Montag, 18. Mai 2026 · 52 Biografien · Lesezeit pro Beitrag 6–9 Min.
biografien-im-netz.de

Lebensgeschichten, die die Welt bewegten — sorgfältig recherchiert, lesbar erzählt.

Sport · Deutschland · * 1967

Boris Becker

Vom Wunderkind auf dem Centre Court zum gefallenen Helden im Gerichtssaal – die extreme Flugbahn eines deutschen Idols

Boris Becker, Fotografie aus dem Jahr 2018
Boris Becker · Wikimedia Commons · Paf - Games Sport Casino · CC-BY

Boris Becker (* 22. November 1967) ist ein ehemaliger deutscher Tennisspieler. Als 17-Jähriger gewann er 1985 als erster Deutscher und jüngster Spieler das Turnier von Wimbledon. In seiner Karriere errang er sechs Grand-Slam-Titel, führte zwölf Wochen die Weltrangliste an und gewann 1992 olympisches Gold im Doppel.

Ein rothaariger, 17-jähriger Leimener hebt am 7. Juli 1985 die goldene Trophäe von Wimbledon in den Londoner Himmel. Er ist der erste ungesetzte Spieler, der erste Deutsche und der jüngste Sieger in der Geschichte des prestigeträchtigsten Tennisturniers der Welt. Der Moment friert die Zeit ein und katapultiert Boris Franz Becker aus der badischen Provinz in den Orbit des Weltsports. Es ist die Geburtsstunde eines Phänomens, dessen Karriere ebenso von triumphalen Siegen wie von tiefen persönlichen Krisen gezeichnet sein wird.

Beckers Aufstieg war kein leiser. Er war ein lauter Urknall, der das Tennis in Deutschland zu einem Volkssport machte und eine ganze Generation prägte. Seine Geschichte ist die eines Athleten, der mit unbändiger Kraft und emotionaler Spielweise die Weltrangliste eroberte, aber außerhalb des Courts mit den Regeln des Lebens und des Geschäfts wiederholt haderte.

Inhalt (5)
Jahr Wettbewerb Ergebnis
1985 Wimbledon Sieg (1. Grand-Slam-Titel, jüngster Sieger)
1986 Wimbledon Sieg (Titelverteidigung gegen Ivan Lendl)
1989 Wimbledon & US Open Sieg bei beiden Turnieren
1991 Australian Open Sieg & Erreichen der Nr. 1 der Weltrangliste
1992 Olympische Spiele (Barcelona) Goldmedaille im Doppel mit Michael Stich
1996 Australian Open Sieg (6. und letzter Grand-Slam-Titel)
1999 Wimbledon Karriereende nach Achtelfinal-Niederlage

Der Leimener Hecht auf dem heiligen Rasen

Gefördert vom Deutschen Tennis Bund (DTB) und trainiert von Günther Bosch, begann Becker 1984 seine Profi-Karriere. Bereits 1985 gewann er als 17-Jähriger das Vorbereitungsturnier im Queen’s Club und kurz darauf sensationell Wimbledon. Dieser Sieg machte ihn über Nacht zum Weltstar und löste in Deutschland einen Tennis-Boom aus.

Die Grundlagen für diesen eruptiven Erfolg wurden früh gelegt. Geboren in Leimen als Sohn eines Architekten, zeigte Boris Becker schon als Kind ein außergewöhnliches Talent. Unter der Obhut von Trainer Boris Breskvar und später unter der Führung von Richard Schönborn im Spitzenkader des DTB wurde sein aggressives Spiel geformt. Die Ausbildung war eine erhebliche Investition des Verbandes in die Zukunft des deutschen Tennis. Sein Manager, der geschäftstüchtige Rumäne Ion Țiriac, und sein Trainer Günther Bosch erkannten das Potenzial des jungen Spielers, dessen Spielweise die etablierte Ordnung herausforderte. Sein Stil war eine physische Demonstration: ein wuchtiger Aufschlag, der ihm den Spitznamen „Bumm-Bumm-Boris“ einbrachte, gefolgt von einem entschlossenen Netzangriff. Diese Serve-and-Volley-Taktik war auf schnellen Belägen wie dem Rasen von Wimbledon eine Waffe.

Der Sieg 1985 gegen den Südafrikaner Kevin Curren im Finale war mehr als nur ein sportlicher Triumph; er war ein kulturelles Ereignis. Der „Becker-Hecht“, ein spektakulärer Flugvolley, wurde zum Symbol seines unbedingten Siegeswillens. Die geballte „Becker-Faust“ nach einem wichtigen Punktgewinn wurde zu seinem Markenzeichen. Plötzlich war Tennis nicht mehr nur ein eleganter Sport der Oberschicht, sondern ein mitreißendes Drama, inszeniert von einem jungen Deutschen, der den Centre Court als sein „Wohnzimmer“ bezeichnete. Die Titelverteidigung 1986 gegen den damaligen Weltranglistenersten Ivan Lendl zementierte seinen Status als Ausnahmespieler.

