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Musik · Vereinigte Staaten · * 1946

Cher

Von der Folk-Sängerin zur Pop-Ikone, von der Oscar-Preisträgerin zur lebenden Legende – eine Karriere in sieben Dekaden

Cher in einem extravaganten Bühnenkostüm von Bob Mackie während eines Auftritts in Las Vegas, circa 1982.
Cher · Wikimedia Commons · Gage Skidmore from Surprise, AZ, United States of America · CC-BY-SA

Cher (* 20. Mai 1946) ist eine US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin, deren Karriere sieben Jahrzehnte umspannt. Bekannt wurde sie im Duo Sonny & Cher, bevor sie eine erfolgreiche Solokarriere startete. Für ihre Rolle in *Mondsüchtig* (1987) erhielt sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin.

Es war das Jahr 1965, und ein Klang eroberte die Radiowellen, der anders war. Zwei Stimmen, eine rau und bodenständig, die andere tief, fast androgyn, verschmolzen zu einer Hymne der Gegenkultur. *I Got You Babe* war mehr als ein Lied; es war das Versprechen einer Generation und der erste Akt im Leben der Cheryl Sarkisian, die die Welt bald nur noch als Cher kennen sollte.

Ihre Karriere ist ein Mosaik aus Neuerfindungen, ein permanenter Wandel, der sie von der Folk-Pop-Sängerin zur Disco-Queen, von der ernsthaften Broadway-Darstellerin zur Oscar-prämierten Filmikone und schließlich zur unsterblichen Göttin des Pop führte.

Inhalt (6)
Jahr Album Label Bedeutung
1971 Gypsys, Tramps & Thieves Kapp Erster Nr.-1-Solo-Hit in den USA, etablierte sie als Storytellerin.
1979 Take Me Home Casablanca Erfolgreicher Einstieg in die Disco-Musik, markierte ein Comeback.
1987 Cher Geffen Rock-orientiertes Comeback mit Hits wie „I Found Someone“.
1989 Heart of Stone Geffen Enthielt den Welthit „If I Could Turn Back Time“.
1998 Believe Warner Definierte den Sound der späten 90er mit Auto-Tune und wurde ihr größter Erfolg.
2013 Closer to the Truth Warner Zeigte ihre anhaltende Relevanz mit Charterfolgen in der siebten Dekade ihrer Karriere.

Die Jahre mit Sonny Bono: Aufstieg im Folk-Pop

In den 1960er Jahren formte Cher mit ihrem Ehemann Sonny Bono das erfolgreiche Duo Sonny & Cher. Ihr Hit *I Got You Babe* (1965) wurde zur Hymne der Hippie-Bewegung. Parallel startete sie eine Solokarriere und wurde durch ihren unkonventionellen Stil zur Mode-Ikone.

Geboren als Cheryl Sarkisian in El Centro, Kalifornien, traf sie mit sechzehn Jahren auf Salvatore „Sonny“ Bono. Er arbeitete für den legendären Produzenten Phil Spector und erkannte ihr Potenzial. Er brachte sie als Backgroundsängerin in die Studios, wo ihre unverwechselbare Stimme auf Aufnahmen der Ronettes und der Righteous Brothers zu hören ist. 1964 heirateten die beiden, und Bono begann, Material für ein Duo zu schreiben. Unter dem Namen Sonny & Cher veröffentlichten sie 1965 die Single *I Got You Babe*. Der Song traf den Nerv der Zeit und katapultierte das Paar an die Spitze der internationalen Charts. Ihr visueller Stil – seine Pelzweste und ihr glattes schwarzes Haar, die Schlaghosen und der markante Lidstrich – wurde zum Markenzeichen der Gegenkultur.

Parallel zum Erfolg des Duos förderte Bono Chers Solokarriere. Mit einer Coverversion von Bob Dylans *All I Really Want to Do* landete sie noch 1965 ihren ersten eigenen Hit. Es folgten weitere erfolgreiche Singles wie *Bang Bang (My Baby Shot Me Down)* (1966), ein Lied, dessen dramatische Erzählweise ihr Talent für musikalisches Storytelling unterstrich. Der finanzielle Erfolg war immens, doch ein gemeinsames Filmprojekt, *Chastity* (1969), erwies sich als Desaster und brachte das Paar an den Rand des Ruins. Um die Schulden zu begleichen, mussten sie sich neu erfinden und begannen, in den Nachtclubs und Varietés von Las Vegas aufzutreten, ein Schritt, der ihre Karriere in eine neue Richtung lenken sollte.

Die Göttin des Fernsehens und der Disco-Ära

In den 1970er Jahren dominierte Cher mit der *The Sonny and Cher Comedy Hour* das amerikanische Fernsehen. Nach der Scheidung von Bono setzte sie ihre Karriere mit Solo-Nummer-eins-Hits wie *Gypsys, Tramps & Thieves* (1971) und ihrer eigenen *Cher Show* erfolgreich fort.

