Nelson Mandela (1918–2013) war ein südafrikanischer Anti-Apartheid-Revolutionär und Politiker. Nach 27 Jahren als politischer Gefangener führte er sein Land aus der Apartheid, wurde 1994 der erste demokratisch gewählte Präsident Südafrikas und erhielt 1993 für seinen Beitrag zur friedlichen Überwindung des Rassentrennungsregimes den Friedensnobelpreis.
Sein Vater gab ihm den Namen Rolihlahla, was in der Sprache der Xhosa so viel bedeutet wie „am Ast eines Baumes ziehen“, sinngemäß ein Unruhestifter. Geboren wurde er am 18. Juli 1918 im kleinen Dorf Mvezo in der Transkei, in einer Welt, die von den Traditionen des Thembu-Königshauses geprägt war. Der englische Name Nelson kam erst später hinzu, verliehen von einer Lehrerin in einer methodistischen Missionsschule, ein Tribut an die koloniale Ordnung, gegen die dieser Junge sein Leben richten sollte.
Nelson Mandelas Biografie ist die Chronik eines doppelten Weges: der äußere führte von einem Kraal in der Ostkapprovinz über die Gerichtssäle Johannesburgs und eine Gefängniszelle auf Robben Island bis ins Präsidentenamt; der innere war eine Transformation vom zornigen Nationalisten zum geduldigen Staatsmann, der die Idee der Versöhnung, Ubuntu, zum Fundament einer neuen „Regenbogennation“ machte.
Vom Hirtenjungen zum Anwalt (1918–1944)
Nelson Rolihlahla Mandela wurde am 18. Juli 1918 in Mvezo, Südafrika, in eine Nebenlinie des Thembu-Königshauses geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters wurde er am Hof des Regenten Jongintaba erzogen. Er studierte am University College of Fort Hare und begann 1941 eine juristische Ausbildung in Johannesburg.
Die frühen Jahre verbrachte Mandela in Qunu, einem Dorf, in dem das Leben dem Rhythmus der Natur und den Sitten der Xhosa folgte. Er hütete Vieh, lernte den Kampf mit Stöcken und lauschte den Erzählungen der Ältesten in den Stammesversammlungen. Diese Erfahrung, in der jeder Mann seine Meinung frei äußern konnte, bevor der Anführer einen Konsens suchte, prägte sein späteres Verständnis von Führung. Der Tod seines Vaters Gadla Henry Mandela im Jahr 1927, als Nelson neun Jahre alt war, markierte einen tiefen Einschnitt. Als Mündel des Regenten Jongintaba David Dalindyebo erhielt er im Großen Haus von Mqhekezweni eine Erziehung, die ihn auf eine Beraterrolle am Hof vorbereiten sollte. Doch die Ausbildung in westlichen Institutionen wie dem Clarkebury Boarding Institute und später dem Healdtown Weslean College öffnete ihm den Blick für eine Welt jenseits der traditionellen Grenzen.
Sein Studium am University College of Fort Hare, einer der wenigen höheren Bildungseinrichtungen für Schwarze im südlichen Afrika, brachte ihn 1939 in Kontakt mit zukünftigen Anführern der Befreiungsbewegung, darunter sein lebenslanger Freund und politischer Weggefährte Oliver Tambo. Ein Studentenprotest gegen die schlechte Verpflegung führte zu seiner Suspendierung. Um einer vom Regenten arrangierten Heirat zu entgehen, floh er 1941 mit seinem Cousin Justice nach Johannesburg. Die Metropole war ein Schock und eine Offenbarung zugleich: der Reichtum der Goldbergwerke, die Armut in den Townships wie Alexandra, wo er lebte, und die allgegenwärtige Demütigung durch die Pass-Gesetze. Auf Vermittlung von Walter Sisulu fand er eine Anstellung in der Anwaltskanzlei Witkin, Sidelsky & Eidelman und begann ein Jurastudium an der University of the Witwatersrand. Hier, im intellektuellen und politischen Schmelztiegel der Stadt, begann die Politisierung des jungen Mannes aus der Transkei.
Der Speer der Nation (1944–1962)
Im Jahr 1944 gründete Mandela mit Walter Sisulu und Oliver Tambo die ANC Youth League. Nach dem Wahlsieg der National Party 1948 und der Einführung der Apartheid wurde er zu einer zentralen Figur des Widerstands. Er führte die Defiance Campaign 1952 an und war Mitbegründer des bewaffneten Arms des ANC, Umkhonto we Sizwe, im Jahr 1961.