Jahre an der Weltspitze

Zwischen 1986 und 1996 etablierte sich Becker in der Weltspitze. Er gewann insgesamt sechs Grand-Slam-Titel, führte 1991 für zwölf Wochen die Weltrangliste an und errang 1992 mit Michael Stich olympisches Gold. Seine Rivalität mit dem Schweden Stefan Edberg prägte diese Ära, insbesondere in Wimbledon, wo sie dreimal in Folge im Finale aufeinandertrafen.

Boris Becker, Aufnahme aus dem Jahr 2019
Boris Becker during Radio Regenbogen Award 2019 at Europapark, Rust, Baden-Württemberg, Germany on 2019-04-12, Photo: Sven Mandel · Wikimedia Commons · CC-BY-SA

Die späten 1980er und frühen 1990er Jahre waren Beckers sportliche Blütezeit. Er war kein reiner Rasenspezialist mehr. 1989 triumphierte er bei den US Open, erneut gegen Ivan Lendl, und bewies, dass sein druckvolles Spiel auch auf Hartplatz zum Sieg führen konnte. Seine Duelle mit Stefan Edberg wurden zu Klassikern des Serve-and-Volley-Spiels. Während Edberg mit Eleganz und Präzision agierte, setzte Becker auf pure Kraft und Athletik. Das Wimbledon-Finale 1990, das er gegen Edberg verlor, gilt als eines der hochklassigsten Matches dieser Epoche. Der Sieg bei den Australian Open 1991 brachte ihm endlich die lang ersehnte Position als Nummer eins der Weltrangliste ein, ein Ziel, das ihn jahrelang angetrieben hatte.

Sein Spiel war eine physische Demonstration, ein unbedingter Wille, materialisiert in Aufschlag und Volley.

Ein besonderer Höhepunkt seiner Karriere waren die Erfolge mit der deutschen Mannschaft im Davis Cup. 1988 und 1989 führte er das Team zum Titelgewinn. Die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona an der Seite seines nationalen Konkurrenten Michael Stich war ein weiterer Meilenstein. Trotz aller Erfolge blieb ihm ein großer Titel verwehrt: Ein Sieg bei den French Open auf dem langsamen Sandplatz von Paris gelang ihm nie. Sein letzter großer Triumph war der Gewinn der Australian Open 1996. Drei Jahre später, nach einer Niederlage im Achtelfinale von Wimbledon, beendete er seine aktive Karriere.

Zwischen Kommentatorenkabine und Unternehmertum

Nach seinem Rücktritt 1999 blieb Becker eine öffentliche Figur. Er agierte als Geschäftsmann, Werbeträger und Sportkommentator, unter anderem für die BBC und Eurosport. Von 2013 bis 2016 feierte er als Trainer von Novak Đoković große Erfolge und führte den Serben zu sechs Grand-Slam-Siegen und zurück an die Spitze der Weltrangliste.

Boris Becker, Aufnahme aus dem Jahr 2013
Boris Becker, Frankfurt Book Fair 2013 · Wikimedia Commons · CC0

Der Übergang in ein Leben nach dem Profisport gestaltete sich komplex. Er versuchte sich als Unternehmer, war Eigentümer von Mercedes-Autohäusern und warb für Marken wie AOL. Doch seine geschäftlichen Aktivitäten waren nicht immer von Erfolg gekrönt. Das Internetportal Sportgate, an dem er beteiligt war, meldete 2001 Insolvenz an. Gleichzeitig baute er sich eine zweite Karriere als anerkannter Tennis-Experte auf. Seine Analysen als Co-Kommentator wurden für ihre Fachkenntnis geschätzt. Die Zusammenarbeit mit Novak Đoković bewies seine tiefe Kenntnis des Spiels auf höchstem Niveau. Er half dem Serben, sein Spiel strategisch weiterzuentwickeln und den Karriere-Grand-Slam zu vervollständigen.

Auch sein Privatleben blieb unter ständiger Beobachtung der Medien. Die Ehe mit Barbara Feltus, die beiden Söhne, die Scheidung und die öffentliche Auseinandersetzung um die Vaterschaft seiner Tochter Anna Ermakova sorgten für Schlagzeilen, die oft den Blick auf seine sportlichen Verdienste und seine Expertise verstellten. Becker selbst trug durch die Veröffentlichung mehrerer Autobiografien, darunter „Das Leben ist kein Spiel“ (2013), zur medialen Dauerpräsenz bei und versuchte, die Deutungshoheit über seine Lebensgeschichte zu behalten.

