Arnold Schönberg (13. September 1874 – 13. Juli 1951) war ein österreichischer Komponist, Musiktheoretiker und Maler. Als Begründer der Zweiten Wiener Schule und Entwickler der Zwölftontechnik gilt er als eine der prägenden Figuren der Musik des 20. Jahrhunderts. Sein Weg führte von spätromantischen Anfängen zur radikalen Atonalität.
Im Juli 1921, in der Sommerfrische in Traunkirchen, vertraute er seinem Schüler Josef Rufer eine Entdeckung an. Eine Entdeckung, die nach seiner Überzeugung die Überlegenheit der deutschen Musik für die nächsten hundert Jahre sichern würde. Es war keine neue Sinfonie, keine Oper, sondern eine Methode. Eine strenge Ordnung für ein Chaos, das er selbst mitentfesselt hatte: die „Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“. Dieser Moment markiert nicht nur einen Wendepunkt im Schaffen von Arnold Schönberg, sondern auch in der gesamten Musikgeschichte. Der Autodidakt aus der Wiener Leopoldstadt, der einst als Bankangestellter begonnen hatte, gab der musikalischen Moderne ein neues Gesetz. Ein Gesetz, das auf der vollständigen Gleichberechtigung aller Töne der chromatischen Skala basierte und die Hierarchie der Dur-Moll-Tonalität endgültig verabschiedete.
Sein Weg führte vom spätromantischen Überschwang der „Verklärten Nacht“ über die atonalen Eruptionen des „Pierrot Lunaire“ bis zur strengen Konstruktion der Zwölftontechnik. Schönberg war kein Zerstörer, sondern ein Vollender, der die Tradition so ernst nahm, dass er sie überwinden musste.
Inhalt (5)
| Jahr | Werk | Gattung | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1899 | Verklärte Nacht, op. 4 | Streichsextett | Ein Schlüsselwerk der Spätromantik, das die Grenzen der Tonalität ausdehnt. |
| 1900–1911 | Gurre-Lieder | Kantate | Ein Werk für außergewöhnlich großes Orchester, Chor und Solisten, das spätromantische Klangpracht zeigt. |
| 1909 | Drei Klavierstücke, op. 11 | Klavierwerk | Gilt als eines der ersten konsequent atonalen Werke der Musikgeschichte. |
| 1912 | Pierrot Lunaire, op. 21 | Melodram | Ein Zyklus für Sprechstimme und Kammerensemble, der den „Sprechgesang“ etablierte. |
| 1921–1923 | Klaviersuite, op. 25 | Klavierwerk | Das erste Werk, in dem Schönberg durchgehend die Zwölftontechnik anwendete. |
| 1930–1932 | Moses und Aron | Oper (Fragment) | Ein unvollendetes Hauptwerk, das den Konflikt zwischen Idee und Darstellung thematisiert. |
| 1947 | Ein Überlebender aus Warschau, op. 46 | Melodram | Eine erschütternde Komposition für Sprecher, Männerchor und Orchester über den Holocaust. |
Von der Banklehre zur Atonalität
Geboren 1874 in Wien, begann Schönberg als musikalischer Autodidakt. Nach dem frühen Tod des Vaters absolvierte er eine Banklehre. Entscheidende Impulse erhielt er von Alexander von Zemlinsky, der sein Lehrer, Mentor und späterer Schwager wurde. Um 1908 verließ er die Dur-Moll-Tonalität.
Arnold Schönbergs musikalischer Ursprung lag nicht im Konservatorium, sondern in den Gassen der Wiener Leopoldstadt. Am 13. September 1874 als Sohn des Schuhmachers Samuel Schönberg geboren, fand er den Weg zur Musik autodidaktisch. Er lernte Violine. Er komponierte als Neunjähriger erste Märsche und Polkas. Der frühe Tod des Vaters 1889 zwang ihn, die Realschule zu verlassen und eine Lehre in der Privatbank Werner & Co. anzutreten. Die Musik blieb zunächst eine Leidenschaft, die er bei Konzerten im Prater oder bei Opernbesuchen pflegte. Seine wahre Ausbildung fand im Studium der Partituren von Meistern wie Johannes Brahms und Richard Wagner statt, deren Werke er analysierte und verinnerlichte.
Drei Persönlichkeiten prägten seine formative Phase. Der Freund Oskar Adler vermittelte ihm Grundlagen in Musiktheorie und Philosophie. David Josef Bach schärfte sein ethisches Bewusstsein. Die entscheidende Begegnung war jedoch die mit Alexander von Zemlinsky, den er 1895 im Amateurorchester „Polyhymnia“ kennenlernte. Zemlinsky, selbst ein anerkannter Komponist, erkannte Schönbergs Talent, gab ihm für einige Monate Kompositionsunterricht – der einzige formale Unterricht, den der Komponist je erhielt – und führte dessen erstes Streichquartett D-Dur 1898 zur Aufführung. Durch diese Verbindung heiratete Schönberg 1901 Zemlinskys Schwester Mathilde. Die Ehe wurde durch eine Affäre Mathildes mit dem Maler Richard Gerstl erschüttert, eine Krise, die sich auch im Schaffen des Komponisten niederschlug, etwa im zweiten Streichquartett (1908), in dessen letztem Satz er mit den Worten Stefan Georges die „Luft von anderem Planeten“ fühlte und die Tonalität verließ.
