Barack Obama (* 4. August 1961) ist ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei und war von 2009 bis 2017 der 44. Präsident der Vereinigten Staaten. Als erster Afroamerikaner in diesem Amt initiierte er eine umfassende Gesundheitsreform („Obamacare“), beendete den Irakkrieg und erhielt 2009 den Friedensnobelpreis.
Es war der Abend des 27. Juli 2004 in Boston, als ein junger Senator aus Illinois die Bühne der Democratic National Convention betrat. Er war der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Wenige Minuten später hielt er eine Rede, die nicht nur den Präsidentschaftskandidaten John Kerry unterstützen, sondern vor allem sein eigenes politisches Schicksal definieren sollte. Mit ruhiger, aber eindringlicher Stimme sprach er von der Hoffnung und der Einheit eines Landes, das er nicht in rote und blaue Staaten geteilt sah, sondern als die Vereinigten Staaten von Amerika. Dieser Auftritt war die eigentliche Geburtsstunde einer politischen Bewegung.
Barack Obamas Weg ins Weiße Haus ist eine Erzählung über Identität, Ambition und die Kraft politischer Rhetorik. Seine Karriere, die in den Gemeindezentren Chicagos begann, führte ihn über den Senat von Illinois bis an die Spitze der Weltmacht in einer Zeit tiefgreifender Krisen.
Inhalt (5)
| Jahre | Amt | Partei / Institution | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1997–2004 | Senator von Illinois | Demokratische Partei | Fokus auf Ethikreformen und Sozialgesetzgebung |
| 2005–2008 | US-Senator für Illinois | Demokratische Partei | Nationale Bekanntheit, außenpolitische Reisen |
| 2009–2017 | 44. Präsident der USA | Demokratische Partei | Gesundheitsreform, Finanzkrisenbewältigung |
Von Hawaii nach Harvard: Eine Suche nach Identität
Geboren am 4. August 1961 in Honolulu, Hawaii, als Sohn einer weißen Amerikanerin aus Kansas und eines schwarzen Kenianers, war Obamas frühes Leben von Ortswechseln geprägt. Er verbrachte Teile seiner Kindheit in Jakarta, Indonesien, bevor er nach Hawaii zurückkehrte. Sein Studium führte ihn an die Columbia University und schließlich an die Harvard Law School.
Die Geschichte Barack Obamas beginnt an der Schnittstelle zweier Welten. Sein Vater, Barack Obama Sr., war als Stipendiat aus Kenia nach Hawaii gekommen; seine Mutter, Ann Dunham, war eine junge Studentin aus dem ländlichen Kansas. Ihre Ehe war kurzlebig, und der Vater verließ die Familie, als Obama zwei Jahre alt war. Er sollte ihn nur noch ein einziges Mal wiedersehen. Diese Abwesenheit und seine Herkunft aus zwei so unterschiedlichen Kulturen wurden zu einem zentralen Thema seiner frühen Jahre und seiner Autobiografie „Dreams from My Father“ (1995), einem Versuch, die Fragmente seiner Identität zusammenzufügen. Nach der Scheidung heiratete seine Mutter den Indonesier Lolo Soetoro, und die Familie zog nach Jakarta. Dort lernte der junge Obama eine weitere Kultur kennen, fühlte sich aber zunehmend als Außenseiter.
Mit zehn Jahren kehrte er nach Honolulu zurück, um bei seinen Großeltern mütterlicherseits aufzuwachsen und die renommierte Punahou School zu besuchen. Nach der High School zog er aufs Festland, studierte zunächst am Occidental College in Los Angeles und wechselte dann an die Columbia University in New York, wo er 1983 seinen Abschluss in Politikwissenschaft machte. Doch statt einer direkten Karriere in der Politik oder Wirtschaft zu folgen, zog es ihn nach Chicago. Dort arbeitete er als „Community Organizer“ in den von Armut und Kriminalität gezeichneten Vierteln der South Side. Diese Jahre waren prägend; sie schärften sein Verständnis für die sozialen Verwerfungen der amerikanischen Gesellschaft und lehrten ihn die Grundlagen politischer Mobilisierung von der Basis aus. Der entscheidende Schritt zur Formalisierung seines Wirkens war die Aufnahme des Jurastudiums an der Harvard Law School. Dort erlangte er 1991 als erster Afroamerikaner die Position des Präsidenten der renommierten „Harvard Law Review“, eine Auszeichnung, die ihm erstmals landesweite Aufmerksamkeit verschaffte.