Der Fall: Insolvenz und Haft

Ab 2017 geriet Beckers Leben zunehmend aus den Fugen. Ein Londoner Gericht erklärte ihn für zahlungsunfähig. Der Vorwurf, im Insolvenzverfahren Vermögenswerte verschleiert zu haben, führte 2022 zu einer Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Haft. Nach siebeneinhalb Monaten in britischen Gefängnissen wurde er Ende 2022 vorzeitig entlassen und nach Deutschland abgeschoben.

Die finanzielle Schieflage hatte sich über Jahre angebahnt. Ein Schweizer Gericht hatte Forderungen seines ehemaligen Geschäftspartners Hans-Dieter Cleven in Millionenhöhe bestätigt, was schließlich zum Insolvenzverfahren in Großbritannien führte. Becker bestritt lange vehement, zahlungsunfähig zu sein. Doch die Ermittlungen der britischen Insolvenzbehörde brachten ein anderes Bild zutage. Die Anklage warf ihm vor, Trophäen, Immobilien und hohe Geldbeträge vor den Gläubigern verborgen zu haben. Das Gericht in London sah die Vorwürfe als erwiesen an. Die Verurteilung und die anschließende Haft markierten den tiefsten Punkt im öffentlichen Leben des einstigen Idols. Der Fall Becker wurde zu einem Lehrstück über den schmalen Grat zwischen Ruhm und Fall, über den Umgang mit Geld und Verantwortung.

Nach seiner Entlassung kehrte Becker ins Licht der Öffentlichkeit zurück, gab Interviews und nahm seine Arbeit als TV-Experte wieder auf. Er übernahm kurzzeitig das Traineramt für den dänischen Spieler Holger Rune. Die Geschichte von Boris Becker bleibt die eines Mannes der Extreme: der jugendliche Held, der Welteroberer, der gefallene Star. Eine Biografie, die mehr Wendungen bereithält als ein Fünf-Satz-Match auf dem Centre Court von Wimbledon.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde Boris Becker geboren?

Boris Becker wurde am 22. November 1967 in Leimen, Deutschland, geboren. Er begann seine Tenniskarriere beim lokalen Verein, bevor er mit 17 Jahren als jüngster Spieler in der Geschichte das Turnier von Wimbledon gewann und zum Weltstar aufstieg.

Wofür ist Boris Becker bekannt?

Boris Becker ist vor allem als jüngster Wimbledon-Sieger in der Geschichte des Herrentennis bekannt. 1985 gewann er das Turnier mit nur 17 Jahren. Seine Karriere umfasst sechs Grand-Slam-Titel, die Führung der Weltrangliste und eine olympische Goldmedaille im Doppel.

Welche wichtigen Titel hat Boris Becker gewonnen?

Zu Beckers wichtigsten Titeln zählen drei Siege in Wimbledon (1985, 1986, 1989), zwei bei den Australian Open (1991, 1996) und einer bei den US Open (1989). Zudem gewann er mit Michael Stich 1992 die olympische Goldmedaille im Doppel in Barcelona.

War Boris Becker verheiratet und hat er Kinder?

Ja, Boris Becker war zweimal verheiratet und ist Vater von vier Kindern. Aus seiner Ehe mit Barbara Feltus stammen die Söhne Noah und Elias. Er hat zudem eine Tochter, Anna Ermakova, und einen Sohn, Amadeus, aus einer späteren Ehe mit Lilly Kerssenberg.

Welchen Einfluss hatte Boris Becker auf den Tennissport?

Boris Becker löste in den 1980er-Jahren in Deutschland einen beispiellosen Tennis-Boom aus. Sein kraftvolles Serve-and-Volley-Spiel und seine emotionale Art prägten eine ganze Spielergeneration und machten Tennis zu einem der populärsten Sportarten des Landes.

Normdaten und externe Verzeichnisse

Quellen und weiterführende Literatur

  • Becker, B. (2013). Das Leben ist kein Spiel. Herbig.
  • Schneyder, W. (1994). Boris Becker. Bertelsmann.
  • Mehren, F. (2020). Boris Becker: Die Biografie. FinanzBuch Verlag.
Briefeditorial

Jeden Sonntag eine Biografie

Eine sorgfältig recherchierte Lebensgeschichte aus unserem Archiv — handverlesen, werbefrei, in Ihrem Postfach.

Kostenlos · jederzeit kündbar · Datenschutz