William Henry Gates III (geb. 1955) ist ein amerikanischer Unternehmer, Programmierer und Philanthrop. Gemeinsam mit Paul Allen gründete er 1975 das Softwareunternehmen Microsoft, das mit dem Betriebssystem MS-DOS und später Windows den Personal-Computer-Markt dominierte. Heute widmet er sich hauptsächlich der Arbeit seiner Bill & Melinda Gates Foundation.
Es war ein klobiger, lauter Fernschreiber vom Typ ASR-33, der 1968 im Computerraum der Lakeside School in Seattle aufgestellt wurde und den Lebensweg eines Dreizehnjährigen für immer verändern sollte. Während seine Mitschüler rechneten, faszinierte William Henry Gates III die kühle Logik der Maschine, die auf Lochstreifen gespeicherte Befehle in Aktionen umsetzte. Er lernte die Programmiersprache BASIC und schrieb sein erstes eigenes Programm: ein Tic-Tac-Toe-Spiel gegen den Computer. In diesem Moment, so erinnerte er sich später, erkannte er die Eleganz, die im Code verborgen lag.
Diese frühe Faszination für die Übersetzung von Logik in Funktion wurde zum Leitmotiv einer Karriere, die Gates vom Harvard-Abbrecher zum Gründer des Software-Konzerns Microsoft, zu einem der reichsten Menschen der Welt und schließlich zu einem der einflussreichsten Philanthropen der Geschichte machte.
Inhalt (5)
| Jahre | Position | Unternehmen | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1972–1973 | Mitgründer | Traf-O-Data | Erstes Unternehmen mit Paul Allen zur Analyse von Verkehrsdaten |
| 1975–2000 | CEO & Mitgründer | Microsoft Corporation | Aufbau zum weltweit führenden Software-Konzern |
| 2000–2008 | Chief Software Architect | Microsoft Corporation | Fokus auf Produktstrategie nach Abgabe des CEO-Postens |
| 1975–2014 | Chairman of the Board | Microsoft Corporation | Vorsitzender des Aufsichtsrats |
| seit 2000 | Co-Vorsitzender | Bill & Melinda Gates Foundation | Eine der größten Privatstiftungen der Welt |
| seit 2008 | Gründer | bgC3 (Gates Ventures) | Think Tank und Investment-Vehikel |
| seit 2014 | Technischer Berater | Microsoft Corporation | Beratende Funktion für den Vorstand |
Der Code von Lakeside
Geboren 1955 in Seattle, besuchte Bill Gates die private Lakeside School, wo er den späteren Microsoft-Mitgründer Paul Allen kennenlernte. Gemeinsam nutzten sie die Computerzeit auf einem GE-Rechner und einer PDP-10 und gründeten im Alter von 14 Jahren ihre erste Firma, Traf-O-Data.
Bill Gates wuchs in einer wohlhabenden Familie in Seattle auf; sein Vater war ein angesehener Anwalt, seine Mutter Lehrerin und Vorstandsmitglied verschiedener Unternehmen. Früh zeigte sich seine Begabung für Mathematik und Naturwissenschaften, doch die wahre Leidenschaft entfachte die Informatik. An der Lakeside School tauchte er tief in die Welt der Programmierung ein. Gemeinsam mit Paul Allen, Ric Weiland und Kent Evans verbrachte er Nächte im Computerraum, um die Systeme zu verstehen und ihre Grenzen auszutesten. Als die Gruppe wegen des Ausnutzens von Softwarefehlern temporär gesperrt wurde, boten sie den Betreibern an, im Gegenzug für freie Rechenzeit die Systeme zu debuggen. Diese pragmatische Herangehensweise wurde zu einem Markenzeichen seiner späteren unternehmerischen Tätigkeit.
Ihre erste Gründung, Traf-O-Data, war ein Versuch, ein kommerzielles Geschäftsmodell zu entwickeln. Sie analysierten Verkehrsdaten für lokale Behörden und verdienten damit 20.000 US-Dollar. Der frühe Unfalltod seines Freundes Kent Evans war ein schwerer persönlicher Schlag für den jungen Gates. 1973 begann er ein Studium an der Harvard University, wo er Steve Ballmer kennenlernte, verbrachte aber mehr Zeit im Computerraum als in den Vorlesungen. Die entscheidende Wende kam im Dezember 1974, als die Zeitschrift „Popular Electronics“ den Heimcomputer Altair 8800 vorstellte. Gates und Allen erkannten sofort das Potenzial: Dieser Maschine fehlte eine verständliche Programmiersprache. Innerhalb weniger Wochen entwickelten sie einen BASIC-Interpreter für den Altair und legten damit den Grundstein für ihr nächstes, weitaus größeres Vorhaben.