Der Aufstieg in Chicago und die Rede, die alles veränderte
Nach seinem Studium kehrte Obama nach Chicago zurück, lehrte Verfassungsrecht an der University of Chicago und wurde 1996 in den Senat von Illinois gewählt. Sein politischer Stil war von Pragmatismus und der Suche nach überparteilichen Kompromissen geprägt. Ein misslungener Versuch, 2000 ins US-Repräsentantenhaus einzuziehen, bremste seine Karriere nur kurz.

In Springfield, der Hauptstadt von Illinois, lernte Obama die Mühlen des politischen Alltags kennen. Als Senator der Demokratischen Partei für den 13. Bezirk erarbeitete er sich den Ruf eines bedachten und kooperationsbereiten Politikers. Er war maßgeblich an einem Gesetz zur Ethikreform beteiligt und setzte sich für eine Ausweitung der Krankenversicherung für Kinder ein. Ein wichtiges Projekt war seine Initiative, polizeiliche Verhöre bei Kapitalverbrechen auf Video aufzuzeichnen, um Fehlurteile zu vermeiden. Dieses Gesetz entstand in Zusammenarbeit mit republikanischen Kollegen und zeigte früh sein Talent, ideologische Gräben zu überbrücken. Trotz dieser Erfolge auf bundesstaatlicher Ebene scheiterte sein Versuch, bei den Vorwahlen 2000 den etablierten Kongressabgeordneten Bobby Rush herauszufordern. Die Niederlage war ein lehrreicher Rückschlag, der ihm die Notwendigkeit einer soliden politischen Basis verdeutlichte.
Es gibt kein liberales Amerika und kein konservatives Amerika – es gibt die Vereinigten Staaten von Amerika.
Die Gelegenheit, sich auf nationaler Bühne zu präsentieren, kam 2004. Als Kandidat für den US-Senat wurde er eingeladen, die Grundsatzrede auf dem Parteitag der Demokraten zu halten, der John Kerry zum Präsidentschaftskandidaten nominierte. Seine Rede, die seine eigene Biografie als Verkörperung des amerikanischen Traums darstellte, traf den Nerv eines nach dem 11. September und dem Irakkrieg tief gespaltenen Landes. Er sprach von gemeinsamer Hoffnung und gemeinsamen Werten und wurde über Nacht zu einem politischen Star. Sein Sieg bei der Senatswahl im selben Jahr war erdrutschartig. Als frischgebackener US-Senator in Washington D.C. war er nun eine der prominentesten Stimmen seiner Partei.
„Yes We Can“: Der Weg ins Weiße Haus
Am 10. Februar 2007 kündigte Obama in Springfield seine Kandidatur für die Präsidentschaft an. Nach einem langen und erbitterten Vorwahlkampf setzte er sich gegen die favorisierte Hillary Clinton durch. Mit seinem Vizekandidaten Joe Biden gewann er die Wahl am 4. November 2008 gegen den Republikaner John McCain und wurde zum ersten afroamerikanischen Präsidenten gewählt.

Die Präsidentschaftskampagne 2008 war ein Phänomen. Unter den Schlagworten „Hope“ und „Change“ mobilisierte Obamas Team eine breite Koalition aus jungen Wählern, Minderheiten und liberalen Intellektuellen. Die Kampagne nutzte das Internet auf innovative Weise für Fundraising und Wählermobilisierung und sammelte Rekordsummen an Kleinspenden. Der Vorwahlkampf innerhalb der Demokratischen Partei gegen Hillary Clinton war zermürbend und zog sich über Monate hin. Clinton galt als die erfahrene Kandidatin des Establishments, während Obama als frische, inspirierende Stimme des Wandels auftrat. Am Ende sicherte er sich knapp die notwendige Delegiertenzahl.
Der Hauptwahlkampf gegen den republikanischen Senator John McCain fand vor dem Hintergrund der eskalierenden Finanzkrise statt. Während McCain seine Erfahrung in der Außen- und Sicherheitspolitik betonte, konnte Obama mit seiner ruhigen und analytischen Art in der Wirtschaftskrise mehr Vertrauen bei den Wählern gewinnen. Seine Wahlkampfreden waren meisterhaft inszeniert, seine Botschaft der Einheit und des Aufbruchs fand weltweit Resonanz. Der Wahlsieg am 4. November 2008 war historisch. Er gewann nicht nur die traditionell demokratischen Staaten, sondern auch Swing States wie Ohio, Florida und Virginia. Die Bilder von den jubelnden Menschenmengen im Grant Park in Chicago gingen um die Welt und symbolisierten für viele den Beginn einer neuen Ära in der amerikanischen Politik.