Cher, Aufnahme aus dem Jahr 2019
Cher performing in London during her Here We Go Again Tour in October 2019, fotografiert von Raph_PH. · Wikimedia Commons · CC-BY-SA

Der Wechsel nach Las Vegas erwies sich als Glücksgriff. Ihre Bühnenpräsenz und ihr scharfzüngiger Humor machten ihre Auftritte zu einem Ereignis. 1971 erhielt das Duo eine eigene Fernsehsendung, *The Sonny and Cher Comedy Hour*, die schnell zu einer der erfolgreichsten Shows in den USA wurde. Mit Einschaltquoten von bis zu 35 Prozent erreichte Cher ein Millionenpublikum. Ihre aufwendigen Kostüme von Bob Mackie und ihre selbstironischen Sketche festigten ihren Status als Entertainerin. Gleichzeitig erlebte ihre Solo-Karriere einen neuen Höhepunkt. Die Singles *Gypsys, Tramps & Thieves* (1971), *Half-Breed* (1973) und *Dark Lady* (1974) erreichten alle die Spitze der US-Charts und etablierten sie als eine Meisterin narrativer Popsongs.

Sie war nie nur Sängerin oder Schauspielerin, sondern ein Gesamtkunstwerk, das sich permanent selbst neu erschuf.

Hinter der öffentlichen Fassade der harmonischen Partnerschaft zerbrach die Ehe. 1974 reichte Cher die Scheidung ein, was zu einem erbitterten Rechtsstreit führte. Es stellte sich heraus, dass Bono 95 Prozent der gemeinsamen Firma kontrollierte und Cher vertraglich stark benachteiligt war. Sie gewann den Prozess und die Kontrolle über ihre Finanzen zurück. Befreit von Bonos Einfluss, startete sie ihre eigene Fernsehsendung, *The Cher Show*, und lud Gäste wie Elton John und Bette Midler ein. In dieser Zeit heiratete sie den Musiker Gregg Allman, mit dem sie einen Sohn, Elijah Blue Allman, bekam. Ende der Dekade wandte sie sich der aufkommenden Disco-Musik zu und landete mit *Take Me Home* (1979) einen weiteren großen Hit, der ihre Wandlungsfähigkeit einmal mehr unter Beweis stellte.

Von Las Vegas nach Hollywood: Der Oscar für Mondsüchtig

Die 1980er Jahre markierten Chers Wandel zur ernsthaften Schauspielerin. Nach ihrem Broadway-Debüt erhielt sie Kritikerlob für ihre Rollen in *Silkwood* (1983) und *Die Maske* (1985). Der Höhepunkt ihrer Filmkarriere war der Gewinn des Oscars als beste Hauptdarstellerin für *Mondsüchtig* (1987).

Cher
Original publicity photo of Cher, fotografiert von Casablanca Records. · Wikimedia Commons · PD

Anfang der 1980er Jahre, unzufrieden mit der musikalischen Richtung, suchte Cher eine neue künstlerische Herausforderung. Sie zog nach New York und nahm Schauspielunterricht. Der renommierte Regisseur Robert Altman gab ihr 1982 die Chance, sich am Broadway in dem Stück *Come Back to the Five and Dime, Jimmy Dean, Jimmy Dean* zu beweisen. Ihre Leistung überzeugte die Kritiker, und Altman besetzte sie auch in der gleichnamigen Verfilmung. Dies war der Wendepunkt. Der Regisseur Mike Nichols sah sie auf der Bühne und engagierte sie für seinen Film *Silkwood* (1983) an der Seite von Meryl Streep. Für ihre Darstellung einer lesbischen Arbeiterin erhielt Cher eine Oscar-Nominierung und den Golden Globe als beste Nebendarstellerin.

Plötzlich wurde sie in Hollywood als Charakterdarstellerin wahrgenommen. In Peter Bogdanovichs Drama *Die Maske* (1985) spielte sie die toughe Mutter eines Jungen mit einer schweren Gesichtsdeformation und gewann dafür den Darstellerpreis bei den Filmfestspielen von Cannes. Es folgten Rollen in *Die Hexen von Eastwick* (1987) neben Jack Nicholson und *Suspect – Unter Verdacht* (1987). Ihre Krönung erlebte sie mit der romantischen Komödie *Mondsüchtig* (1987). Ihre Darstellung der abergläubischen Italo-Amerikanerin Loretta Castorini brachte ihr 1988 den Oscar als beste Hauptdarstellerin ein. Ihr Auftritt bei der Verleihung in einem transparenten, von Bob Mackie entworfenen Kleid ging in die Geschichte der Oscar-Mode ein und zementierte ihren Ruf als furchtlose Stil-Ikone.

Das Comeback mit ‚Believe‘: Eine Ikone erfindet sich neu

Nach ihrer erfolgreichen Filmkarriere kehrte Cher Ende der 1980er Jahre mit Rock-Alben wie *Heart of Stone* (1989) zur Musik zurück. Ihr größtes Comeback gelang ihr 1998 mit dem Dance-Pop-Album *Believe*, dessen Titelsong durch den Einsatz von Auto-Tune den Sound der Dekade prägte.

