Mai Thi Nguyen-Kim (geboren am 7. August 1987) ist eine deutsche Chemikerin, Wissenschaftsjournalistin und Fernsehmoderatorin. Sie ist bekannt für ihre Fähigkeit, komplexe wissenschaftliche Themen einem breiten Publikum durch ihre YouTube-Kanäle, Fernsehsendungen wie „MaiThink X“ und Bestseller-Bücher zugänglich und verständlich zu machen.
Ein Scheinwerferkegel, der Holzboden vibriert im Rhythmus von Dutzenden klackender Schuhe. Im Jahr 2009 steht sie mit den Penguin Tappers aus Hemsbach auf der Bühne der Stepptanz-Weltmeisterschaft in Riesa und gewinnt den Titel. Es ist eine Welt der Präzision, des Timings und der einstudierten Choreografie – Eigenschaften, die auch ihre spätere Arbeit prägen werden. Damals ahnte niemand, dass diese junge Frau nicht auf den Bühnen des Showbusiness, sondern in den Laboren und Fernsehstudios Deutschlands eine ganz andere Art von Choreografie perfektionieren würde: die elegante und exakte Vermittlung von Wissenschaft an ein Millionenpublikum. Der Weg dorthin führte über das Periodensystem, Forschungsaufenthalte in den USA und eine Promotion über physikalische Hydrogele.
Ihre Arbeit verbindet die Strenge der chemischen Forschung mit der Reichweite digitaler Medien. Sie wurde zur Stimme der wissenschaftlichen Vernunft in einer Zeit der Desinformation.
Inhalt (5)
| Jahr | Werk / Format | Gattung / Medium | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| seit 2016 | MaiThink X (früher maiLab) | YouTube-Kanal | Zentraler Kanal ihrer Wissenschaftskommunikation, mehrfach ausgezeichnet. |
| 2018–2021 | Quarks | TV-Moderation (WDR) | Moderation eines etablierten deutschen Wissenschaftsmagazins. |
| 2019 | Komisch, alles chemisch! | Sachbuch | Spiegel-Bestseller, der Chemie im Alltag erklärt. |
| 2021 | Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit | Sachbuch | Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste, behandelt wissenschaftliches Denken. |
| seit 2021 | MaiThink X – Die Show | TV-Show (ZDFneo) | Eigenes Show-Format, das wissenschaftliche Themen gesellschaftlich einordnet. |
| 2021 | Wunderwelt Chemie | TV-Dokumentation (ZDF) | Dreiteilige Terra-X-Reihe über die Grundlagen der Chemie. |
Vom Labor in Hemsbach nach Harvard
Geboren am 7. August 1987 in Heppenheim als Tochter vietnamesischer Einwanderer, wuchs sie in Hemsbach auf. Nach dem Abitur studierte sie Chemie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und am MIT. 2017 promovierte sie an der Universität Potsdam über physikalische Hydrogele.
Das Interesse für Naturwissenschaften wurde früh geweckt. Ihr Vater, selbst Chemiker bei BASF, legte den Grundstein. Doch ihr Leben bestand nicht nur aus Formeln. Eine intensive Leidenschaft galt dem Formationsstepptanz, der sie bis zum Weltmeistertitel führte. Diese Disziplin schulte Rhythmus und Präzision. Sie lernte, komplexe Abläufe perfekt zu synchronisieren. Eine Fähigkeit, die sich später in der strukturierten Aufbereitung komplizierter Sachverhalte wiederfindet.
Ihr akademischer Weg war stringent und international. Als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes absolvierte sie einen Forschungsaufenthalt am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Für ihre Doktorarbeit forschte die Chemikerin ab 2012 an der RWTH Aachen, der Harvard University und dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung. Ihre Dissertation mit dem Titel „Physikalische Hydrogele auf Polyurethan-Basis“ verteidigte sie 2017 erfolgreich an der Universität Potsdam. Die akademische Laufbahn schien vorgezeichnet. Doch sie wählte einen anderen Weg.
Die Anfänge auf YouTube
Ihre Karriere in der Wissenschaftsvermittlung begann 2015 mit dem YouTube-Kanal „The Secret Life of Scientists“. Ab Oktober 2016 produzierte sie für das öffentlich-rechtliche Netzwerk funk den Kanal „schönschlau“, der 2018 in „maiLab“ umbenannt wurde und heute „MaiThink X“ heißt.
Der erste Kanal war ein Experiment. Ein Versuch, das Klischee des weltfremden Nerds aufzubrechen und zu zeigen, dass Forschende vielseitige Interessen haben. Mit „schönschlau“ professionalisierte sich der Ansatz. Im Auftrag von funk, dem jungen Angebot von ARD und ZDF, produzierte der Südwestrundfunk ihre Videos. Das Ziel: Naturwissenschaften für ein junges Publikum verständlich machen. Die Themen reichten von Impfstoffen über den Klimawandel bis zur Chemie des Verliebtseins. Ihr Stil war von Beginn an klar, unaufgeregt und fundiert. Sie verzichtete auf reißerische Vereinfachungen und setzte auf transparente Quellenarbeit. Parallel moderierte die Wissenschaftlerin Formate wie „Auf Klo“ und produzierte Lernvideos für das Format „musstewissen“. Diese frühen Jahre waren eine Lehrzeit in digitaler Didaktik und der Kunst, Aufmerksamkeit zu gewinnen, ohne die wissenschaftliche Integrität zu opfern.
Wissenschaft ist nicht nur eine Meinung. Sie ist die beste Methode, die wir haben, um uns der Wahrheit anzunähern.