Präsidentschaft im Zeichen von Krisen und Reformen
Obamas Amtsantritt am 20. Januar 2009 fiel in die schwerste Wirtschaftskrise seit der Großen Depression. Seine erste Legislaturperiode war geprägt von der Verabschiedung eines Konjunkturpakets und der umstrittenen Gesundheitsreform, dem „Affordable Care Act“. Außenpolitisch beendete er den Kampfeinsatz im Irak und autorisierte die Operation, die 2011 zur Tötung von Osama bin Laden führte.
Die beiden Amtszeiten Obamas waren eine permanente Auseinandersetzung mit Krisen und tiefem politischem Widerstand. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt musste sein Kabinett die kollabierende Finanzindustrie stabilisieren und die Automobilbranche retten. Das „American Recovery and Reinvestment Act“ von 2009 war ein massives Konjunkturprogramm, das die Wirtschaft stützen sollte, aber auch die Staatsverschuldung erhöhte. Sein zentrales innenpolitisches Versprechen war die Reform des Gesundheitssystems. Der 2010 verabschiedete „Patient Protection and Affordable Care Act“, bekannt als „Obamacare“, war die umfassendste Sozialreform seit Jahrzehnten. Das Gesetz ermöglichte Millionen unversicherten Amerikanern den Zugang zu einer Krankenversicherung, wurde aber von den Republikanern erbittert bekämpft und spaltete die Nation.
In der Außenpolitik verfolgte Obama einen Kurswechsel weg von der unilateralen Politik seines Vorgängers George W. Bush. Er bemühte sich um eine Wiederbelebung der internationalen Diplomatie, was ihm bereits 2009 den Friedensnobelpreis einbrachte – eine Auszeichnung, die viele als verfrüht ansahen. Er ordnete den Abzug der Kampftruppen aus dem Irak an, intensivierte aber den Einsatz in Afghanistan. Ein Höhepunkt seiner Präsidentschaft war die erfolgreiche Militäroperation im Mai 2011, bei der Al-Qaida-Anführer Osama bin Laden in Pakistan getötet wurde. Nach seiner Wiederwahl 2012 gegen den Republikaner Mitt Romney konzentrierte sich seine zweite Amtszeit auf Themen wie Klimaschutz, die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Kuba und das Atomabkommen mit dem Iran. Seine gesamte Präsidentschaft war jedoch von der zunehmenden Polarisierung und Blockadehaltung im Kongress überschattet, die viele seiner ambitionierten Reformen verhinderte oder abschwächte.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Barack Obama geboren?
Barack Obama wurde am 4. August 1961 im Kapiolani Medical Center for Women and Children in Honolulu, Hawaii, geboren. Seine Mutter, Ann Dunham, stammte aus Kansas, sein Vater, Barack Obama Sr., aus Kenia.
Wofür ist Barack Obama bekannt?
Barack Obama ist bekannt als der 44. Präsident der Vereinigten Staaten (2009–2017) und als erster Afroamerikaner in diesem Amt. Zu seinen wichtigsten politischen Initiativen zählen die Gesundheitsreform „Obamacare“ und das Ende des Irakkrieges. 2009 erhielt er den Friedensnobelpreis.
Was waren Obamas wichtigste politische Ämter?
Vor seiner Präsidentschaft war Obama von 1997 bis 2004 Mitglied im Senat von Illinois. Anschließend vertrat er den Bundesstaat Illinois von 2005 bis zu seinem Rücktritt 2008 im US-Senat in Washington D.C., bevor er zum Präsidenten gewählt wurde.
War Barack Obama verheiratet und hatte er Kinder?
Ja, Barack Obama heiratete 1992 die Rechtsanwältin Michelle Robinson, die er während eines Praktikums in einer Kanzlei in Chicago kennengelernt hatte. Das Paar hat zwei Töchter, Malia Ann (*1998) und Natasha, genannt Sasha (*2001).
Was hat Barack Obama nach seiner Präsidentschaft gemacht?
Nach dem Ende seiner Amtszeit 2017 gründete er mit seiner Frau Michelle die Obama Foundation, die sich der Förderung von bürgerschaftlichem Engagement und Führungskräften widmet. Er veröffentlichte 2020 den ersten Band seiner Memoiren „A Promised Land“ und bleibt eine einflussreiche Stimme in der Öffentlichkeit.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Obama, B. (2020). A Promised Land. Crown Publishing Group.
- Remnick, D. (2010). The Bridge: The Life and Rise of Barack Obama. Knopf.
- Marable, M. (2012). Barack Obama and the Politics of Race. In: The New Black History. Palgrave Macmillan.
- https://www.obama.org/