Parallel zu ihren Filmerfolgen startete Cher ein musikalisches Comeback. Sie unterschrieb einen Vertrag bei Geffen Records und wandte sich einem Mainstream-Rock-Sound zu. Die Alben *Cher* (1987) und *Heart of Stone* (1989) wurden zu Multi-Platin-Erfolgen. Die Single *If I Could Turn Back Time* (1989) wurde zu einem ihrer größten Hits, auch dank des kontroversen Musikvideos, das sie in einem aufreizenden Outfit auf dem Deck des Schlachtschiffs USS Missouri zeigte. Die anschließende *Heart of Stone Tour* war ein triumphaler Erfolg. Nach dem Album *Love Hurts* (1991) zog sie sich jedoch aufgrund einer Erkrankung am Chronischen Fatigue-Syndrom für einige Jahre weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

Ihre spektakulärste Rückkehr erfolgte 1998. Im Alter von 52 Jahren veröffentlichte sie das Album *Believe*. Die gleichnamige Single, ein energiegeladener Dance-Track, wurde zu einem globalen Phänomen. Der markante, roboterhafte Gesangseffekt, erzielt durch den extremen Einsatz der Tonkorrektur-Software Auto-Tune, wurde als „Cher-Effekt“ bekannt und prägte die Popmusik der folgenden Jahre nachhaltig. *Believe* wurde zur meistverkauften Single ihrer Karriere, erreichte in über 20 Ländern Platz eins der Charts und brachte ihr einen Grammy Award ein. Das Album verkaufte sich über zehn Millionen Mal und bewies, dass Cher die Fähigkeit besaß, sich nicht nur anzupassen, sondern musikalische Trends zu setzen.

Legendenstatus im 21. Jahrhundert

Im neuen Jahrtausend festigte Cher ihren Status als Legende mit der rekordverdächtigen *Farewell Tour* (2002–2005), langjährigen Engagements in Las Vegas und weiteren Filmrollen. Sie bleibt die einzige Künstlerin mit Nummer-eins-Hits in sieben aufeinanderfolgenden Dekaden.

Auf den Erfolg von *Believe* folgte die ausverkaufte *Do You Believe? Tour*. 2002 kündigte sie ihre Abschiedstournee an, die *Living Proof: The Farewell Tour*. Was als kurze Konzertreihe geplant war, dehnte sich über drei Jahre und 325 Shows aus und wurde zur bis dahin erfolgreichsten Tournee einer Solokünstlerin. Doch ein endgültiger Abschied war es nicht. Von 2008 bis 2011 trat sie mit ihrer Show *Cher at the Colosseum* im Caesars Palace in Las Vegas auf. Auch ihre Filmkarriere setzte sie fort, unter anderem im Musical-Film *Burlesque* (2010) an der Seite von Christina Aguilera und in *Mamma Mia! Here We Go Again* (2018), wo sie in der Rolle der Großmutter ABBA-Songs interpretierte. Ihr Album *Dancing Queen* (2018), eine Hommage an ABBA, wurde ebenfalls ein Erfolg. Chers Karriere ist ein beispielloses Zeugnis für Langlebigkeit und künstlerische Neuerfindung im Showgeschäft.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde Cher geboren?

Cher wurde am 20. Mai 1946 als Cheryl Sarkisian in El Centro, Kalifornien, USA, geboren. Sie ist eine der wenigen Künstlerinnen, die in sieben aufeinanderfolgenden Jahrzehnten Charterfolge verzeichnen konnte und bis heute aktiv ist.

Wofür ist Cher bekannt?

Cher ist bekannt für ihre jahrzehntelange Karriere als Sängerin und Schauspielerin. Musikalisch prägte sie Stile von Folk bis Dance-Pop, ikonisch wurde ihr Welthit „Believe“. Als Schauspielerin gewann sie für ihre Hauptrolle im Film „Mondsüchtig“ (1987) einen Oscar.

Für welchen Film erhielt Cher einen Oscar?

Cher erhielt 1988 den Oscar als Beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle als Loretta Castorini in der romantischen Komödie „Mondsüchtig“ (Originaltitel: *Moonstruck*). Zuvor war sie bereits 1984 für ihre Nebenrolle im Drama „Silkwood“ nominiert worden.

War Cher verheiratet und hatte sie Kinder?

Cher war zweimal verheiratet: von 1964 bis 1975 mit Sonny Bono und von 1975 bis 1979 mit Gregg Allman. Aus der ersten Ehe stammt ihr Sohn Chaz Bono, aus der zweiten ihr Sohn Elijah Blue Allman.

Welchen Einfluss hatte Cher auf die Popkultur?

Chers Einfluss auf die Popkultur ist immens. Sie gilt als Wegbereiterin für weibliche Autonomie in der Musikindustrie und als Mode-Ikone, die Trends setzte. Mit der Popularisierung des Auto-Tune-Effekts in „Believe“ prägte sie den Sound der späten 90er Jahre.

Normdaten und externe Verzeichnisse

Quellen und weiterführende Literatur

  • Bego, M. (2001). Cher: If You Believe. Taylor Trade Publishing.
  • Parish, J. R., & Pitts, M. R. (2003). Hollywood Songsters: Garland to O'Connor. Routledge.
  • Cagle, J. (1990, August 10). Cher. Entertainment Weekly.
  • Official Website: cher.com
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