Joseph Haydn (1732–1809) war ein österreichischer Komponist und zentraler Vertreter der Wiener Klassik. Als langjähriger Kapellmeister am Hof der Fürsten Esterházy entwickelte er die Gattungen der Sinfonie und des Streichquartetts maßgeblich weiter. Seine Oratorien „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“ gehören zu den Höhepunkten seines Spätwerks.
Im Jahr 1740 reiste Georg von Reutter, der musikalische Direktor des Wiener Stephansdoms, durch die Provinzen. Er suchte talentierte Knaben für seinen Chor. In Hainburg an der Donau fiel ihm ein Achtjähriger auf, dessen Stimme und musikalisches Gehör überzeugten. Reutter zögerte nicht. Er nahm den Jungen mit in die Hauptstadt des Habsburgerreiches. Neun Jahre verbrachte dieser Knabe, Joseph Haydn, als Sänger im Herzen der kaiserlichen Musikwelt. Diese Zeit legte das Fundament für eine Laufbahn, die die Musikgeschichte verändern sollte. Er erhielt Gesangs-, Klavier- und Violinunterricht, doch die Kunst der Komposition brachte er sich größtenteils selbst bei, indem er die Werke anderer studierte und unermüdlich experimentierte.
Sein Weg führte ihn aus der ländlichen Abgeschiedenheit des Burgenlandes in die Metropolen Europas und etablierte ihn als einen der Gründerväter der Wiener Klassik, dessen Einfluss bis heute nachwirkt.
Inhalt (5)
| Jahr | Werk | Gattung | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1761 | Sinfonien Nr. 6–8 („Die Tageszeiten“) | Sinfonie | Frühe programmatische Werke als Vizekapellmeister bei Esterházy. |
| 1772 | Streichquartette op. 20 („Sonnenquartette“) | Streichquartett | Setzen neue Maßstäbe durch kontrapunktische Arbeit und emotionale Tiefe. |
| 1785–1786 | Sinfonien Nr. 82–87 („Pariser Sinfonien“) | Sinfonie | Auftragswerke für Paris, die seinen europäischen Ruhm festigten. |
| 1791–1795 | Sinfonien Nr. 93–104 („Londoner Sinfonien“) | Sinfonie | Höhepunkt seines sinfonischen Schaffens, komponiert für seine Englandreisen. |
| 1797 | Streichquartette op. 76 (u.a. „Kaiserquartett“) | Streichquartett | Enthält die Melodie der späteren österreichischen Kaiserhymne. |
| 1798 | Die Schöpfung (Hob. XXI:2) | Oratorium | Ein Werk über die Erschaffung der Welt, in seiner Wirkung inspiriert von Händel. |
| 1801 | Die Jahreszeiten (Hob. XXI:3) | Oratorium | Schildert den Jahreslauf und das ländliche Leben in eindrücklichen Klangbildern. |
Vom Wagner-Sohn zum Wiener Chorknaben
Joseph Haydn wurde am 31. März 1732 in Rohrau, Niederösterreich, als Sohn eines Wagners geboren. Seine musikalische Begabung wurde früh erkannt, woraufhin er mit sechs Jahren zur Ausbildung nach Hainburg kam. 1740 entdeckte ihn Georg von Reutter und holte ihn als Chorknabe an den Stephansdom in Wien.
Das Elternhaus in Rohrau war handwerklich geprägt, nicht akademisch. Der Vater Mathias Haydn war Wagner und Marktrichter, die Mutter Maria Köchin. Noten lesen konnten sie nicht. Dennoch wurde im Haus und mit den Nachbarn viel gesungen, eine Praxis, die das Gehör des jungen Joseph schulte. Seine Musikalität fiel einem Verwandten, dem Schulrektor Johann Mathias Frankh in Hainburg, auf. Dorthin wurde der Sechsjährige geschickt, um die Grundlagen der Musik zu erlernen. Der Unterricht war streng. Die Zeit in Hainburg legte den Grundstein für seine spätere Disziplin. Zwei Jahre später führte ihn sein Weg nach Wien, eine entscheidende Wende.
Die Domkapelle zu St. Stephan war eine der führenden musikalischen Institutionen Europas. Hier erhielt Haydn eine umfassende musikalische Ausbildung, sang bei den wichtigsten kirchlichen und höfischen Anlässen und lernte ein breites Repertoire kennen. Einen formellen Kompositionsunterricht gab es jedoch kaum. Reutter korrigierte zwar seine ersten Versuche, doch das eigentliche Handwerk der Komposition erarbeitete Haydn im Selbststudium. Er studierte die Lehrwerke von Johann Joseph Fux, insbesondere den „Gradus ad Parnassum“, und die Schriften von Johann Mattheson. Mit dem Stimmbruch endete 1749 seine Zeit als Chorknabe abrupt. Er wurde entlassen und stand mittellos auf der Straße.