Skandale in Wien, Lehre in Berlin
Die Jahre nach 1908 waren von Skandalen geprägt. Die Uraufführungen seiner atonalen Werke, darunter die Kammersinfonie Nr. 1, provozierten das Wiener Publikum. 1918 gründete er den „Verein für musikalische Privataufführungen“. Seine Schüler Alban Berg und Anton Webern wurden zu zentralen Figuren.

Mit Werken wie den „Drei Klavierstücken“ op. 11 (1909) und dem Monodram „Erwartung“ (1909) vollzog der Komponist den Bruch mit der musikalischen Tradition. Diese „freie Atonalität“ stieß auf heftige Ablehnung. Konzerte mit seiner Musik endeten regelmäßig in Tumulten. Berühmt wurde das „Watschenkonzert“ vom 31. März 1913 im Wiener Musikverein, bei dem Werke von ihm und seinen Schülern zu einem derartigen Aufruhr führten, dass die Aufführung abgebrochen werden musste. Die Presse verspottete ihn, das bürgerliche Publikum war schockiert. Dennoch sammelte er einen Kreis treuer Schüler um sich, zu dessen Kern Anton Webern und Alban Berg gehörten. Gemeinsam bildeten sie die sogenannte Zweite Wiener Schule, die die musikalische Sprache des 20. Jahrhunderts maßgeblich formen sollte.
Ich aber wünsche nichts sehnlicher, als dass man mich für eine bessere Art von Tschaikowski hält.
Um dem feindseligen Klima in Wien zu entgehen, pendelte Schönberg mehrfach nach Berlin. Dort unterrichtete er am Stern’schen Konservatorium und fand ein aufgeschlosseneres Umfeld. 1912 entstand dort sein Zyklus „Pierrot Lunaire“, ein Werk, das mit seiner neuartigen Verwendung der Sprechstimme Komponisten wie Igor Strawinsky tief beeindruckte. Nach dem Ersten Weltkrieg, den er teilweise in einer Militärkapelle verbrachte, kehrte er nach Wien zurück und gründete 1918 den „Verein für musikalische Privataufführungen“. Dessen Ziel war es, dem Publikum neue Werke abseits des kommerziellen Konzertbetriebs in sorgfältig geprobten Aufführungen nahezubringen, frei von Applaus oder Missfallenskundgebungen. Hier wurden Werke von Gustav Mahler, Claude Debussy und Max Reger ebenso gespielt wie die der jungen Generation.
Methode und jüdische Identität
Nach einer Schaffenskrise entwickelte Arnold Schönberg 1921 die „Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“ (Dodekaphonie). Ein antisemitischer Vorfall in Mattsee 1921 bestärkte seine Rückbesinnung auf seine jüdische Identität. 1925 wurde er als Professor an die Preußische Akademie der Künste in Berlin berufen.

Die Phase der freien Atonalität hatte ihn an eine Grenze geführt. Ohne die formbildende Kraft der Tonalität fehlte ihm ein strukturelles Prinzip für größere Kompositionen. Nach jahrelangem Suchen fand er die Lösung in der Zwölftontechnik. Diese Methode organisiert das gesamte Tonmaterial eines Stückes durch eine zuvor festgelegte Reihenfolge aller zwölf Töne der chromatischen Skala. Kein Ton darf wiederholt werden, bevor nicht alle anderen erklungen sind. Das erste Werk, das diese Technik konsequent anwendete, war die Klaviersuite op. 25. Die Dodekaphonie war für ihn keine mathematische Spielerei, sondern ein Weg, Kohärenz und Logik in seiner musikalischen Sprache zu gewährleisten.
Persönliche und politische Ereignisse prägten diese Zeit tiefgreifend. 1921 wurde er während eines Sommeraufenthalts in Mattsee Opfer eines antisemitischen Vorfalls. Obwohl er 1898 zum Protestantismus konvertiert war, wurde er aufgefordert, den Ort zu verlassen, da dieser „judenrein“ bleiben sollte. Diese Erfahrung, zusammen mit antisemitischen Äußerungen seines Freundes Wassily Kandinsky, führte zu einer intensiven Auseinandersetzung mit seiner jüdischen Herkunft. Nach dem Tod seiner Frau Mathilde 1923 heiratete er 1924 Gertrud Kolisch. Der berufliche Erfolg stellte sich endlich ein: 1925 wurde er als Nachfolger Ferruccio Busonis zum Leiter einer Meisterklasse für Komposition an die renommierte Preußische Akademie der Künste in Berlin berufen, eine der höchsten Positionen im damaligen deutschen Musikleben.