Die Gründung der ANC Youth League (ANCYL) im Jahr 1944 war eine Kampfansage an die als zu zögerlich empfundene Politik der alten Garde des African National Congress (ANC). Mandela, Sisulu und Tambo forderten eine konfrontativere Haltung gegenüber dem weißen Regime. Ihre Position des afrikanischen Nationalismus wich jedoch bald einer breiteren, nicht-rassischen Bündnispolitik. Der Wendepunkt kam 1948, als die Nasionale Party die Wahlen gewann und begann, die bestehende Rassentrennung zu einem totalitären System auszubauen: der Apartheid. Dieses System klassifizierte jeden Bürger nach Rasse, verbot „Mischehen“, schuf getrennte Wohngebiete (Townships) und entzog Nicht-Weißen die letzten politischen Rechte. Für Mandela war dies die Kodifizierung einer jahrhundertealten Unterdrückung.
Als Antwort organisierte der ANC 1952 die Defiance Campaign, eine Kampagne des zivilen Ungehorsams, die von den Methoden Mahatma Gandhis inspiriert war. Tausende Freiwillige, angeführt von Mandela, verstießen gezielt gegen die Apartheid-Gesetze. Die Kampagne brachte dem ANC massenhaften Zulauf, führte aber auch zu Mandelas erster Verhaftung. Im selben Jahr eröffnete er mit Oliver Tambo in Johannesburg die Kanzlei Mandela & Tambo, die erste von Schwarzen geführte Anwaltssozietät des Landes. Sie bot Schwarzen, die im Dschungel der Apartheid-Gesetzgebung ohne Beistand waren, juristische Hilfe. Die Heirat mit der Sozialarbeiterin Winnie Madikizela im Jahr 1958 fiel in eine Zeit wachsender Repression. Das Massaker von Sharpeville am 21. März 1960, bei dem die Polizei 69 unbewaffnete Demonstranten erschoss, beendete die Ära des gewaltlosen Widerstands. Der ANC wurde verboten. Mandela und andere kamen zu dem Schluss, dass der bewaffnete Kampf unausweichlich geworden war. Im Dezember 1961 gründeten sie Umkhonto we Sizwe (MK), den „Speer der Nation“, mit Mandela als erstem Oberbefehlshaber.
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27 Jahre hinter Gittern (1962–1990)
Nach seiner Verhaftung am 5. August 1962 wurde Mandela im Rivonia-Prozess 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt. Er verbrachte 18 Jahre auf der Gefängnisinsel Robben Island, gefolgt von Haft im Pollsmoor Prison und Victor Verster Prison. Am 11. Februar 1990 wurde er auf Anordnung von Präsident F. W. de Klerk freigelassen.
Nach einer Phase im Untergrund und einer Reise durch Afrika zur Mobilisierung internationaler Unterstützung wurde Mandela am 5. August 1962 verhaftet. Während er bereits eine fünfjährige Haftstrafe verbüßte, stürmte die Polizei im Juli 1963 die Liliesleaf Farm in Rivonia, ein Versteck der MK-Führung. Die dort gefundenen Dokumente führten zum Rivonia-Prozess (1963–1964), in dem Mandela und seine Mitstreiter wegen Sabotage und Planung eines Guerillakrieges angeklagt wurden. Die Todesstrafe schien sicher. In seiner vierstündigen Rede von der Anklagebank, die zu einem Manifest des Befreiungskampfes wurde, erklärte Mandela, er sei bereit, für das Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft zu sterben. Das Urteil lautete auf lebenslange Haft. Der neue Verbannungsort war Robben Island, eine karge Felseninsel vor der Küste Kapstadts.
Die Jahre auf Robben Island waren von harter körperlicher Arbeit im Kalksteinbruch, Isolation und dem Versuch der psychologischen Zermürbung durch das Regime geprägt. Doch die Gefangenen verwandelten die Insel in eine „Universität des Kampfes“. Sie bildeten sich politisch weiter, hielten Debatten ab und schmuggelten Botschaften an die Außenwelt. Mandela, Gefangener 466/64, wurde zur unantastbaren Symbolfigur des globalen Anti-Apartheid-Kampfes. Währenddessen hielten Aktivisten wie die Parlamentsabgeordnete Helen Suzman im Inland und der exilierte Oliver Tambo im Ausland die Erinnerung an ihn wach. 1982 wurde Mandela ins Pollsmoor Prison auf dem Festland verlegt. In den späten 1980er-Jahren, als der Druck auf das Regime durch Sanktionen und Unruhen im Land wuchs, initiierte er aus dem Gefängnis heraus geheime Vorgespräche mit der Regierung. Nach seiner Verlegung ins Victor Verster Prison führten diese Verhandlungen schließlich zu einem direkten Dialog mit dem neuen Präsidenten F. W. de Klerk. Dessen historische Entscheidung, Mandela bedingungslos freizulassen, mündete in jenem sonnigen 11. Februar 1990, als Mandela nach 27 Jahren, 6 Monaten und 6 Tagen als freier Mann durch die Tore des Gefängnisses schritt.