Kapellmeister im Dienste der Fürsten Esterházy
Nach entbehrungsreichen Jahren als freischaffender Musiker erhielt Haydn um 1757 eine Anstellung bei Graf Morzin. 1761 trat er als Vizekapellmeister in die Dienste der ungarischen Fürstenfamilie Esterházy ein, wo er fast dreißig Jahre lang wirken und ab 1766 als Erster Kapellmeister die Hofmusik leiten sollte.

Die Dekade nach seiner Entlassung aus dem Chor war geprägt von Armut und harter Arbeit. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Musiklehrer, Begleiter und Straßenmusiker. Zeitweise war er Kammerdiener des italienischen Komponisten Nicola Porpora, von dem er wertvolle Kenntnisse in der Komposition und der italienischen Gesangsschule erwarb. In dieser Phase entstanden seine ersten Streichquartette und eine erste Oper. Sein Ruf wuchs stetig. Die Anstellung beim Grafen Karl von Morzin bot ihm erstmals ein eigenes kleines Orchester, für das er seine ersten Sinfonien schrieb. Als der Graf in finanzielle Schwierigkeiten geriet, musste er seine Kapelle auflösen. Haydns Talent war jedoch bereits Fürst Paul Anton Esterházy aufgefallen.
Der Dienst bei den Esterházys in Eisenstadt und später im prachtvollen Schloss Eszterháza wurde zu Haydns Lebensstellung. Unter dem kunstsinnigen Fürsten Nikolaus I. standen ihm exzellente Musiker und alle Ressourcen zur Verfügung. Sein Arbeitspensum war enorm: Er musste komponieren, das Orchester leiten, Kammermusik aufführen und Opernproduktionen organisieren. Diese Abgeschiedenheit vom Wiener Musikleben zwang ihn, seinen eigenen Stil zu entwickeln. Er selbst beschrieb es später: „Ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irre machen und quälen, und so musste ich original werden.“ In diesen Jahrzehnten schuf er den Großteil seiner über 100 Sinfonien, Streichquartette, Opern und geistlichen Werke und etablierte die klassische Sonatenform.
Ich sage Ihnen vor Gott, als ehrlicher Mann, Ihr Sohn ist der größte Komponist, den ich als Person und dem Namen nach kenne.
Joseph Haydn in Wien: Freundschaft mit Mozart und Londoner Triumphe
Ab 1781 entwickelte sich eine tiefe Freundschaft zwischen Joseph Haydn und dem 24 Jahre jüngeren Wolfgang Amadeus Mozart in Wien. Nach dem Tod von Fürst Nikolaus I. im Jahr 1790 wurde Haydn pensioniert und nahm das Angebot des Impresarios Johann Peter Salomon für zwei äußerst erfolgreiche Konzertreisen nach London an.

Die Beziehung zwischen Haydn und Mozart ist ein seltenes Beispiel für gegenseitige Bewunderung zweier Genies ohne Rivalität. Sie spielten gemeinsam Streichquartett und beeinflussten sich gegenseitig. Mozart widmete Haydn sechs seiner Quartette, eine Geste höchster Anerkennung. Haydns berühmtes Zitat gegenüber Mozarts Vater Leopold zeugt von seiner Fähigkeit, Talent neidlos zu würdigen. Beide waren Mitglieder der Wiener Freimaurerloge „Zur wahren Eintracht“, was ihre geistige Verbindung weiter vertiefte. Haydns Musik profitierte von Mozarts harmonischer Kühnheit und formaler Eleganz, während Mozart von Haydns meisterhafter motivisch-thematischer Arbeit lernte.
Der Tod seines Gönners Nikolaus I. Esterházy im Jahr 1790 markierte eine Zäsur. Dessen Nachfolger löste die Hofkapelle auf. Plötzlich frei von seinen Verpflichtungen, aber mit einer gesicherten Pension, folgte Haydn dem Ruf nach England. Die beiden Aufenthalte (1791–1792 und 1794–1795) wurden zu einem Triumph. Das Londoner Publikum feierte ihn. Er komponierte seine letzten zwölf Sinfonien, die als „Londoner Sinfonien“ bekannt sind, darunter die Sinfonie Nr. 94 „mit dem Paukenschlag“. In Oxford wurde ihm die Ehrendoktorwürde verliehen. Diese Reisen brachten ihm nicht nur finanziellen Wohlstand, sondern auch eine neue künstlerische Inspiration durch die Begegnung mit den großen Oratorien Georg Friedrich Händels. Dies sollte sein späteres Schaffen entscheidend prägen. Während eines Aufenthalts in Bonn 1792 traf er auch den jungen Ludwig van Beethoven und willigte ein, ihn in Wien als Schüler aufzunehmen.
Die späten Wiener Jahre und das Vermächtnis
Nach seiner Rückkehr aus London ließ sich Haydn 1797 in einem Haus in Gumpendorf bei Wien nieder. Hier schuf er seine großen Oratorien „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“. Er starb am 31. Mai 1809 in Wien, während die Stadt von Napoleons Truppen besetzt war.