Ein Betriebssystem für die Welt
1975 brach Gates sein Harvard-Studium ab, um mit Paul Allen Microsoft zu gründen. Der Durchbruch gelang 1980 mit einem Vertrag mit IBM zur Lieferung des Betriebssystems MS-DOS. Die Veröffentlichung von Microsoft Windows im Jahr 1985 zementierte die Vormachtstellung des Unternehmens auf dem PC-Markt.

Der entscheidende Vertrag kam 1980 zustande, als der Technologieriese IBM ein Betriebssystem für seinen neuen Personal Computer suchte. Gates und Allen boten eines an, das sie noch gar nicht besaßen. In einem Akt unternehmerischer Kühnheit kauften sie für rund 50.000 US-Dollar die Rechte an einem System namens QDOS (Quick and Dirty Operating System) von einer kleinen Firma in Seattle und passten es für IBM an. Als MS-DOS wurde es zum Fundament des Microsoft-Imperiums. Gates bestand auf einem Lizenzmodell, das es Microsoft erlaubte, das Betriebssystem auch an andere Computerhersteller zu verkaufen – eine strategische Weitsicht, die das Wachstum des Unternehmens exponentiell beschleunigte. Jede verkaufte Kopie eines IBM-kompatiblen PCs bedeutete Einnahmen für Microsoft.
Während MS-DOS textbasiert war, arbeitete Microsoft an einer grafischen Benutzeroberfläche. 1985 erschien die erste Version von Microsoft Windows. Obwohl anfangs technisch unterlegen gegenüber Apples System, wurde Windows durch aggressive Preispolitik und die weite Verbreitung auf PCs zum De-facto-Standard. Gates führte den Konzern mit einem intensiven, oft als autoritär beschriebenen Stil. Er war bekannt dafür, den Code seiner Programmierer persönlich zu überprüfen und sie in Meetings mit scharfen Fragen herauszufordern. Unter seiner Führung als CEO wurde Microsoft zu einer der wertvollsten Marken der Welt und machte Gates zum Milliardär.
Der Personal Computer sollte ein Werkzeug für jeden Schreibtisch und für jedes Zuhause werden – eine Vision, die er mit unerbittlicher Konsequenz verfolgte.
Monopol und Wandel
In den späten 1990er Jahren sah sich Microsoft einem weitreichenden Kartellverfahren durch die US-Regierung gegenüber, das die marktbeherrschende Stellung des Unternehmens angriff. Im Jahr 2000 gab Gates den Posten des CEO an Steve Ballmer ab und übernahm die neu geschaffene Rolle des Chief Software Architect.

Der enorme Erfolg von Microsoft rief Wettbewerbshüter auf den Plan. Der Höhepunkt war der Prozess „United States v. Microsoft Corp.“, der 1998 begann. Der Vorwurf lautete, Microsoft habe seine Monopolstellung im Bereich der Betriebssysteme ausgenutzt, um Konkurrenten wie den Browser-Hersteller Netscape aus dem Markt zu drängen. Gates‘ Auftritte während der Anhörungen wurden oft als arrogant und ausweichend kritisiert. Der zuständige Richter Thomas Penfield Jackson attestierte ihm eine „napoleonische Auffassung von sich selbst und seiner Firma“. Das Urteil, das eine Aufspaltung von Microsoft forderte, wurde später in der Berufung abgemildert, doch der Prozess hinterließ Spuren im öffentlichen Bild von Gates und dem Unternehmen.
Dieser äußere Druck fiel in eine Zeit des inneren Wandels. Im Januar 2000 trat Gates als CEO zurück und überließ seinem Studienfreund Steve Ballmer die Leitung des operativen Geschäfts. Er selbst konzentrierte sich als Chefentwickler auf die technologische Vision und Produktstrategie. Diese Neuausrichtung erlaubte es ihm, sich wieder stärker den technischen Details zu widmen, die ihn seit seiner Jugend faszinierten. Gleichzeitig begann er, gemeinsam mit seiner damaligen Frau Melinda French Gates, die philanthropischen Aktivitäten zu intensivieren, die sein späteres Leben bestimmen sollten. Der Übergang war eingeleitet: vom unerbittlichen Unternehmer zum globalen Mäzen.