Mai Thi Nguyen-Kim: Stimme der Vernunft in der Pandemie
Anfang April 2020 veröffentlichte sie auf „maiLab“ das Video „Corona geht gerade erst los“. Es erreichte innerhalb von vier Tagen über vier Millionen Aufrufe und wurde zum meistgesehenen deutschen YouTube-Video des Jahres 2020. Dieser Erfolg machte sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt.
Das Video erschien zu einem Zeitpunkt globaler Verunsicherung. Die COVID-19-Pandemie warf Fragen auf, auf die es kaum gesicherte Antworten gab. In diesem Klima der Ungewissheit und aufkeimender Verschwörungstheorien bot ihr Beitrag eine Orientierung. Ruhig und gestützt auf epidemiologische Modelle erklärte die Chemikerin Begriffe wie Reproduktionszahl und exponentielles Wachstum. Der Erfolg des Videos katapultierte sie in eine neue Rolle. Sie wurde zur gefragten Expertin in Talkshows und sprach einen viel beachteten Kommentar in den Tagesthemen. In Interviews warnte Mai Thi Nguyen-Kim vor Desinformation und forderte eine stärkere Förderung der Medien- und Quellenkompetenz. Ihr Engagement bei der Initiative Scientists for Future unterstrich ihre Haltung, dass Wissenschaft eine gesellschaftliche Verantwortung trägt.
Zwischen Bestseller und Primetime
Mit ihren Büchern „Komisch, alles chemisch!“ (2019) und „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“ (2021) eroberte sie die Bestsellerlisten. Seit Oktober 2021 moderiert sie ihre eigene Sendung „MaiThink X – Die Show“ bei ZDFneo und ist ein prägendes Gesicht der Wissenschaftsformate im ZDF.
Der Wechsel von der reinen Online-Präsenz ins traditionelle Fernsehen und den Buchmarkt markierte den nächsten Schritt ihrer Laufbahn. Ihr erstes Buch, „Komisch, alles chemisch!“, übersetzte die Faszination der Chemie in alltägliche Phänomene. Der Nachfolger, „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“, ging tiefer. Er ist ein Plädoyer für die wissenschaftliche Methode als Werkzeug zur Unterscheidung von Fakten, Meinungen und Falschinformationen und erreichte Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste. Ihre exklusive Zusammenarbeit mit dem ZDF ab 2021 festigte ihren Status und stellte sie in eine Reihe mit etablierten Moderatoren wie Harald Lesch. Neben ihrer eigenen Show realisierte sie den aufwendigen Terra-X-Dreiteiler „Wunderwelt Chemie“. Ihre Berufung in den Senat der Max-Planck-Gesellschaft im Juni 2020 ist eine Anerkennung ihrer Verdienste durch die etablierte Wissenschaftsgemeinde. Als Nature Marsilius Gastprofessorin für Wissenschaftskommunikation an der Universität Heidelberg gibt sie ihr Wissen seit dem Wintersemester 2022 an Studierende weiter. Die Arbeit der Publizistin bleibt ein Seismograf für die großen Debatten unserer Zeit.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Mai Thi Nguyen-Kim geboren?
Mai Thi Nguyen-Kim wurde am 7. August 1987 in Heppenheim, Hessen, geboren. Sie wuchs in der nahegelegenen Stadt Hemsbach auf, wo ihr aus Vietnam stammender Vater als Chemiker arbeitete. Ihr familiärer Hintergrund prägte ihr frühes Interesse an Naturwissenschaften.
Wofür ist Mai Thi Nguyen-Kim bekannt?
Mai Thi Nguyen-Kim ist vor allem für ihre Arbeit als Wissenschaftsjournalistin und -kommunikatorin bekannt. Sie erklärt komplexe wissenschaftliche Themen verständlich in ihren YouTube-Kanälen (u. a. MaiThink X), Fernsehsendungen (z. B. „Quarks“, „MaiThink X – Die Show“) und Bestseller-Büchern.
Welche Bücher hat sie geschrieben?
Sie hat mehrere erfolgreiche Sachbücher veröffentlicht. Zu ihren bekanntesten Werken gehören „Komisch, alles chemisch!“ (2019) und „Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit“ (2021). Letzteres erreichte Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste und befasst sich mit wissenschaftlichem Denken.
Hat Mai Thi Nguyen-Kim Kinder?
Ja, sie ist Mutter von zwei Kindern. Seit 2017 ist sie mit dem Chemiker Matthias Maurer verheiratet. Ihre erste Tochter wurde 2020 geboren, ein weiteres Kind folgte im Jahr 2023. Sie spricht selten öffentlich über ihr Privatleben.
Welche Ausbildung hat die Chemikerin?
Mai Thi Nguyen-Kim ist promovierte Chemikerin. Sie studierte Chemie an der Universität Mainz und am MIT in den USA. Ihre Doktorarbeit über physikalische Hydrogele schloss sie 2017 an der Universität Potsdam ab, nach Forschungsaufenthalten an der RWTH Aachen und der Harvard University.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Nguyen-Kim, M. T. (2017). Physikalische Hydrogele auf Polyurethan-Basis. Dissertation, Universität Potsdam.
- Nguyen-Kim, M. T. (2021). Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit. Droemer Knaur.
- Amend, C. & Wegner, J. (2020, 23. Juli). Mai Thi Nguyen-Kim, rettet Wissenschaft die Welt? [Audio-Podcast]. In Alles gesagt?. Zeit Online.