Inspiriert von den Händel-Aufführungen in London, widmete sich Haydn in seinen letzten Schaffensjahren der Komposition großer Chorwerke. Mit den Oratorien „Die Schöpfung“ (1798) und „Die Jahreszeiten“ (1801) schuf er zwei Werke von großer Besetzung und Dauer, die seinen Ruhm in ganz Europa festigten. Die Uraufführungen waren gesellschaftliche Großereignisse. Gleichzeitig komponierte er im Auftrag des neuen Fürsten Nikolaus II. Esterházy, der die Kapelle in kleinerem Rahmen wiederbelebt hatte, sechs späte Messen. Aus dieser Zeit stammt auch die Melodie zu „Gott erhalte Franz, den Kaiser“, die zur österreichischen Kaiserhymne und später, mit anderem Text, zur deutschen Nationalhymne wurde. Die Melodie verarbeitete er auch im zweiten Satz seines „Kaiserquartetts“ op. 76 Nr. 3.
Ab 1802 zwang ihn eine fortschreitende Krankheit, das Komponieren aufzugeben. Seine letzten Jahre verbrachte er zurückgezogen, gepflegt von seinen Dienern, aber als hochgeachtete Persönlichkeit, die zahlreiche Besuche empfing. Sein Tod fiel in eine unruhige Zeit. Während der Belagerung Wiens durch die Franzosen soll ein französischer Offizier Haydn besucht und ihm als Zeichen seiner Verehrung eine Arie aus der „Schöpfung“ vorgesungen haben. Joseph Haydn wurde zunächst auf dem Hundsturmer Friedhof beigesetzt. Sein Leichnam wurde 1820 nach Eisenstadt überführt, wobei die makabre Entdeckung gemacht wurde, dass sein Schädel fehlte – er war von Anhängern der Schädellehre Franz Joseph Galls gestohlen worden. Erst 1954 wurden die Gebeine im Mausoleum der Bergkirche Eisenstadt wieder mit dem Schädel vereint. Haydns Werk, das die Partituren von 106 Sinfonien, über 60 Streichquartetten und zahlreichen weiteren Kompositionen umfasst, legte das Fundament, auf dem Mozart und Beethoven aufbauten, und prägt die klassische Musik bis heute. Eine umfassende Werkliste führt das Hoboken-Verzeichnis.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Joseph Haydn geboren und wann starb er?
Joseph Haydn wurde am 31. März 1732 im österreichischen Rohrau geboren. Er starb im Alter von 77 Jahren am 31. Mai 1809 in Wien, kurz nachdem die Stadt von den napoleonischen Truppen eingenommen worden war. Als offizielle Todesursache wurde Altersschwäche angegeben.
Wofür ist Joseph Haydn bekannt?
Joseph Haydn ist als einer der bedeutendsten Komponisten der Wiener Klassik bekannt. Er gilt als „Vater der Sinfonie“ und „Vater des Streichquartetts“, da er diese musikalischen Gattungen entscheidend formte und weiterentwickelte. Seine Oratorien „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“ zählen zu seinen berühmtesten Werken.
Welche sind die wichtigsten Werke von Joseph Haydn?
Zu Haydns wichtigsten Werken zählen die späten „Londoner Sinfonien“ (Nr. 93–104), insbesondere die Sinfonie Nr. 94 „mit dem Paukenschlag“, sowie die Streichquartette op. 76, darunter das „Kaiserquartett“. Seine Oratorien „Die Schöpfung“ (1798) und „Die Jahreszeiten“ (1801) sind Höhepunkte der Chormusik.
Wie war die Beziehung zwischen Haydn und Mozart?
Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart verband eine tiefe Freundschaft und gegenseitige künstlerische Wertschätzung. Sie musizierten oft gemeinsam in Wien und beeinflussten sich in ihren Kompositionen. Mozart widmete Haydn sechs seiner Streichquartette, und Haydn bezeichnete Mozart als den größten Komponisten, den er kenne.
Komponierte Haydn die deutsche Nationalhymne?
Ja, die Melodie der deutschen Nationalhymne stammt von Joseph Haydn. Er komponierte sie 1797 als „Kaiserhymne“ für den österreichischen Kaiser Franz II. mit dem Text „Gott erhalte Franz, den Kaiser“. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben unterlegte der Melodie 1841 seinen Text des „Liedes der Deutschen“.
Wie starb Joseph Haydn?
Joseph Haydn starb am 31. Mai 1809 in seinem Haus in Wien an „Altersschwäche“, wie es offiziell hieß. Sein Tod ereignete sich während der Besetzung Wiens durch die französischen Truppen unter Napoleon, was seine letzten Tage überschattete. Er wurde 77 Jahre alt.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Landon, H. C. Robbins (1976–1980). Haydn: Chronicle and Works. Indiana University Press.
- Webster, James & Feder, Georg (2002). The New Grove Haydn. Macmillan.
- Geiringer, Karl & Geiringer, Irene (1982). Haydn: A Creative Life in Music. University of California Press.