Exil in Los Angeles
1933 wurde Schönberg von den Nationalsozialisten aus seinem Amt an der Akademie der Künste vertrieben. Er emigrierte über Paris in die USA. In Los Angeles lehrte er an der University of Southern California und der University of California, Los Angeles (UCLA). 1941 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an.
Die Berliner Jahre endeten abrupt mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Im September 1933 wurde ihm seine Professur aus rassistischen Gründen entzogen. Schönberg, der die Gefahr früh erkannt hatte, verließ Deutschland. In Paris konvertierte er am 24. Juli 1933 offiziell wieder zum Judentum; der Maler Marc Chagall war als Zeuge anwesend. Wenige Monate später emigrierte er in die Vereinigten Staaten. Nach einer kurzen Lehrtätigkeit in Boston zog er 1934 aus gesundheitlichen Gründen nach Los Angeles. Dort fand er eine neue Heimat und wurde zu einer zentralen Figur der prominenten europäischen Exilgemeinde, zu der auch Thomas Mann und Igor Strawinsky gehörten. Er unterrichtete an der University of Southern California und später an der UCLA, wo John Cage zu seinen Schülern zählte.
Im amerikanischen Exil vollendete er einige seiner bedeutendsten Spätwerke. Dazu gehören das vierte Streichquartett (1936), das Klavierkonzert (1942) und die Kantate „Ein Überlebender aus Warschau“ (1947), die auf Berichten aus dem Warschauer Ghetto basiert. Eine bittere Kontroverse entspann sich mit Thomas Mann über dessen Roman „Doktor Faustus“, in dem die Erfindung der Zwölftontechnik der fiktiven Hauptfigur Adrian Leverkühn zugeschrieben wird, ohne Schönberg zu nennen. Der Komponist, der sich vor der Zahl 13 fürchtete, starb am Freitag, dem 13. Juli 1951, in seinem Haus in Brentwood, Los Angeles. Sein unvollendetes Hauptwerk, die Oper „Moses und Aron“, bleibt ein Zeugnis seines lebenslangen Ringens um die Darstellbarkeit des Absoluten. Seine sterblichen Überreste wurden später in ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof überführt.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Arnold Schönberg geboren und wann starb er?
Arnold Schönberg wurde am 13. September 1874 in Wien, Österreich-Ungarn, geboren. Er starb am 13. Juli 1951 im Alter von 76 Jahren in Los Angeles, Kalifornien. Sein Grab befindet sich als Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof.
Wofür ist Arnold Schönberg bekannt?
Arnold Schönberg ist bekannt als Komponist, der die musikalische Sprache des 20. Jahrhunderts grundlegend veränderte. Er begründete die Zweite Wiener Schule und entwickelte die Zwölftontechnik (Dodekaphonie), eine Kompositionsmethode, die die traditionelle Dur-Moll-Tonalität durch eine neue Ordnung ersetzte.
Welche sind die wichtigsten Werke von Arnold Schönberg?
Zu seinen wichtigsten Werken zählen das Streichsextett „Verklärte Nacht“, die „Gurre-Lieder“, das Melodram „Pierrot Lunaire“, die unvollendete Oper „Moses und Aron“ sowie „Ein Überlebender aus Warschau“. Seine Klaviersuite op. 25 gilt als erstes rein zwölftöniges Stück.
Wer gehörte zur Zweiten Wiener Schule?
Die Zweite Wiener Schule ist eine von Arnold Schönberg begründete Komponistengruppe. Ihre prominentesten Mitglieder waren seine beiden Schüler Alban Berg und Anton Webern. Sie trieben die Auflösung der Tonalität und die Entwicklung der Zwölftontechnik maßgeblich voran.
Hatte Arnold Schönberg Familie?
Ja, Arnold Schönberg war zweimal verheiratet. Zuerst mit Mathilde von Zemlinsky, mit der er zwei Kinder hatte: Gertrud und Georg. Nach Mathildes Tod heiratete er Gertrud Kolisch, mit der er drei weitere Kinder hatte: Nuria, Ronald und Lawrence.
Welchen Einfluss hatte Arnold Schönberg?
Seine von ihm entwickelte Zwölftontechnik wurde zur Grundlage der seriellen Musik und prägte die musikalische Avantgarde nach 1945. Komponisten wie Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und in seinem Spätwerk auch Igor Strawinsky übernahmen und modifizierten seine Ideen.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Stuckenschmidt, H. H. (1974). Schönberg: Leben, Umwelt, Werk. Atlantis Musikbuch.
- Ringer, A. L. (1990). Arnold Schoenberg: The Composer as Jew. Clarendon Press.
- Arnold Schönberg Center, Wien. Digitale Archive und Korrespondenz.