Präsident der Regenbogennation (1990–2013)
Gemeinsam mit F. W. de Klerk erhielt Mandela 1993 den Friedensnobelpreis. Nach den ersten freien Wahlen am 27. April 1994 wurde er der erste schwarze Präsident Südafrikas. Seine Präsidentschaft (1994–1999) war geprägt von der Wahrheits- und Versöhnungskommission und der Verabschiedung einer neuen Verfassung 1996.
Die Freilassung war nur der erste Schritt eines hochgefährlichen Übergangsprozesses. Südafrika stand am Rande eines Bürgerkriegs. Mandela, nun Präsident des wieder legalisierten ANC, und Staatspräsident de Klerk mussten in zähen Verhandlungen den Weg zu einer demokratischen Ordnung ebnen. Für ihre gemeinsamen Anstrengungen, die Apartheid friedlich zu beenden, erhielten beide 1993 den Friedensnobelpreis. Am 27. April 1994 fanden die ersten allgemeinen und freien Wahlen in der Geschichte des Landes statt. Millionen Südafrikaner aller Hautfarben standen stundenlang Schlange, um ihre Stimme abzugeben. Der ANC errang einen überwältigenden Sieg, und am 10. Mai 1994 wurde Nelson Mandela als erster schwarzer Präsident Südafrikas vereidigt.
Seine Präsidentschaft stand im Zeichen der nationalen Versöhnung. Statt auf Rache setzte er auf das Konzept des „Ubuntu“, eine Philosophie, die die Menschlichkeit des Einzelnen im Kontext der Gemeinschaft betont. Das sichtbarste Instrument dieser Politik war die Wahrheits- und Versöhnungskommission (Truth and Reconciliation Commission), die unter dem Vorsitz von Erzbischof Desmond Tutu die Verbrechen der Apartheid aufarbeiten sollte. Täter konnten Amnestie erlangen, wenn sie ihre Taten vollständig offenlegten; den Opfern wurde ein Forum gegeben, um ihr Leid zu schildern. 1996 unterzeichnete Mandela eine der fortschrittlichsten Verfassungen der Welt. Er entschied sich bewusst, nur eine Amtszeit zu regieren, um einen Präzedenzfall für den demokratischen Machtwechsel zu schaffen. 1999 zog er sich aus der aktiven Politik zurück. Im Privaten fand er ein spätes Glück in der Ehe mit Graça Machel, der Witwe des mosambikanischen Präsidenten. In seinen letzten Lebensjahren engagierte er sich vor allem im Kampf gegen AIDS, eine Krankheit, an der auch sein Sohn Makgatho 2005 verstarb. Als Nelson Mandela am 5. Dezember 2013 in Johannesburg starb, trauerte die Welt um einen Staatsmann, dessen Leben bewies, dass selbst tiefste Gräben durch Mut, Weisheit und Vergebung überbrückt werden können.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde Nelson Mandela geboren und wann starb er?
Nelson Mandela wurde am 18. Juli 1918 in Mvezo, einem kleinen Dorf in der südafrikanischen Provinz Ostkap, geboren. Er verstarb am 5. Dezember 2013 im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Houghton, einem Vorort von Johannesburg.
Wofür ist Nelson Mandela hauptsächlich bekannt?
Nelson Mandela ist weltweit bekannt für seinen jahrzehntelangen Kampf gegen die Apartheid in Südafrika. Er verbrachte 27 Jahre als politischer Gefangener, bevor er sein Land in eine Demokratie führte und 1994 der erste schwarze Präsident Südafrikas wurde.
Was waren die wichtigsten Stationen seines politischen Lebens?
Zu den Schlüsselereignissen zählen die Mitgründung der ANC Youth League (1944), die Defiance Campaign (1952), der Rivonia-Prozess (1963–1964), seine 27-jährige Haft, die Freilassung (1990), der Erhalt des Friedensnobelpreises (1993) und seine Präsidentschaft (1994–1999).
Wie lange war Nelson Mandela im Gefängnis und warum?
Nelson Mandela war insgesamt 27 Jahre inhaftiert, von 1963 bis 1990. Er wurde wegen Sabotage und anderer Anklagen im Zusammenhang mit seinem Kampf gegen das Apartheid-Regime als Anführer des bewaffneten Flügels des ANC, Umkhonto we Sizwe, zu lebenslanger Haft verurteilt.
Welchen Einfluss hat Nelson Mandela auf die Nachwelt?
Mandela gilt als globale Ikone für Frieden, Versöhnung und den Kampf für Menschenrechte. Sein Konzept der „Regenbogennation“ und die Arbeit der Wahrheits- und Versöhnungskommission sind Vorbilder für die Bewältigung von Konflikten und historischem Unrecht weltweit.
Normdaten und externe Verzeichnisse
Quellen und weiterführende Literatur
- Mandela, N. (1994). Der lange Weg zur Freiheit. S. Fischer Verlag.
- Sampson, A. (1999). Mandela: The Authorised Biography. HarperCollins.
- Meredith, M. (2010). Mandela: A Biography. PublicAffairs.