allgemeinen Schulpflicht mit der Allgemeinen Schulordnung von 1774.

War Maria Theresia verheiratet und hatte sie Kinder?

Ja, sie heiratete 1736 Franz Stephan von Lothringen. Aus ihrer als liebevoll geltenden Ehe gingen 16 Kinder hervor, darunter die späteren Kaiser Joseph II. und Leopold II. sowie Marie-Antoinette, die letzte Königin von Frankreich vor der Revolution.

Woran starb Maria Theresia?

Die genaue Todesursache ist nicht eindeutig überliefert. Maria Theresia starb nach kurzer, schwerer Krankheit, die von hohem Fieber und Schüttelfrost begleitet war. Historiker vermuten eine Lungenentzündung oder eine Folge ihrer Pockenerkrankung aus dem Jahr 1767.

Welchen Einfluss hatte Maria Theresia auf die Nachwelt?

Maria Theresias nachhaltiger Einfluss liegt in der Konsolidierung und Modernisierung des Habsburgerreiches. Ihre administrativen, rechtlichen und bildungspolitischen Reformen schufen die Strukturen eines Zentralstaates, auf denen ihre Nachfolger aufbauen konnten.

Normdaten und externe Verzeichnisse

Quellen und weiterführende Literatur

  • Stollberg-Rilinger, B. (2017). Maria Theresia: Die Kaiserin in ihrer Zeit. Eine Biographie. C.H. Beck.
  • Beales, D. (2005). Enlightenment and Reform in Eighteenth-Century Europe. I.B. Tauris.
  • Vocelka, K. (2017). Maria Theresia: Die Reformerin. Styria Premium.
  • https://www.habsburger.net/de/personen/habsburger-herrscher/maria-theresia
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