Die zweite Karriere: Ein Vermögen für die Gesundheit
Ab 2008 zog sich Gates aus dem Tagesgeschäft von Microsoft zurück, um sich vollzeitlich der Bill & Melinda Gates Foundation zu widmen. Gemeinsam mit Warren Buffett initiierte er 2010 die Kampagne „The Giving Pledge“, die Milliardäre dazu ermutigt, den Großteil ihres Vermögens zu spenden.
Die 2000 gegründete Bill & Melinda Gates Foundation wurde schnell zur größten privaten Stiftung der Welt, ausgestattet mit einem Kapital von Dutzenden Milliarden Dollar. Ihr erklärtes Ziel ist die Bekämpfung von extremer Armut und die Verbesserung der globalen Gesundheitsversorgung. Die Stiftung investierte massiv in die Ausrottung von Krankheiten wie Polio und Malaria und wurde zu einem der größten Geldgeber für Impfprogramme weltweit. Gates‘ Ansatz war dabei datengetrieben und unternehmerisch: Er suchte nach skalierbaren Lösungen für die drängendsten Probleme und nutzte seine Reputation, um Regierungen und andere Organisationen zur Zusammenarbeit zu bewegen.
Bereits 2015 warnte er in einem viel beachteten TED-Talk eindringlich vor der Gefahr einer globalen Pandemie und kritisierte, die Welt sei darauf schlecht vorbereitet. Während der COVID-19-Pandemie ab 2020 investierte seine Stiftung Hunderte Millionen Dollar in die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten. Sein Engagement machte ihn jedoch auch zur Zielscheibe von Verschwörungstheorien. Ungeachtet dessen setzt er seine Arbeit fort, fokussiert auf die Klimakrise und die Prävention zukünftiger Pandemien. Sein Privatleben erfuhr 2021 eine Zäsur durch die Scheidung von Melinda French Gates nach 27 Jahren Ehe; die gemeinsame Stiftungsarbeit führen sie jedoch fort.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Bill Gates geboren?
William Henry Gates III wurde am 28. Oktober 1955 in Seattle, Washington, USA, geboren. Er wuchs dort als Sohn des Anwalts William H. Gates Sr. und der Lehrerin Mary Maxwell Gates auf und entwickelte schon früh ein Interesse an Computern.
Wofür ist Bill Gates bekannt?
Bill Gates ist vor allem als Mitgründer des Software-Konzerns Microsoft bekannt. Mit den Betriebssystemen MS-DOS und Windows hat er die Entwicklung des Personal Computers maßgeblich geprägt. Heute ist er zudem als einer der weltweit größten Philanthropen durch seine Bill & Melinda Gates Foundation bekannt.
Was waren die wichtigsten Stationen seiner Karriere?
Zu seinen wichtigsten Stationen zählen die Gründung von Microsoft 1975, der Vertrag mit IBM über MS-DOS 1980 und die Einführung von Windows 1985. Später folgten sein Rückzug als CEO im Jahr 2000 und sein Fokus auf die Bill & Melinda Gates Foundation.
War Bill Gates verheiratet und hat er Kinder?
Ja, Bill Gates war von 1994 bis 2021 mit Melinda French Gates verheiratet. Das Paar hat drei gemeinsame Kinder: zwei Töchter und einen Sohn. Trotz ihrer Scheidung führen sie die Arbeit ihrer gemeinsamen Stiftung fort.
Wie hoch ist das Vermögen von Bill Gates?
Das Vermögen von Bill Gates wird regelmäßig vom Forbes Magazine auf über 100 Milliarden US-Dollar geschätzt, was ihn zu einem der reichsten Menschen der Welt macht. Ein Großteil seines Vermögens ist in seiner Investmentfirma Cascade Investment und in seiner Stiftung gebunden.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Schwab, T. (2023). Das Bill-Gates-Problem. Der Mythos vom wohltätigen Milliärdär. S. Fischer.
- Wallace, J., & Erickson, J. (1993). Mr. Microsoft, die Bill-Gates-Story. Ullstein.
- Ichbiah, D. (1996). Die Microsoft-Story. Bill Gates und das erfolgreichste Software-Unternehmen der Welt. Heyne.